Förderung

Ausschreibung

Bewerben Sie sich für eine Projekt-Förderung beim Programm „Künste öffnen Welten“!

Für einen Projektstart ab Mitte Juni 2018, reichen Sie Ihre Projektidee bis 28. Februar 2018 ein.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über:

Auf weiteren Seiten finden Sie wichtige Formulare und ausführliche Hinweise zu den Förderkriterien und zur Finanzierung.

Weitere Ausschreibungsrunden

Ab Mitte Juni 2018 können wieder Projektideen eingereicht werden, für einen Projektstart ab Januar 2019. (Ein formaler Antrag muss bis zum 15. September 2018 eingereicht werden).

Hier gibt es das Informationsblatt zur Projektförderung zum Download: [ als PDF ]

Was ist Künste öffnen Welten?

„Künste öffnen Welten“ ist ein Förderprogramm der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ). Es ist ein Teil des Bundesprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Gefördert werden Projekte der Kulturellen Bildung in ganz Deutschland, die sich an wenig-privilegierte Kinder und Jugendliche* richten.

Was ist das Ziel der Förderung?

Ziel der Förderung ist es, die Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen* zu erhöhen. Mit der Förderung können Projekte umgesetzt werden, die diese Kinder und Jugendlichen* besonders in den Blick nehmen. So können sie teilhaben an Angeboten der Kulturellen Bildung, zu denen sie sonst keinen oder nur wenig Zugang haben.

Welche Projekte werden gefördert?

Die Projekte müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um gefördert werden zu können. Wir unterscheiden dabei zwischen a) inhaltlichen Kriterien und b) formalen Kriterien.

a) Inhaltliche Kriterien:

  • Bezug zur Kulturellen Bildung: Die geförderten Projekte müssen Angebote der Kulturellen Bildung sein. Bereiche der Kulturellen Bildung sind: Kunst und Kultur (Theater, Bildende Kunst, Fotografie, Tanz, Musik, Literatur etc.), Spiel und Medien. Die Teilnehmer*innen sollen in den Projekten selbst künstlerisch und kreativ tätig werden.
  • Bezug zur Lebenswelt: Die Projekte sollen einen Bezug herstellen zum direkten Umfeld der Kinder und Jugendlichen*. Das bedeutet, dass sie sich in den Projekten mit ihrer Persönlichkeit einbringen und mit ihren Interessen und Themen beschäftigen können. Das bedeutet auch, dass Räume genutzt werden, welche die Kinder und Jugendlichen* kennen oder neu entdecken. Und es bedeutet, dass die Projekte eingehen auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründe der Teilnehmer*innen. Wir freuen uns besonders über Projektideen, die Vorurteile abbauen und Diskriminierung entgegenwirken.
  • Engagement-Förderung: Wir haben Interesse an Projektideen, die Ehrenamtliche* einbinden und/oder dazu beitragen, das Engagement von Menschen für andere zu stärken.

b) Formale Kriterien:

  • Zielgruppe: Es werden Projekte gefördert, die sich an Kinder und Jugendliche* richten, die in familiären Risikolagen aufwachsen. Das sind:
  • Familien, die nah an oder unterhalb der Armutsgrenze leben,
  • Kinder aus bildungsfernen Familien,
  • Kinder und Jugendliche*, deren Eltern von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Die Projekte richten sich an Kinder und Jugendliche* zwischen dem Vorschulalter und 18 Jahren.

  • Drei Bündnispartner: Gefördert werden Projekte, die von mindestens drei Bündnispartnern gemeinsam umgesetzt werden. Die Bündnispartner können zum Beispiel eine Jugendkunstschule, ein Musikverein, ein Jugendzentrum, eine Theater- oder eine Zirkusinitiative, eine soziale Einrichtung, Schulen und Kindertagesstätten u.v.m. sein. Die drei Bündnispartner bringen ihre unterschiedlichen Kompetenzen in das Projekt ein und entwickeln gemeinsam eine Projektidee. Einer der Bündnispartner übernimmt die Verantwortung, den Antrag einzureichen und die finanziellen Mittel zu verwalten. Wichtig ist: Der Antragsteller muss ein gemeinnütziger Verein oder eine öffentliche Einrichtung sein.
  • Lokale Verortung: Die Bündnispartner kennen den Ort und die Umgebung, an dem das Projekt stattfindet. Sie sind außerdem vertraut mit den Interessen, Ideen und Wünschen der Kinder und Jugendlichen*, die dort leben.
  • Offener Zugang: Das Projekt ist zugangsoffen und niedrigschwellig, d. h. die Teilnehmer*innen brauchen keine Vorkenntnisse, um an dem Projekt teilzunehmen. Sie dürfen auch nicht durch Teilnahmegebühren oder sonstige Kosten an der Teilnahme gehindert werden.
  • Freiwilligkeit: Das Projekt findet in der Freizeit statt. Das bedeutet, es darf nicht während der Unterrichtszeit durchgeführt werden. Die Kinder und Jugendlichen* müssen immer selbstbestimmt die Wahl haben, ob sie an dem Projekt teilnehmen wollen.
  • Umfang: Das Projekt umfasst mindestens 60 Zeitstunden im Jahr. Es kann ein dauerhaftes Angebot sein (z. B. ein wöchentlicher Kurs), am Stück stattfinden (z. B. als Ferien-Workshop) oder eine Kombination aus beidem sein (zum Beispiel ein Wochenend-Workshop und danach ein wöchentlicher Kurs).
    An dem Projekt können 12 bis 40 Kinder und Jugendliche* teilnehmen. Jedes geförderte Projekt erhält eine Summe zwischen 9.000 und 30.000 Euro im Jahr

Die ausführlichen Förderkriterien finden Sie hier.

