FAQ: Bündnisstruktur und -aufgaben: Zusammenarbeit gemeinsam gestalten

Wer kann Bündnispartner werden?

Ein Bündnis wird grundsätzlich nur aus Institutionen gebildet. Einzelpersonen bzw. im rechtlichen Sinne natürliche Personen (z. B. freischaffende Künstler*innen oder Kulturpädagog*innen) sind als Bündnispartner ausgeschlossen oder können nur gemeinsam mit einem Kunst- oder Kulturverein oder einer Einrichtung Bündnispartner werden.

Gebietskörperschaften und kommunale Einrichtungen können Bündnispartner sein. Allerdings dürfen kommunale Ämter nicht als Antragsteller/Zuwendungsempfänger fungieren. Es muss sich um nachgeordnete Einrichtungen oder Stellen handeln, die selbst praktisch tätig sind. Das sind z. B. Bibliotheken, Museen, Jugendzentren, Musikschulen.

Nur in Ausnahmefällen können Einrichtungen, die zum gleichen Träger gehören, Bündnispartner werden. Dies ist nach sorgfältiger Prüfung anderer Optionen nur dann gestattet, wenn es sich um eigenständig agierende Institutionen handelt, die unterschiedliche Profile und Kompetenzen einbringen und es bei deren Bündnispartnerschaft nicht zu Interessenskollisionen kommt.

Dachverbände und ein Mitglied dieses Verbands können keine Bündnispartner sein, solche „vertikalen“ Bündnisse sind nicht möglich.

Bündnisse sollen gemeinwohlorientiert und zivilgesellschaftlich sein: Das drückt sich darin aus, dass sie durch gemeinnützige Träger wie v. a. Vereine, öffentliche Einrichtungen und Stiftungen gebildet werden. Kommerzielle Anbieter sollten nur im Ausnahmefall Bündnispartner sein.

Ein Bündnispartner fungiert als Antragsteller.

 

Wer ist für die Organisation zuständig und wird dies entgolten?

Einer oder mehrere Bündnispartner können für die Organisation zuständig sein, in der Regel ist dies der Antragsteller. Die Verantwortung dafür darf jedoch nicht bei Kindertagesstätten, Horten oder Schulen liegen. Die Organisation kann nicht entgolten werden, da die Programmmittel ausschließlich für die unmittelbare Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen verwendet werden dürfen. Für jedes Projekt gibt es jedoch eine Verwaltungspauschale in Höhe von 5 % der verausgabten und geprüften Mittel, die ohne Nachweis eingesetzt werden kann, z. B. als Aufwandsentschädigung.

Welcher Bündnispartner kann Antragsteller sein?

Ein Bündnispartner übernimmt als Antragsteller und Zuwendungsempfänger die administrative Verantwortung. Antragsberechtigt sind alle gemeinnützigen oder öffentlich-rechtlichen Rechtspersonen. Nicht-eingetragene Vereine, GbRs oder natürliche Personen können also keinen Antrag stellen. Nähere Informationen finden sich hier.

Vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden können folgende Rechtspersonen: eingetragene Vereine, Stiftungen bürgerlichen Rechts, eingetragene Genossenschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Unternehmergesellschaften, Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und die Europäische Gesellschaften.

Öffentlich-rechtliche Körperschaften können auch ohne anerkannte Gemeinnützigkeit Anträge stellen. Dazu gehören neben den Gebietskörperschaften (Länder, Kreise, Kommunen) auch alle anderen Körperschaften, Stiftungen und Anstalten öffentlichen Rechts (z. B. Zweckverbände oder Kirchengemeinden). Nicht dazu gehören private Rechtspersonen (z. B. GmbHs), die lediglich im Eigentum einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft stehen.

Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie Horte – egal ob in öffentlicher oder freier Trägerschaft – sind aus förderrechtlichen Gründen von der Antragstellung ausgeschlossen. Ob Ämter Anträge stellen können, richtet sich nach inhaltlichen Gründen: In ihrer Eigenschaft als Amt (z. B. als Schulamt) ist keine Antragstellung möglich. Ist jedoch z. B. eine Jugendbeteiligungsstelle in einem Amt eingegliedert, ist eine Antragstellung möglich. Gerne beraten wir Sie hierzu auch persönlich.

