FAQ: Weitere Entwicklungskriterien und Entwicklungsimpulse

Was ist mit „Lebenswelten“ gemeint?

Die Lebenswelten sind die Orte und Themen, in denen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen, womit sie sich beschäftigen und was sie beschäftigt. Dies können sowohl ganz unmittelbare Orte und Dinge sein, als auch virtuelle Räume. Also zum Beispiel ein öffentlicher Platz, die Einkaufsstraße, der Wald als Aufenthaltsraum oder auch ein Thema, das Kinder oder Jugendliche in ihrem Alltag beschäftigt wie Liebe, Freundschaft, Mobbing, Diskriminierung, etc. Alle Beispiele beziehen sich auf die Welt, in der sie leben – emotional, gedanklich oder physisch.

Wie können wir mehr über die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen erfahren?

Am besten können die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen durch die Kinder und Jugendlichen selbst beschrieben werden. Ihre frühzeitige Einbeziehung in die Projektplanung oder -durchführung ist dafür sinnvoll. Um die Kinder und Jugendlichen gut anzusprechen und zu erreichen, braucht es mindestens einen Partner im Bündnis, der einen Zugang zu ihnen gewährleisten kann. Dies kann ein Jugendclub, die Schulsozialarbeit, ein Fußballverein o. ä. sein.

Wie können wir die Einbindung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen, wie z. B. durch Fluchterfahrung oder durch körperliche oder geistige Be_Hinderung, realisieren?

Um Begegnungen, Zusammenleben und Inklusion zu fördern, konzipieren Sie ein Projekt, das Austausch und Dialog anregt. Dies bedeutet beispielsweise, dass…

  • … geflüchtete Kinder und Jugendliche mit Kindern und Jugendlichen, die schon länger in Deutschland beheimatet sind, einander begegnen und gemeinsam arbeiten.
  • …Kinder und Jugendliche mit Behinderungen regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen, die nicht von Behinderungen betroffen sind, arbeiten.

Grundsätzlich heißt das, dass das Projekt inklusiv ausgerichtet und zugangsoffen sein sollte. Die Herangehensweisen und Methoden sollten die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Teilnehmer*innen berücksichtigen und Raum für Austausch lassen. Für derartige Projekte besteht je nach Notwendigkeit die Möglichkeit, Extra-Mittel für Besondere Bedarfe (Hinweise zur Finanzierung/Punkt 6), wie z. B. für eine*n (Gebärden-)Dolmetscher*in, zu beantragen.

Wie können wir möglichst anti-diskriminierend, diversitätssensibel und inklusiv arbeiten?

Hinter anti-diskriminierender, diversitätssensibler und inklusiver Arbeit steckt zunächst eine Haltung. Dazu ist u. a. notwendig, die Angebote auf ihre Zugänglichkeit hin zu prüfen, die Ansprache und Kommunikationswege und -weisen zu hinterfragen und Entscheidungswege und -strukturen zu betrachten. Die Arbeit mit den Partnern und den Teilnehmer*innen muss auf Augenhöhe stattfinden, Stigmatisierungen und Pauschalisierungen müssen erkannt und vermieden werden, genauso wie Formen der Diskriminierung (soziale Zugehörigkeiten, Herkunft, Geschlecht, Alter, Gesundheit, sexuelle Orientierung etc.). Es ist hierbei notwendig, den Blick auf den*die Einzelne*n mit den jeweiligen individuellen Bedürfnissen zu richten, die Angebote zu öffnen, um einer diversen Gruppe die Möglichkeit der Teilnahme zu ermöglichen und Barrieren zu erkennen und abzubauen.

Für weitere Erläuterungen empfehlen wir Ihnen folgende Hinweise:

Was ist bei Angeboten zu beachten, bei denen ich Teilnehmer*innen mit Fluchtgeschichte einbinden möchte?

Bitte beachten Sie bei der Gestaltung von Projekten mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung besonders darauf, dass mit ihren Erfahrungen und Hintergründen bewusst und sensibel umgegangen wird. Gleichzeitig sollten die Fluchterfahrungen in keiner Weise alleinstehend im Vordergrund stehen und die Teilnehmer*innen darauf reduziert werden.
Wir empfehlen Ihnen zu dieser Thematik folgende Hinweise:

Wofür können Freiwillige / Ehrenamtliche eingesetzt werden?

Freiwillige und Ehrenamtliche können für verschiedene Tätigkeiten eingesetzt werden, entscheidend sind hierbei ihre Interessen und Kompetenzen. Dies kann heißen: Ehrenamtliche übernehmen die Organisation des Bündnisses, die Administration des Projektes. Freiwillige werden oft aber auch als Unterstützer*innen und Betreuer*innen in die kulturpädagogische Praxis eingebunden etc. Ihr Aufwand kann finanziell entgolten werden. (Siehe Finanzierungshinweise, Punkt 3. Koppelung der Förderung an die festen Beträge).

Wie können wir den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ mit Bündnisprojekten unterstützen?

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern heißt innerhalb des Programms zum Beispiel, durch Kulturelle Bildung Teilhabe und Mitgestaltung – im direkten Umfeld – zu ermöglichen, Begegnungen unterschiedlicher Menschen zu schaffen oder zivilgesellschaftliche Strukturen und ehrenamtliches Engagement zu stärken.

Das heißt im Konkreten, gesellschaftlicher Zusammenhalt kann unterstützt werden durch Projekte, die den Austausch von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Hintergründe und Voraussetzungen, Kulturen und Perspektiven ermöglichen. Projekte, die also auf die Einbindung vielfältiger Persönlichkeiten achten und die gemeinsamen (Bildungs-)Erfahrungen, das Wachsen aneinander und miteinander ins Zentrum rücken. Dabei können auch altersübergreifende Konzepte, Peer-Angebote und intergenerationale Ansätze eine besondere Rolle spielen. Die Bildungskonzepte sollten sich an der unmittelbaren Lebenswelt und dem direkten Sozialraum der Kinder und Jugendlichen orientieren und versuchen z. B. durch Ihre Themen gesellschaftliche Relevanz zu entwickeln, indem sie sich auf Gemeinschaft und Gemeinwesen ausrichten.

Worin zeigt sich ein „Engagement für ein gesellschaftliches Miteinander“?

Bündnisse, die ein „Engagement für ein gesellschaftliches Miteinander“ verfolgen, mobilisieren Bündnispartner, welche beispielsweise zivilgesellschaftlich verankert sind und auf Ehrenamt setzen und/oder Engagement von Kindern/Jugendlichen (z. B. Peers), von Familien (z. B. Großeltern) und weiteren Bürger*innen (z. B. Mentor*innen) fördern. Sie aktivieren, nutzen bzw. entwickeln Engagement für Bildungsgerechtigkeit, für Kinder und Jugendliche in bildungsbenachteiligenden Lebenssituationen. Konkret kann das z. B. geschehen indem

  • Ehrenamtliche die Organisation/Administration der Bündnisse/Projekte übernehmen
  • Freiwillige als Unterstützer*innen und Betreuer*innen in die kulturpädagogische Praxis fungieren
  • Mentor*innen und Peers ausgebildet werden.