Weg zur Förderung

 

 

Von der Einreichung der Projektidee bis zur Bewilligung.

Alle Schritte auf einen Blick:

Weitere Informationen zur Projektförderung finden Sie auf dem Informationsblatt zur Projektförderung [ als PDF ]

Informationsservice für zukünftige Ausschreibungen

Sie werden direkt per E-Mail über die Ausscheibungstermine in „Künste öffnen Welten“ informiert, wenn Sie sich für einen Informationsservice registrieren. Nutzen Sie dazu das Formular.

Hinweise zur Finanzierung

1. Förderhöchstbetrag

Die Förderung kann je nach Größe der Kerngruppe zwischen 9.000 Euro (bei 12 Teilnehmer*innen) und 30.000 Euro (bei 40 Teilnehmer*innen) liegen. Erfahrungsgemäß arbeiten viele Projekte mit 20 Teilnehmer*innen in der Kerngruppe und beantragen dementsprechend 15.000 Euro.

 

2. Kalkulation

Die Kalkulation des Projektes erfolgt über feste Beträge je Teilnehmer*in und Veranstaltung. Diese wurden für sämtliche Projekte in „Künste öffnen Welten“ wie folgt einheitlich festgesetzt und bestimmen die Höchstgrenze für zuwendungsfähige Ausgaben sowohl in der Antragstellung als auch im Nachweis:

Nachmittagskurs 12 Euro je Termin und Teilnehmer*in (mind. 1,5 Std.)
Wochenend-/Ferienworkshop 48 Euro je Tag und Teilnehmer*in (mind. 6 Std./Tag)
Schnupperangebote 240 Euro je Schnuppertag (mind. 1,5 Std. mit 20 Teiln.)
Kompetenznachweis Kultur 240 Euro je ausgestelltem Kompetenznachweis

Von den festen Beträgen sind 25 % als Sachausgabenbudget und 75 % als Honorarausgabenbudget vorgesehen. Diese prozentuale Aufteilung ist für alle Aktivitäten eines Kalenderjahres verbindlich.
Bei Wochenend-/Ferienworkshops mit Übernachtungen erhöht sich das Sachausgabenbudget um 36 Euro je Übernachtung und Teilnehmer*in.

Die Förderung von Personalausgaben ist nicht möglich (auch keine Minijobs, FSJ/BFD etc.)

 

3. Koppelung der Förderung an die festen Beträge

Die festen Beträge gelten auch für die Projektdurchführung. Wenn weniger Veranstaltungen stattfinden oder weniger Teilnehmer*innen an den Veranstaltungen teilnehmen, reduziert sich die Förderhöhe entsprechend. Verschiebungen sind jedoch möglich: Finden z. B. weniger Nachmittagskurstermine statt, können Sie diese z. B. durch mehr Wochenend-/Ferienworkshops ausgleichen.

Es ist daher sehr, sehr wichtig, dass für alle Veranstaltungen Teilnahmenachweise vorliegen. Ohne Teilnahmenachweis erfolgt keine Förderung! Als Teilnehmer*innen kommen für die Berechnung nur junge Menschen zwischen Vorschulalter und 18 Jahren infrage. Soweit aus konzeptionellen Gründen weitere Personen (Angehörige, Ehrenamtliche*, Honorarkräfte etc.) an den Angeboten teilnehmen, können zwar die notwendigen Ausgaben hierfür abgerechnet werden (siehe unten) – es können für diese Personen aber keine festen Beträge geltend gemacht werden.

 

4. Honorarausgaben

Zum Nachweis des Honorarausgabenbudgets legen Sie eine Belegliste vor, in der sämtliche Belege chronologisch aufgeführt sind. Liegen die tatsächlichen Honorarausgaben unter dem Honorarbudget, muss die Differenz zurückgezahlt werden.

Pro Zeitstunde (60 Minuten) können maximal folgende Honorarsätze gezahlt werden:

  • 20 Euro je Durchführungsstunde für Hilfskräfte
  • 50 Euro je Durchführungsstunde für Fachkräfte

Mit den Stundensätzen sind sämtliche Vor- und Nachbereitungsarbeiten bereits enthalten und also mit abgegolten – diese Tätigkeiten können nicht zusätzlich abgerechnet werden. Für die Unterscheidung zwischen Hilfs- und Fachkräfte kommt es nicht auf die formale Qualifizierung an, sondern auf die Verantwortung, die die Honorarkräfte tatsächlich übernehmen.

Fallen bei einer Honorarkraft Mehrwertsteuer oder die Künstlersozialabgabe an, können die entsprechenden Beträge zusätzlich zu den genannten Honorarsätzen aus dem Honorarbudget gezahlt und in der Belegliste aufgeführt werden. Als Nachweis für die Abführung der Künstlersozialabgabe ist es ausreichend, wenn die Honorarkraft in ihrer Abrechnung bestätigt, dass KSK-Abgabepflicht besteht (pauschale Abrechnung).

