Was bedeutet neuartig und zusätzlich?

In „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ und damit auch in „Künste öffnen Welten“ müssen die beantragten Projekte grundsätzlich ein neues und zusätzliches Angebot darstellen, das sich von den Regelangeboten aller Bündnispartner abgrenzt und das zudem neue Teilnehmer*innen erreicht. Das heißt, es können nur Projekte gefördert werden, die keine Angebote ersetzen oder fortführen, die bisher anderweitig finanziert wurden oder werden. Dies gilt ausdrücklich für die Angebote sämtlicher Bündnispartner.
Aktivitäten, die bereits in Vergangenheit durch „Künste öffnen Welten“ finanziert wurden, gelten dann als zusätzlich, wenn überwiegend neue Kinder und Jugendliche erreicht werden, die Aktivitäten zugangsoffen bleiben und sie sich klar vom Vorgänger-Projekt abgrenzen lassen.

Werden für die Aktivitäten lediglich konzeptionelle Ideen von Projekten übernommen, die zuvor ähnlich, aber in einem anderen Kontext durchgeführt wurden, ist die Zusätzlichkeit gewahrt, wenn das Projekt in einer neuen Bündniskonstellation und mit anderen Teilnehmer*innen durchgeführt wird.
Nicht möglich sind Projekte, bei denen Aufgaben von Einrichtungen übernommen werden, zu denen diese anderweitig verpflichtet sind (z. B. Unterricht in Schulen, Betreuung in Kindertagesstätten und Horten, Hilfen zur Erziehung nach dem SGB VIII, Betreuung in Unterkünften für Geflüchtete). Wenn mit solchen Einrichtungen kooperiert wird, müssen weitere Kriterien vollständig erfüllt sein (siehe folgende Fragen).

Warum müssen die Angebote außerunterrichtlich stattfinden?

Weil das Programm Bundesmittel im Bildungsbereich zur Verfügung stellt, ist sicherzustellen, dass in Kindertagesstätten, Schulen und Horten keine hoheitlichen kommunalen oder Länderaufgaben berührt werden und damit keine Pflichtaufgaben dieser Einrichtungen gefördert werden.

Was bedeutet die Außerunterrichtlichkeit?

Ein Projekt gilt als außerunterrichtliches Angebot, wenn folgende Kriterien für alle Module (Kurse, Workshop, Kompetenzdokumentation) sämtlich erfüllt sind:

  • Die Angebote finden nicht während der normalen Unterrichtszeit oder in Zeiten schulischer Anwesenheitspflicht statt – auch nicht, wenn die Schüler*innen dafür vom Unterricht freigestellt werden. Sie sind demnach nach Schulschluss, an Wochenenden oder in den Ferien verortet, also in der Freizeit. Dies schließt auch den Besuch von Kultureinrichtungen/-veranstaltungen oder die Präsentation am Ende des Projektes ein.
  • Das bedeutet: Angebote im Rahmen des offenen Ganztagsschulbetriebs sind nur als zusätzliche und neue Angebote am Nachmittag und zu Zeiten möglich, in denen es Arbeitsgemeinschaften oder freie Betreuungsangebote gibt, die nicht verpflichtend sind. Angebote sind nicht möglich in den Zeiten des (teil-)gebundenen Ganztags oder als Angebote, die im Rahmen von Wandertagen oder Projektwochen durchgeführt werden. Als Ausnahmen hiervon gelten ausschließlich Schnupperangebote zur Werbung neuer Teilnehmer*innen für das Projekt, die auf max. drei Teilnahmen pro Person beschränkt sind. Bitte beachten Sie die damit verbundenen Auflagen.
  • Die Teilnahme ist freiwillig. Die Kinder und Jugendlichen (bzw. deren Eltern) können selbst und individuell entscheiden, ob sie an diesen zusätzlichen Aktivitäten teilnehmen – sie nehmen also in ihrer frei gestaltbaren Zeit teil (Freizeit).
  • Das Projekt bzw. seine Module sind kein Bestandteil der (vom jeweiligen Land) festgelegten Stundentafel des Regelunterrichts und auch nicht des Curriculums/Lehrplans. Die Teilnahme am Projekt fließt nicht in die Notengebung ein.