Was bedeutet „Bündniszusammenarbeit“?

Die Qualität des Bündnisses entscheidet über den Erfolg des Projektes. Die Bündnispartner (mindestens drei, d. h. Antragssteller und mindestens zwei weitere Partner) müssen gemeinsam das Projektvorhaben planen und durchführen. Hier ist es hilfreich, wenn die Partner über Erfahrung im Bereich von Kooperationen und Bildungspartnerschaften verfügen. Die Partner konzipieren und reflektieren das Projekt gemeinsam. Die drei (oder mehr) Partner klären miteinander, welchen Beitrag sie jeweils zum Erfolg des gemeinsamen Projektvorhabens leisten und welche konkreten Aufgaben sie übernehmen werden. Festgehalten wird dies in einer Kooperationsvereinbarung. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verantwortlichkeiten angemessen und ausgewogen sowie den jeweiligen Kompetenzen und Erfahrungen entsprechend verteilt werden. Die Zusammenarbeit soll mittel- bis langfristig angelegt sein, also mindestens die Projektdauer über tragen. Über die Dauer des Projektes stimmen sich die Bündnispartner regelmäßig in Gesprächen ab und reflektieren den Projektverlauf.

Bündnispartner sollten sich durch ein gegenseitiges und projektbezogenes inhaltliches Interesse auszeichnen – und nicht durch eine wirtschaftliche Beziehung untereinander. Ein Theater zum Beispiel, das durch die Teilnehmer*innen lediglich besucht wird und dafür Eintrittsgelder erhebt, kann kein Bündnispartner sein. Ein Theater kann aber bspw. Bündnispartner werden, wenn es sich unentgeltlich in die Konzeptionsarbeit einbringt und Räume für Treffen der Jugendlichen bereitstellt.

Welche Erfahrungen und Kompetenzen sollten die Bündnispartner konkret haben?

Folgende Kompetenzen müssen im Bündnis gewährleistet sein. Die BKJ ist dabei daran interessiert, welcher Bündnispartner welche Erfahrungen und welches Know-how einbringt:

  1. Erfahrungen und Expertise in der Konzeption und Durchführung kultureller Bildungsangebote;
  2. Zugänge zu Kindern und Jugendlichen in familiären Risikolagen, die von Vertrauen geprägt sind und eine kontinuierliche Ansprache ermöglichen;
  3. Erfahrungen in der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen in familiären Risikolagen bzw. mit heterogenen Gruppenkonstellationen;
  4. Verankerung im gemeinsamen lokalen Umfeld (Sozialraum) und Bezüge zu den Lebenswelten der Teilnehmer*innen;
  5. zivilgesellschaftliche Verankerung, ehrenamtliche Ressourcen und Aktivierungspotenziale für freiwilliges Engagement.

Wer kann die Angebote konkret durchführen?

Die Angebote können von Kultur-, Medien- oder Spielpädagog*innen, Künstler*innen oder anderen qualifizierten (Honorar-)Kräften durchgeführt werden. Es muss kein Nachweis über die Qualifizierung erbracht werden, die BKJ setzt jedoch voraus, dass die Bündnisse sichern, dass die durchführenden Personen über entsprechende Qualifikationen verfügen. Diejenigen, welche die Angebote durchführen, werden vom antragstellenden Bündnispartner per Honorarvertrag beauftragt.

Darf innerhalb eines Antrags/eines Projektes ein Bündnispartner gewechselt werden?

Änderungen in der Bündnisstruktur sind begründet möglich. Sie sind jedoch mit Blick auf das bewilligte Projektkonzept durch die BKJ zu entscheiden. Sie müssen daher vorher und frühzeitig mitgeteilt werden. Veränderungen der Bündnisstruktur benötigen die Bestätigung durch die BKJ und eine neue Kooperationsgrundlage (schriftliche Kooperationsvereinbarung).