 

5. Sachausgaben

Zum Nachweis des Sachausgabenbudgets ist es nicht notwendig, eine Belegliste vorzulegen. Es ist ausreichend, wenn Sie bestätigen, dass Belege für Sachausgaben in entsprechender Höhe bei Ihnen vorliegen. Bestehen aufgrund der Projekteigenart oder den Darstellungen im Sachbericht bei der Nachweisprüfung Zweifel, dass tatsächlich Ausgaben in der bestätigten Höhe vorliegen, erfolgt eine Nachprüfung. Dabei gelten dann folgende Regeln:

  • Die Hälfte des Sachausgabenbudgets (ohne den Erhöhungsbetrag für Übernachtungen) wird pauschal als Ausgabe für die Verpflegung der Teilnehmer*innen anerkannt. Hierfür brauchen keine Belege gesammelt oder vorgelegt werden.
  • Für den Rest des Sachausgabenbudgets müssen im Falle einer Nachprüfung projektbezogene Einzelbelege (und Zahlungsnachweise) vorgelegt werden. Folgende Ausgabenarten können dabei anerkannt werden: Verbrauchsmaterial, Eintritte für Kulturveranstaltungen und -einrichtungen, Fahrtkosten der Teilnehmer*innen nach dem Bundesreisekostengesetz, Mieten für Technik und Räume, Druck- und Gestaltung von Material zur Teilnehmer*innen-Werbung sowie Übernachtungen in Jugendherbergen oder vergleichbaren Einrichtungen.

Anschaffungen über 410 Euro (plus Mehrwertsteuer) können nicht abgerechnet werden. Eigenbelege sind nicht möglich (z. B. Abrechnung von Übernachtungen in selbst betriebenen Häusern). Da die Verpflegungsausgaben bereits pauschal anerkannt sind, können Verpflegungsbelege nicht zusätzlich abgerechnet werden – außer, wenn sie mit Übernachtungsrechnungen einhergehen.

 

6. Besondere Bedarfe

Zusätzlich zur bewilligten Förderung und zur genannten maximalen Förderhöhe kann die Finanzierung besonderer Bedarfe beantragt werden. Dies ist insbesondere möglich für Projekte, die Kinder und Jugendliche mit Behinderungen einbinden (z. B. für Gebärdendolmetscher*innen), für Projekte, die sich an geflüchtete Kinder und Jugendliche richten (z. B. für Sprachmittler*innen) oder für Projekte, die im ländlichen Raum stattfinden (z. B. für deutlich höhere Fahrtkosten geeigneter Honorarkräfte). Die Bedarfe können zu jedem Zeitpunkt des Projektes beantragt (und bewilligt) werden – die Auszahlung erfolgt jedoch erst nach Vorlage und Prüfung des jeweiligen Nachweises (zusammen mit der Verwaltungspauschale).

 

7. Projektdauer und Jährlichkeit

Anhand der Projektkonzepte werden Projekte zunächst für bis zu zwei Kalenderjahre bewilligt (Projekte, die in 2018 starten, können also eine Laufzeit bis zum 31.12.2019 haben). Eine Verschiebung von Fördermitteln zwischen den Kalenderjahren ist nicht möglich. Mit dem Projekt darf nicht vor der Bewilligung begonnen werden – ein vorzeitiger Maßnahmebeginn kann generell nicht zugelassen werden.

Erfolgreiche Projekte sollen fortgeführt werden können. Sie können daher vor Projektende eine Anschlusszuwendung für die Jahre 2020 bis 2022 beantragen. Entscheidungsgrundlage hierfür ist der für das Kalenderjahr 2018 vorgelegte Zwischennachweis zusammen mit einer Projektevaluation, die im Laufe des Jahres 2019 stattfindet. Zudem müssen ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.

 

8. Auszahlung der Zuwendung

Es ist möglich, jeweils einen Vorschuss für die zu tätigenden Ausgaben der jeweils nächsten sechs Wochen zu erhalten. Eine Vorfinanzierung von Projektausgaben durch das Bündnis ist also normalerweise nicht notwendig. Alle Mittelanforderungen werden jeweils bis zum 20. eines Monats gesammelt, dann zentral bei der Bundeskasse angefordert und in der Regel zum Monatsende ausgezahlt.

 

9. Verwaltungspauschale

Zusätzlich zur bewilligten Förderung wird allen Projekten nach Abschluss der Nachweisprüfung eine Verwaltungspauschale in Höhe von 5% der anerkannten Ausgaben ausgezahlt. Die Verwendung der Pauschale braucht weder begründet noch nachgewiesen werden.

 

Weitere Informationen

Diese Hinweise zur Finanzierung können Sie hier als PDF herunterladen.

Die Förderkriterien finden Sie hier.

Noch detailliertere Informationen finden Sie in den FAQs.

Förderkriterien

Welche Projekte werden gefördert?

Das Programm „Künste öffnen Welten“ möchte Projekte unterstützen, die etwas in ihrem lokalen Umfeld bewegen und außerhalb von Schule für Kinder und Jugendliche* mehr kulturelle Bildungsmöglichkeiten schaffen.

Nach wie vor gibt es in Deutschland einen engen Zusammenhang zwischen den familiären Lebensverhältnissen und dem Bildungserfolg der jeweiligen Kinder und Jugendlichen*. Die BKJ möchte mit „Künste öffnen Welten“ diese Abhängigkeit verringern. Es handelt sich dabei nicht um ein reines Förderprogramm, es zielt vielmehr auf die Weiterentwicklung der Angebote und Einrichtungen. Die BKJ bietet hierfür Angebote (Programmtage) auf freiwilliger Basis an. Die regelmäßige Teilnahme an der Evaluation ist in jedem Fall verpflichtend.

Die Auswahl der zu fördernden Projektkonzepte erfolgt durch eine unabhängige Jury. Um für eine Förderung ausgewählt zu werden, ist es zwingend notwendig, dass sich aus dem eingereichten Projektkonzept zweifelsfrei ergibt, dass die folgenden Förderkriterien erfüllt sind:

 

Teilnehmer*innen
Zielgruppe des Projektes sind Kinder und Jugendliche*, die in Familien mit Risikolagen aufwachsen. Das sind Familien mit formal gering qualifizierten Eltern, mit arbeitslosen Eltern oder mit einem Familieneinkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Hierfür braucht selbstverständlich kein Nachweis durch die Teilnehmer*innen erbracht werden – vielmehr geht es darum, dass im Projektkonzept schlüssig dargestellt wird, dass diese Zielgruppe erreicht werden kann, z. B. durch Beschreibung der Sozialstruktur des Stadtteils bzw. der Region oder der Teilnehmer*innen-Strukturen in den Einrichtungen, die den Zugang zur Zielgruppe sicherstellen.