Auch die Verantwortlichkeiten müssen klar abgegrenzt zur Schule sein. Ein außerschulischer Träger übernimmt als Antragsteller die Verantwortung und fungiert als Veranstalter – die Schulen treten demnach nicht als Veranstalter auf. Dementsprechend liegt ein Einverständnis der Eltern für die Teilnahme an dem außerschulischen Angebot vor. Der Antragsteller übernimmt die Verantwortung für die Aktivitäten, übernimmt also auch die Aufsichtspflicht und ist verantwortlich für die Honorarkräfte und ggf. für Ehrenamtliche und eingesetztes Personal. Die Angebote werden von qualifiziertem externen Personal verantwortet und durchgeführt, das nicht der Schule angehört. Erzieher*innen oder Lehrer*innen übernehmen also höchstens unterstützende Aufgaben außerhalb ihrer dienstlichen Verpflichtungen. Eine Honorierung dieses Personals der Schule erfolgt nicht.

Unter welchen Bedingungen können wir in der Kita oder im Hort arbeiten?

Unter welchen Bedingungen können wir in der Kita bzw. im Hort arbeiten?
Soweit es sich um Kindertagesstätten und Horte handelt (öffentliche oder freie Trägerschaft spielt keine Rolle), müssen die folgenden Kriterien vollständig erfüllt sein:

  • Die in/mit der Kindertagesstätte und in Kinderhorten stattfindenden Angebote dauern höchstens drei Monate. Abweichungen von dieser zeitlichen Beschränkung sind nur möglich, soweit die BKJ nach individueller Prüfung vorab schriftlich zugestimmt hat.
  • Die Angebote haben nicht das Ziel, die Betreuungssituation in der Einrichtung zu verbessern. Die gesetzlichen oder vertraglichen Anforderungen an den Betreuungsschlüssel werden stets auch ohne das Projekt gewährleistet. Eine verlässliche Integration in den Tages-/Wochenplan der Einrichtung findet demnach nicht statt.
  • Die Angebote richten sich nicht an sämtliche Kinder einer Betreuungsgruppe oder einer Einrichtung, sondern finden in individuellen Projektgruppen statt, die in der jeweiligen Zusammensetzung nur für das jeweilige Projekt besteht (begrenzte Plätze für die Teilnahme).
  • Das Angebot ist freiwillig. Die Entscheidung für die Teilnahme an dem „Künste öffnen Welten“-Angebot wird von jedem Kind bzw. für jedes Kind durch die Eltern individuell getroffen.

Auch die Verantwortlichkeiten müssen klar abgegrenzt zur Kindertagesstätte sein. Ein anderer, von der Kindertagesstätte/Hort unabhängiger Träger übernimmt als Antragsteller die Verantwortung und fungiert als Veranstalter – die Kindertagesstätten und Horte treten demnach nicht als Veranstalter auf. Dementsprechend liegt ein Einverständnis der Eltern für die Teilnahme vor. Der Antragsteller übernimmt die Verantwortung für die Aktivitäten (Durchführung, Festlegung von Zielen, Inhalten, Methoden), übernimmt also auch die Aufsichtspflicht und ist verantwortlich für die Honorarkräfte und ggf. für Ehrenamtliche und eingesetztes Personal. Die Angebote werden von qualifiziertem externem Personal verantwortet und durchgeführt, das nicht der Kindertagesstätte angehört. Erzieher*innen übernehmen also höchstens unterstützende Aufgaben. Eine Honorierung dieses Personals der Kindertagesstätte erfolgt nicht.

Was wird bei der Außerunterrichtlichkeit als „Freizeit“ verstanden?

Die Teilnahme am Angebot muss freiwillig sein, d. h. in ihrer frei gestaltbaren Zeit stattfinden. Freizeit bedeutet, dass die Kinder und Jugendlichen nach Hause gehen oder andere Aktivitäten wahrnehmen können, zu denen sie nicht verpflichtet sind. Dies ist nicht Fall, wenn sich beispielsweise Schüler*innen im Rahmen von Wahlpflichtkursen zwischen verschiedenen Angeboten entscheiden müssen.

Was müssen wir bei den Schnupperangeboten beachten?

Voraussetzung für die geförderten Angebote im Rahmen von „Künste öffnen Welten“ ist, dass die Angebote außerunterrichtlich stattfinden, also nicht in den Zeiten, in denen Kinder oder Jugendliche zur Anwesenheit verpflichtet sind. Die einzige Ausnahme sind Schnupperangebote, mit denen auf die Angebote aufmerksam gemacht wird und mit denen die Kinder und Jugendlichen animiert und motiviert werden, an dem Projekt teilzunehmen. Die Schnupperangebote können unter bestimmten Voraussetzungen auch während der verpflichtenden Schulzeit durchgeführt werden, jedoch müssen in diesem Fall nachfolgende Bedingungen eingehalten werden:

  • Die Angebote müssen dazu dienen, dass die Teilnehmer*innen bzw. Zuschauer*innen für die weiteren Module des Projektes gewonnen werden bzw. in diese eingeführt werden.
  • Jedes Kind bzw. jede*r Jugendliche darf nur an max. drei dieser Schnupperangebote teilnehmen.
  • Die Kinder/Jugendlichen müssen freiwillig teilnehmen, d. h. dass es parallel zu den Schnupperangeboten, die im Rahmen von „Künste öffnen Welten II“ stattfinden, alternative Angebote für Kinder/Jugendliche gibt, die nicht teilnehmen wollen.
  • Von einzelnen Schnupperangeboten sind nur wenige, d. h. max. zwei Unterrichtsstunden bzw. gebundene Ganztagsstunden betroffen. Es findet nur ein Schnupperangebot am Tag statt.
  • Das Angebot muss außercurricular verankert sein, d. h. es darf keinen Lehrplanbezug haben.
  • Die inhaltlich-organisatorische Verantwortung und Aufsichtspflicht muss beim außerschulischen Partner liegen.

Die Anzahl der Schnupperangebote ist begrenzt und muss im angemessenen Verhältnis zu der angestrebten Teilnehmer*innen-Zahl, zur Zielgruppe und zum geplanten Projektzeitraum stehen.

Was bedeutet Abgrenzung zur Förderung nach SGB VIII?

Das SGB VIII regelt die Leistungen gegenüber jungen Menschen sowie deren Familien. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe in den Ländern und Kommunen sind verantwortlich dafür, dass diese Leistungen erbracht werden, z. B. durch Jugendämter und öffentliche Jugendeinrichtungen. Da durch die Bundesmittel aus dem Programm „Kultur macht stark“ keine Angebote finanziert werden dürfen, die in der Hoheit von Ländern oder Kommunen liegen und keine Doppelförderung von Maßnahmen stattfinden darf, muss hier eine klare Abgrenzung sichergestellt sein. Das gilt analog auch für die verpflichtenden Angebote im Rahmen der Flüchtlings- und Integrationshilfen.
Das heißt, verpflichtende Angebote, die in die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe fallen, müssen von den Angeboten von „Künste öffnen Welten“ inhaltlich und strukturell (also auch personell) abgegrenzt werden. Im Konkreten handelt es sich dabei zum Beispiel um Maßnahmen der Jugendsozialarbeit gem. §13 SGB VIII, die ein breites Spektrum an Unterstützungsleistungen vorsehen und zu denen die Länder und Kommunen verpflichtet sind, aber auch Hilfen zur Erziehung oder Heimerziehung.
Sollten in ihrem Bündnis Partner sein, die für diese Aufgaben gefördert werden, muss darauf geachtet werden, dass

  • die Angebote neu sind und nicht bereits in dieser Form durch SGB VIII-Mittel gefördert werden/wurden,
  • die bisherigen Aktivitäten parallel und unverändert weiterlaufen. Mit den geförderten Aktivitäten wird also ein wirkliches Mehrangebot geschaffen.
  • die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen an dem Angebot im Rahmen von „Künste öffnen Welten“ freiwillig ist. Die Kinder und Jugendlichen (bzw. deren Eltern) können selbst und individuell entscheiden, ob sie an diesen zusätzlichen Aktivitäten teilnehmen.
  • unterschiedliche Kinder und Jugendliche an dem Angebot teilnehmen, d. h. die Gruppe sich nicht ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen zusammensetzt, die nach SGB VIII bzw. durch Flüchtlings- und Integrationshilfen gefördert werden.

Die organisatorische, inhaltliche und personelle Gesamtverantwortung muss außerhalb eines Bündnispartners liegen, der für Maßnahmen nach SGB VIII oder der Flüchtlings- und Integrationshilfe gefördert wird. Seine hauptamtlichen Mitarbeiter*innen dürfen im Rahmen des „Künste öffnen Welten“-Projektes keine projektverantwortlichen Aufgaben und Funktionen übernehmen und auch nicht zusätzlich honoriert werden.
Viele Bündnispartner, die als freie oder öffentliche Träger der Jugendhilfe agieren, werden zwar auf Grundlage des SGB VIII gefördert – oft aber für offene Angebote, die z. B. als Jugendarbeit unter § 11 oder §12 SGB VIII freiwillige Aufgaben der Länder und Kommunen sind. Da es sich im letzteren Fall nicht um Pflichtangebote der öffentlichen Hand handelt, sind in diesem Rahmen Kooperationen und Ergänzungen durch „Künste öffnen Welten“-Angebote möglich.