Interkulturelle Leseclubs – Kinder lesen für Kinder

Projekt: Interkulturelle Leseclubs

Bild: BKJ/Künste öffnen Welten

An einem Sonntagnachmittag. Die Vorhänge sind zugezogen, das Licht im Kieztreff Gleimviertel in Berlin ist aus. Alle sitzen bequem auf Decken, mit Plüschtieren und natürlich Büchern. Mit Taschenlampen erhellen Celia, Noku und Keisha die aufgeschlagenen Seiten eines Kinderbuches. Gegenseitig lesen und zeigen sich die Kinder, die zwischen drei und zwölf Jahre alt sind, ihre Lieblingsgeschichten, die aus den unterschiedlichsten Regionen dieser Erde berichten.

Sie alle sind in Deutschland geboren oder leben seit früher Kindheit hier, werden aber rein äußerlich häufig nicht als Deutsche wahrgenommen. Es sind meist deren Eltern oder die Großeltern, die aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen sind. Ihre bikulturelle Identität zu stärken, Zuschreibungen aufgrund ihres Aussehens zu thematisieren und Diskriminierung entgegen zu wirken, ist Ziel der Interkulturellen Leseclubs.

In der Zusammenarbeit mit der Miriam-Makeba-Grundschule in Berlin-Moabit, der Kita der Beuth-Hochschule in Berlin-Wedding und dem Kieztreff Gleimviertel nehmen die Kinder, die gemeinsam hier leben, aber unterschiedlichste Kultur- und Bildungshintergründe haben, über ihre Lieblingsbücher Kontakt miteinander auf. Sie lernen außerdem durch den Verein gesammelte Bücher kennen, die in deutscher Sprache die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft und damit auch die Lebenswelt der Kinder abbilden. Ulrike Düregger, Projektleiterin der Interkulturellen Leseclubs, beschreibt: „Oftmals fehlt den Kindern die Motivation lesen zu lernen, wenn sie in den Medien nicht abgebildet sind. Sie müssen sich dort wiederfinden. Bildungseinrichtungen alleine schaffen es nicht diese Thematik aufzugreifen.“ Die Pädagogen/-innen werden demnach durch das Projekt in ihrer Arbeit unterstützt und den Kindern wird Raum gegeben sich in einer Gruppe als zugehörig und gleich zu erfahren. Neben dem für Bildung grundlegendem Medium Buch nutzen die Projektdurchführenden und Künstler/-innen, die selbst meist bikulturell aufgewachsen sind, auch Musik und Theater. Sie singen mit den Kindern Liedern aus den unterschiedlichen Kulturkreisen und bearbeiten Fragen nach Identität ebenfalls theatral.

Auch Eltern sind in das Projekt eingebunden. Die Mutter von Amara ist überzeugt, dass es für die Identität ihrer Tochter wichtig ist anderen schwarzen Kindern zu begegnen: „Ich muss mein Kind einfach stärken.“

Die Eltern kommen gemeinsam mit ihren Kindern in die Leseclubs und können sich z. B. über die alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus, die sie oder ihre Kinder erleben, austauschen. Die Wahl des Kiezes, der Schule, aber auch Aufenthaltsrecht und Rassismus sind wichtige Themen.

Schon bald treffen die Leseclubs, die in der Startphase des Projekts noch in den einzelnen Institutionen – Kieztreff, Grundschule und Kita – stattfinden, aufeinander. Das, was die Kinder und Eltern in den kleinen Gruppen dann schon erfahren haben, wird in einem größeren Rahmen mit allen Beteiligten möglich: Kinder und Eltern – egal, ob gerade erst in Berlin angekommen, ob deutsch und mit bikultureller Identität oder deutsch und deutscher Identität etc. – kommen miteinander über die Lieblingsbücher der Kinder, die kulturelle Vielfalt abbilden, ins Gespräch – über Kultur- und Kiezgrenzen hinweg.

Für das Projekt wünscht sich Ulrike Düregger, dass es auch nach Beendigung der Förderung weitergeht und expandiert: „Vorstellbar wäre, dass Total Plural als eine Art Portal fungiert.“ Weiterführende Projekte, die mit verschiedenen Künsten und Künstlern arbeiten, sind ihre Vision.

Beginn: 18. Juni 2013
Förderzeitraum: bis 17. Juni 2016
Fördersumme: bei aktueller Laufzeit 34.080 Euro