Im Projektkonzept muss schlüssig dargestellt werden, wie diese Gruppe erreicht werden soll und was unternommen wird, um das Projekt zugangsoffen und niedrigschwellig zu gestalten. Projekte, bei denen die konkreten Teilnehmer*innen schon im Vorfeld feststehen und also keine neuen Teilnehmer*innen gewonnen werden, können nicht gefördert werden.

Nach einer Einstiegsphase soll es eine Kerngruppe geben, die verlässlich am Projekt teilnimmt. Sie soll aus mindestens 12 und maximal 40 Kindern und Jugendlichen* bestehen – eine Aufteilung in mehrere Kerngruppen ist möglich. Die Kinder und Jugendlichen* sollen mindestens im Vorschulalter und nicht älter als 18 Jahre sein. Nur für diese Teilnehmer*innen ist auch eine Förderung möglich. Bei einzelnen Angeboten können auch Familienmitglieder (z. B. Eltern oder Geschwister) teilnehmen.

 

Inhalte und Struktur
Inhaltlicher Kern der Projekte muss die Auseinandersetzung mit Künsten, mit Kultur, mit Spiel und/oder mit Medien sein. Dabei kann ein sehr offener Kulturbegriff zugrunde gelegt werden – auch eine Auseinandersetzung mit Jugend- und Alltagskultur oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen oder ökologischen Themen kann Teil des Projektes sein.

Bei dem Projekt muss es sich um ein Bildungsprojekt handeln. Im Vordergrund muss also der Erfahrungs- und Entwicklungsprozess der Teilnehmer*innen stehen. Ein Projekt, bei dem vorrangig ein*e mitwirkende*r Künstler*in im Mittelpunkt steht oder das ausschließlich dazu dient, ein konkretes Präsentationsergebnis einzuüben, erfüllt dieses Kriterium nicht.

Die Projektumsetzung erfolgt schwerpunktmäßig durch Nachmittagskurse und/oder Wochenend-/Ferienworkshops. Nachmittagskurse finden in der Regel wöchentlich statt und haben einen Umfang von mindestens anderthalb Stunden (Doppeltermine sind möglich). Wochenend- und Ferienworkshops können eintägig oder mehrtägig stattfinden und haben einen Umfang von mindestens sechs Stunden täglich. Diese Kernmodule dienen der praktischen kulturpädagogischen Arbeit. Zusätzlich können im Rahmen dieser Module aber auch Präsentationen stattfinden, Kulturveranstaltungen oder -einrichtungen besucht werden, das Umfeld erkundet werden oder auch spiel- bzw. erlebnispädagogische Zusatzangebote stattfinden.

Zusätzlich können Schnupperangebote durchgeführt werden. Schnupperangebote dienen am Beginn eines Projektes oder einer Projektphase der praktischen Vorstellung des Projektes, um neue Teilnehmer*innen zu werben. Sie können daher ausnahmsweise auch im Rahmen der Unterrichts- oder Kitakernzeit durchgeführt werden. Sie finden mit mindestens 20 Teilnehmer*innen statt und dauern mindestens anderthalb Stunden. Es kann pro Tag maximal ein Schnupperangebot stattfinden. Die Kinder und Jugendlichen* können dabei maximal an drei Schnupperangeboten teilnehmen.

Ebenfalls möglich ist die Vergabe des Kompetenznachweis Kultur (KNK) als Angebot. Dieses Instrument ist für Jugendliche* ab 12 Jahren geeignet zur strukturierten und individuellen Kompetenzreflexion und -dokumentation. Die Vergabe setzt eine Fortbildung der Fachkraft zum*zur KNK-Berater*in voraus.

Im Konzept sollte erläutert werden, ob das Projekt dauerhaft angeboten werden soll (z. B. Halbjahres- oder Jahreskurs) oder als Kompakt-/Intensivangebot (z. B. Feriencamp). Beides ist möglich – allerdings muss der zeitliche Umfang des Projektes mindestens 60 Stunden (pro Kalenderjahr) betragen.

 

Antragsberechtigung
Antragsberechtigt sind alle gemeinnützigen Rechtspersonen (z. B. eingetragene Vereine, Stiftungen oder gGmbHs) sowie öffentlich-rechtliche Rechtspersonen (z. B. Einrichtungen in Trägerschaft von Städten und Gemeinden, Landkreisen, Kirchengemeinden oder Zweckverbänden). Nicht-eingetragene Vereine, GbRs oder natürliche Personen können also keinen Antrag stellen. Schulen und Kindertagesstätten (egal ob in öffentlicher oder in freier Trägerschaft) können ebenso aus formalen Gründen leider keine Antragsteller sein.

Der Antragsteller muss entweder eine funktionierende hauptamtliche Verwaltung oder sehr engagierte Ehrenamtliche für Verwaltungsaufgaben vorhalten. Die Anforderungen an die Projektverwaltung, insbesondere hinsichtlich einzuhaltender Formvorgaben und der Nachweispflichten, sind hoch. Der Aufwand für die Verwaltungsarbeit wird jenseits der Verwaltungspauschale nicht gefördert.