Können Bündnispartner in mehreren Bündnissen Mitglied und/oder Antragsteller/Zuwendungsempfänger sein?

Einrichtungen können Partner in verschiedenen „Kultur macht stark“-Bündnissen sein. Wichtig ist, dass die verschiedenen Bündnisse unterschiedliche Projekte/Vorhaben durchführen. Für ein konkretes Projektvorhaben kann nur bei einem durch das BMBF geförderten Programmpartner (z. B. BKJ) ein Antrag eingereicht werden, so dass das BMBF hier Doppelförderung ausschließen kann. Mit unterschiedlichen Projektvorhaben und Maßnahmen können sich Antragsteller erneut bei dem gleichen oder bei unterschiedlichen BMBF-Programmpartnern um eine Förderung bewerben.

Kann ich mich mit einem Bündnis bewerben, in dem ich bereits bei „Kultur macht stark“/„Künste öffnen Welten“ gearbeitet habe?

Es ist möglich, in einem bereits erprobten Bündnis zu arbeiten. Es muss allerdings deutlich werden, dass ein bereits geförderter Projektansatz weiterentwickelt wurde und dass neue Kinder und Jugendliche erreicht werden. Es ist nicht möglich, bereits durchgeführte Projekte unverändert bzw. mit den gleichen Teilnehmer*innen weiterzuführen. Alternativ können Sie auch als Bündnispartner ein inhaltlich-konzeptionell ganz neues Projekt entwerfen und zur Förderung einreichen.

Was ist der Sozialraum? Was bedeutet„lokal“?

Als Sozialraum wird – kurz gesagt – das Lebensumfeld sowohl räumlich als auch sozial verstanden. Er kann Hinweise auf die konkrete Lebens- und Bildungssituation geben bzw. neue Bildungschancen schaffen, indem beispielsweise vorhandene Ressourcen des Sozialraums genutzt werden. Entsprechend sollen die Kinder und Jugendlichen in ihrem konkreten Wohn- und Lebensumfeld angesprochen werden und die Angebote im Sozialraum verankert sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der Sozialraum in ländlichen Gebieten anders darstellen kann als in urbanen Räumen.

Die „Lokalität“ ist also Teil des „Sozialraums“. Auch hierbei ist zu berücksichtigen, dass in städtischen Bereichen die Zuordnung „lokal“ durch die unmittelbare räumliche Nähe gegeben ist. In den ländlichen Gebieten (Gemeinden, Kreise oder regionale Landesgrenzen) kann der Begriff „lokal“ auch weiter gefasst sein, wenn dies inhaltlich gut begründbar und organisatorisch machbar ist – letztlich muss der Raum für Kinder und Jugendliche dauerhaft erreichbar sein.

Mehr fachliche Einblicke und praktische Beispiele zum Thema Sozialraum und Kulturelle Bildung finden Sie im Themenheft Sozialraum: www.kuenste-oeffnen-welten.de/sozialraum

Mehr fachliche Einblicke und praktische Beispiele zum Thema Sozialraum und Kulturelle Bildung finden Sie im Themenheft Sozialraum: www.kuenste-oeffnen-welten.de/sozialraum

Was tun wir, wenn nicht ausreichend geeignete Partner in einem Sozialraum liegen?

Die Projekte sollen vor Ort wirksam werden und stattfinden. Das heißt, Wohnort der Kinder und Jugendlichen sowie der Sitz der Bündnispartner sollen in einem Sozialraum liegen. Sollten vor Ort nicht ausreichend geeignete Partner liegen, kann das Angebot ggf. auch einen aufsuchenden Ansatz haben, indem sich die Bündnispartner räumlich in Richtung der Teilnehmer*innen bewegen. Dies muss jedoch nicht nur nachvollziehbar begründet werden, vielmehr müssen die Bündnispartner auch darstellen, dass sie sich in den Lebenswelten und im Sozialraum der Teilnehmer*innen auskennen.