 

Bündnisstruktur
Das Projekt wird inhaltlich durch ein Bündnis verantwortet, das aus mindestens drei Organisationen oder Institutionen besteht. Das können beispielsweise sein: Kultureinrichtungen, Musik- und Kunstschulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendbeteiligungsstellen, Offene Jugendarbeit, Straßensozialarbeit, Nachbarschaftstreffs, lokale Vereine, Kirchengemeinden, Kindertagesstätten oder Schulen. Einzelpersonen können keine Bündnispartner sein. Ein Bündnispartner übernimmt die Antragstellung und Abrechnung.

Alle Bündnispartner bringen ihr Know-How ein und tragen zum Projekterfolg bei. Das setzt voraus, dass alle Bündnispartner Projektverantwortliche benennen und sich die einzelnen Verantwortlichen regelmäßig zusammensetzen und beraten. Die alltägliche Projektumsetzung kann und soll hingegen durch qualifizierte Honorarkräfte (ggf. unter Beteiligung Ehrenamtlicher) erfolgen.

Die Bündnispartner regeln ihre Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Kooperationsvereinbarung.

Alle Bündnispartner haben Eigeninteressen und bringen dementsprechend auch (nicht-finanzielle) Eigenleistungen ins Projekt ein. Es geht ausdrücklich nicht darum, das Geld unter den Bündnispartnern aufzuteilen! Insbesondere soll das Bündnis nicht durch Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnisse geprägt sein. Eine Einrichtung, die lediglich (gegen Entgelt) besucht wird, ist noch kein Bündnispartner. Erwartet wird vielmehr, sich auch in die Kooperationsarbeit einzubringen und auch unentgeltliche Leistungen beizusteuern.

Durch die Bündnispartner müssen gemeinsam folgende Erfahrungen und Kompetenzen abgedeckt sein:

  • Erfahrung in der kulturellen Bildungs- und Projektarbeit
  • Verankerung des Projektes im Sozialraum und in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen*
  • Zugang und Erfahrung in der Ansprache von Kindern und Jugendlichen* aus Familien in Risikolagen

Die Bündnispartner und die angesprochenenen Kinder und Jugendlichen* müssen in einem gemeinsamen lokalen Raum (Sozialraum) ansässig sein. Das bedeutet zum Beispiel: in der Großstadt in einem gemeinsamen Viertel oder auf dem Land in einem Verbund mehrerer Gemeinden.

 

Neuartigkeit, Zusätzlichkeit, Freiwilligkeit und Außerunterrichtlichkeit

Für alle Bündnispartner muss das Projekt neuartig sein. Nicht möglich ist demnach die Förderung von Aktivitäten, die Sie auch schon jetzt regelmäßig anbieten; das Projekt muss sich von ihrer regelmäßigen Arbeit deutlich abgrenzen. Es ist beispielsweise nicht möglich, einfach einen Teil oder eine Personengruppe ihrer bisherigen Arbeit zum „neuartigen Projekt“ zu erklären.

Das Projekt muss auch zusätzlich sein – Projekte, die bereits anderweitig gefördert sind (z. B. im Rahmen des SGB VIII) oder die der Umsetzung von Pflichtaufgaben eines Bündnispartners dienen, können nicht gefördert werden. Mit der Projektumsetzung darf auch erst nach Abschluss einer schriftlichen Fördervereinbarung begonnen werden – ein vorzeitiger Maßnahmebeginn ist nicht möglich.

Alle Angebote des Projektes müssen außerunterrichtlich sein – Ausnahmen gelten nur für Schnupperangebote. Ansonsten müssen die Kinder und Jugendlichen* freiwilllig und in ihrer Freizeit am Projekt teilnehmen. Die Angebote des Projektes dürfen keine Veranstaltung einer Schule bzw. einer Kindertagesstätte sein – die Verantwortung und die Aufsichtspflicht liegen beim Antragsteller. Das bedeutet insbesondere auch:

Kein Modul findet in der verpflichtenden Schulzeit statt. Zur verpflichtenden Schulzeit zählen alle Zeiträume des Vormittags an Schultagen, im gebundenen Ganztag auch der schulische Nachmittag. Auch eine Freistellung der Schüler*innen vom Unterricht ändert daran nichts. Außerdem dürfen die Module nicht als Projekttage oder -woche bzw. parallel zu weiteren schulischen Angeboten (z. B. Wandertage) stattfinden. [ Detaillierte Informationen in den FAQs ]

Für die Kindertagesstätten gilt: Die Angebote dürfen sich nicht an feste Gruppen oder sämtliche Kinder der Kindertagesstätte richten. Die Durchführung ist daher nach einigen Schnupperangeboten nur mit einer projektspezifischen Gruppe möglich, bei der sichergestellt ist, dass damit nicht der Betreuungsschlüssel der Einrichtung verbessert wird. Das Personal der Einrichtung darf nur unterstütztend an den Angeboten teilnehmen. Projekte, die über drei Monate dauern sollen,sind nur ausnahmsweise möglich und bedürfen der ausdrücklichen Prüfung und Genehmigung durch die BKJ. [ Detaillierte Informationen in den FAQs ]

 

Weitere Entwicklungskriterien
Die folgenden Kriterien brauchen im Projektkonzept nicht zwingend dargestellt werden. Sie sollten jedoch in der Umsetzung berücksichtigt werden bzw. sind zu erläutern, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Insofern Sie die Kriterien im besonderen Maße erfüllen oder sie besondere Ideen für die Projektumsetzung haben, empfehlen wir eine Darstellung im Projektkonzept jedoch ausdrücklich, um die Auswahlchancen des Projektes zu erhöhen.

Das Projekt muss sich an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen* ausrichten. Das bedeutet, dass das Projekt aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen* entwickelt wurde und deren Interessen, Themen und Umfelder entsprechend mit einbezogen werden.

Sie wirken in ihrem Projekt Stigmatisierungen und Diskrimierungen entgegen, bersücksichtigen die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen* in den Angeboten und ermöglichen Begegnungen. Aber auch Projekte, die sich ausdrücklich dem Empowerment diskriminierter Gruppen widmen und daher den Teilnehmer*innen-Kreis beschränken, sind möglich. Ebenso möglich sind gruppenbeschränkte Angebote, die beispielsweise der Auseianndersetzung mit der eigenen sexuellen/sozialen Identität dienen (z. B. queere Jugendarbeit, Mädchenarbeit, Jungenarbeit).

Sie zeigen und fördern Engagement für das gesellschaftliche Miteinander. Die Einbindung von Ehren-amtlichen ist ausdrücklich erwünscht. Soweit möglich, sollen Themen und Ideen aus dem lokalen Umfeld aufgegriffen werden oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen erfolgen.

 

Vereinfachungen für besondere Personengruppen

Projekte, die im ländlichen Raum stattfinden, waren bisher im Förderprogramm unterrepräsentiert und werden daher stärker gefördert. Bitte beachten Sie aber, dass der ländliche Raum an sich noch nicht ausreicht, um eine familiäre Risikolage der Kinder und Jugendlichen* zu begründen. Bitte stellen Sie daher unbedingt dar, wie sie diese Gruppe erreichen möchten. Wir sind uns bewusst, dass die Umsetzung von Projekten im ländlichen Raum mit besonderen Schwierigkeiten verbunden ist. Bitte stellen Sie ggf. diese Problemlagen im Konzept dar.

Bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen* kann ohne weiteren Nachweis von einer Risikolage ausgegangen werden. Bitte stellen Sie aber auch hier dar, wie Sie die Geflüchteten erreichen möchten und wie Sie Begegnungen mit anderen Kindern und Jugendlichen* ermöglichen möchten. Für letztere sollten Sie die familiären Hintergründe beschreiben.

Projekte, die Kinder und Jugendliche* mit Behinderungen in gemischten Gruppen einbinden, sind ausdrücklich erwünscht. Wenn Sie dafür bspw. eine Kooperation mit einer Förderschule eingehen, braucht die Risikolage hier nicht gesondert beschrieben werden. Eine Beschreibung für alle weiteren Teilnehmer*innen reicht aus.
Bitte beachten Sie für alle drei Personengruppe auch die Möglichkeit, besondere Bedarfe zu beantragen.

 

Weitere Informationen

Diese Förderkriterien können Sie hier als PDF herunterladen.

Informationen zur Finanzierung finden Sie hier.

Noch detailliertere Informationen finden Sie in den FAQs.

Beratung

Für Fragen jeglicher Art steht Ihnen das Team der BKJ von „Künste öffnen Welten“ gerne zur Verfügung.

Telefonnummer: 030.48 48 60-30

E-Mail-Adresse: kuenste-oeffnen-welten@bkj.de

Projektbeispiel: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Bündnispartner

Partner 1: Offene Werkstatt Musterstadt
Partner 2: Kreativhaus Musterstadt
Partner 3: NaturFreunde

 

Kurze Projektbeschreibung

Die Partner schließen sich für ein Projekt zusammen, das circa 25 Kindern und Jugendlichen* zwischen zehn und 14 Jahren die Möglichkeit bietet, sich kreativ mit ihrer Umgebung und dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Ziel des Projektes ist es, anhand des „Do-It-Yourself“- Ansatzes und Upcycling-Methoden einen bewussten und kreativen Umgang mit der eigenen Umgebung zu vermitteln und die Teilnehmer*innen in ihren künstlerischen Fähigkeiten zu stärken. Die Jugendwerkstatt und das Kreativhaus, beides Einrichtungen, die mit bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen* zusammenarbeiten und gut in ihrer Nachbarschaft vernetzt sind, laden zu Einstiegsveranstaltungen in das Kreativhaus ein. Hier haben Interessierte unter Anleitung die Gelegenheit, Gegenstände, die auf den ersten Blick wie Müll erscheinen, durch Gestaltungs-, Druck- und Klebetechniken neu in Form zu bringen. Dabei erhalten Sie Hilfestellungen durch Kunstpädagog*innen und Fachkräfte* der offenen Werkstatt und des Kreativhauses. In einem wöchentlichen Kurs am Nachmittag erkundet die Gruppe anfangs den Stadtteil. Während der Spaziergänge werden Naturmaterialien und andere Gegenstände, die am Wegesrand liegen, gesammelt. Auch alte Sachen von zu Hause sollen mitgebraucht werden. Anschließend werden die Materialien zu neuen Gegenständen verschraubt, geklebt und farblich gestaltet. Textilien können neu bedruckt, zu Taschen oder anderem vernäht werden. Dabei werden die Teilnehmer*innen künstlerisch, handwerklich und pädagogisch von Fachkräften* des Kreativhauses und der offenen Werkstatt begleitet. Die NaturFreunde bringen in die Kurse durch spielerische Einführungen Hintergrundwissen zu Umweltthemen und Konsum ein. Fragen wie „Was passiert mit unserem Müll?“ oder „Woher kommen meine Schuhe?“ sollen den Blick auf den eigenen Konsum, aber auch auf den kreativen und nachhaltigen Umgang mit der eigenen Umgebung schärfen. Um ergebnisoffen auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Teilnehmer*innen eingehen zu können, werden die Inhalte regelmäßig an ihre Rückmeldungen angepasst. Mit einer Ausstellung der entstandenen Werke im Kreativhaus wird das Projekt zum Abschluss gebracht.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Das Kreativhaus ist eine erfahrene Institution in der kulturellen Bildungsarbeit. Es ist gut in den Stadtteil vernetzt und wirbt dort für das Projekt. Die Antragstellung und finanzielle Verwaltung wird vom Kreativhaus übernommen. Außerdem bringt es die Expertise zu Druck- und Gestaltungsverfahren ein und stellt die dafür benötigen Räumlichkeiten und Materialien. Die offene Werkstatt macht für den gesamten Stadtteil Angebote als Selbsthilfe-Werkstatt. Die Mitarbeiter*innen haben Erfahrung in der Arbeit mit verschiedenen Altersgruppen und sind mit der Zielgruppe vertraut. Sie sprechen mögliche Teilnehmer*innen an und unterstützen die Durchführung. Die künstlerisch-pädagogische Begleitung wird von Fachkräften* des Kreativhauses und der offenen Werkstatt verantwortet, während die NaturFreunde die Kurse an mehreren Terminen besuchen und Hintergrundwissen vermitteln. Die NaturFreunde organisieren Bildungsprojekte zur Stärkung des sozialen und ökologischen Bewusstseins bei Kindern und Jugendlichen*. Sie bringen regelmäßig Hintergrundwissen und Reflexionsmethoden in die Kurse ein. Das Konzept stimmen die Partner gemeinschaftlich ab. Per Mail und Telefon, aber auch über die Treffen vor und während der Kursangebote, werden regelmäßig Absprachen getroffen. Da das Projektkonzept neu ist, nehmen sich die Partner Zeit zur gemeinsamen Reflexion und Weiterentwicklung des Projekts. Dabei werden auch die Teilnehmer*innen regelmäßig um Rückmeldung gebeten.

Projektbeispiel: politische Bildung

Bündnispartner

Partner 1: Stadttheater
Partner 2: Jugendbildungsstätte Blumenburg
Partner 3: Migrant*innen-Selbstorganisation

 

Kurze Projektbeschreibung

Im Zentrum der Kleinstadt Musterstadt schließen sich die drei Partner für ein Projekt, das sich an Jugendliche* von 15 – 18 Jahren richtet, zusammen. Die Migrant*innen-Selbstorganisation spricht gezielt Jugendliche* aus ihrem Netzwerk an, während die Jugendbildungsstätte über ihre Kanäle und Partner zum Projekt einlädt. Wir planen, mit 15 Teilnehmer*innen zu arbeiten. Grundidee ist, dass sich Jugendliche* begegnen und mit theaterpädagogischen Mitteln der Frage nachgehen, wie sie sich das Zusammenleben wünschen und wo sich Ansätze dafür in ihrem Alltag finden lassen. Der thematische Einstieg erfolgt in Form eines einwöchigen Ferienworkshops. Er, wie auch die nachfolgenden Kursangebote, wird von einem Duo aus einem*r Pädagog*in der Bildungsstätte und einem*r Theaterpädagog*in des Stadttheaters angeleitet. Die Treffen finden im Stadttheater und in der Jugendbildungsstätte statt. Der Workshop dient zunächst dem Kennenlernen und dem Entwickeln von Ideen und Themen. Nach einem spielerischen Kennenlernen werden die Jugendlichen* aufgefordert, ihre Erfahrungen im Miteinander, ihre Wünsche und Visionen zu artikulieren. Dies kann verbal geschehen, aber es kann auch gezeichnet oder dargestellt etc. werden. Diese Berichte und Überlegungen dienen später als Material für das szenische Arbeiten. Auch im weiteren Prozess sind Anregungen der Teilnehmer*innen stets möglich, so dass die Jugendlichen* selber entscheiden können, welche Themen gesetzt werden und wie diese ausgedrückt werden können. Dabei werden sie von der*m Theaterpädagog*in unterstützt. In den wöchentlichen Kursen, werden die gesammelten Inhalte durch szenisches Ausprobieren erkundet und es wird nach und nach eine Handlung entwickelt, es werden Szenen ausgestaltet und geprobt. Die theaterpädagogischen Anteile werden durch Angebote der Bildungsstätte ergänzt, in denen Themen der Jugendlichen* aufgegriffen werden, aber auch Themen, die in der Interaktion auf und vor der Bühne entstanden sind. Dies kann von „Ich habe keine Stimme“ bis hin zu „utopischen Gesellschaftsmodellen“ reichen – je nachdem, was die Jugendlichen* bewegt. Diese Themen werden mittels interaktiver Methoden mit den Jugendlichen* reflektiert, in einen (gesellschaftspolitischen) Kontext gesetzt und ggf. weiterentwickelt. Dies kann wiederum in das Bühnengeschehen einfließen. So finden und erweitern die Teilnehmer*innen aus ihren ganz individuellen Ansätzen heraus ihre Zugänge zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Es sind zwei Besuche von Mitgliedern* der Migrant*innen-Selbstorganisation geplant, die von ihren Erfahrungen hinsichtlich Inklusion, Teilhabe und Engagement – und was die Jugendlichen* sonst noch interessiert – berichten und sich mit den Jugendlichen* austauschen. Falls sprachliche Unterstützung für Teilnehmer*innen notwendig ist, stehen ebenfalls die Mitglieder* während der Workshops und Proben ehrenamtlich bereit. Zum Abschluss des Projekts führt die Gruppe ihre erarbeiteten Szenen öffentlich auf und lädt das Publikum dabei ein, ins Gespräch zu kommen.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Die theaterpädagogische Abteilung des Stadttheaters hat langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen*. Durch den institutionellen Unterbau können sie als Antragsteller die finanzielle Verwaltung des Projekts übernehmen. Sie vermitteln die Theaterpädagog*in zur Leitung der Angebote und besprechen sich regelmäßig mit den anderen Partnern über die Entwicklung.

Die Jugendbildungsstätte führt im Schwerpunkt Projekte der politischen Bildung mit Kinder- und Jugendgruppen durch und hat Erfahrung in der Vermittlung gesellschaftspolitischer Themen. Über die Bildungsstätte kommen auch die Pädagog*innen, die gemeinsam mit der*m Theaterpädagog*in die Angebote anleiten und begleiten.

Die Migrant*innen-Selbstorganisation richtet selbst Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Themen mit dem Schwerpunkt auf Migration und Begegnung aus. Sie ist an der inhaltlichen Planung und Begleitung beteiligt und regt den Austausch durch Erfahrungsberichte ihrer Mitglieder* in Bezug auf Migration, Inklusion und bürgerschaftliches Engagement an. Zudem unterstützt sie bei sprachlichen Schwierigkeiten und steht generell als Ansprechpartner zur Verfügung.

Projektbeispiel: Jugendkunstschule/Ländlicher Raum

Bündnispartner

Partner 1: Jugendkunstschule im Zentrum
Partner 2: Stiftung SPI – Eltern-Kind-Zentrum
Partner 3: Kita Sonnenschein und Kita Zauberland

 

Kurze Projektbeschreibung

Die Bündnispartner organisieren gemeinsam ein Projekt für die Mittelstadt Musterstadt, die von Überalterung und hoher Arbeitslosigkeit geprägt ist, für circa 15 Kita-Kinder, die kurz vor dem Übergang in die Grundschule stehen. In beiden Kitas werden alle Kinder angesprochen, deren Einschulung wenige Monate bevorsteht. Darüber hinaus weist das vor Ort ansässige Eltern-Kind-Zentrum des SPI gezielt Eltern und Kinder auf das Angebot hin. Alle interessierten Kinder können an den künstlerischen Angeboten teilnehmen. Ziel ist es, die Kinder über das gemeinsame Gestalten in der Gruppe für den Übergang in die Schule zu stärken, soziale Barrieren zu überwinden und die individuelle Entwicklung durch künstlerische Mittel zu unterstützen.

Ein Einstiegsangebot findet an jeder Kita für alle interessierten Kinder statt. Kunstpädagog*innen der Jugendkunstschule geben den Kindern die Möglichkeit, Formen, Farben und verschiedene Materialien zu entdecken und jeweils auszuprobieren. Dabei werden von Beginn an gemeinsame Einstiegsrituale durch Bewegungsspiele etabliert. Für die interessierten Kinder werden anschließend für drei Monate einmal die Woche Kurse in der Jugendkunstschule selbst angeboten. Da die Kitas circa 15 bis 20 Minuten von der Jugendkunstschule entfernt liegen, werden die Kinder sowohl von den Pädagog*innen der Jugendkunstschule als auch von Mitarbeiter*innen des SPI und einzelnen Erzieher*innen auf dem Weg begleitet. Auch wird versucht, Eltern dafür zu gewinnen. Kinder, die über das SPI erreicht werden, werden durch Mitarbeiter*innen des SPI oder direkt durch die Eltern gebracht. Zur Gewöhnung an den neuen Ort und die neuen Personen sind einzelne Erzieher*innen zu Beginn bei der Durchführung der Angebote anwesend. In der Jugendkunstschule kommen alle Kinder in einer Gruppe zusammen, so dass das Gruppengefüge gestärkt und sie an das Zusammenarbeiten mit neuen Kindern gewöhnt werden. Methodisch wird zum Einstieg an bekannte Abläufe aus der Kita angeknüpft (z.B. Singen, Tanzen, Bewegungsspiele), wobei bereits Ansätze neuer Methoden eingebracht werden (z. B. spielerisches Erkunden von Formen und Farben). Mit steigender Vertrautheit der Gruppe und der Abläufe werden durch vielfältige Medien wie Bastelmaterialien, Stoffe, Bilder, Musik, Hörspiele und eigene Erzählungen aus der Lebenswelt der Kinder verschiedene Themen erarbeitet, zu denen die Kinder dann künstlerisch arbeiten, wobei dies „mit allen Sinnen“ stattfindet: Zum Beispiel werden unterschiedliche Farbmittel erfühlt, Oberflächen ertastet und Farben in der Natur riechend wahrgenommen und mit eigenen Ausdrucksformen altersentsprechend experimentiert. Ergebnisoffen arbeiten die Pädagog*innen mit den Kindern nach ihren individuellen Wünschen und Fähigkeiten. In einem gemeinsamen Tagesworkshop am Wochenende sind auch die Eltern zur Teilnahme eingeladen. An diesem Tag werden die bisherigen Ergebnisse ausgestellt und vorgeführt sowie ein gemeinsames großes Kunstwerk zu einem zuvor von den Kindern bestimmten Thema gestaltet.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Die Bündnispartner sprechen sich regelmäßig ab. In kleineren Gruppen werden Detailkonzepte für die einzelnen Kitas ausgearbeitet. Die Stiftung SPI übernimmt die organisatorische Verwaltung. Sie führt regelmäßige Reflexionsgespräche mit den Verantwortlichen aus der Jugendkunstschule sowie den Mitarbeiter*innen der Kitas durch. Die Stiftung lädt gemeinsam mit der Kita alle Eltern zur Teilnahme am Tagesworkshop ein und erarbeitet mit Unterstützung der Partner einen Infobrief, der über das Projekt und seine Entwicklung informiert. Mitarbeiter*innen der Stiftung übernehmen u.a. die Begleitung der Kinder zur Jugendkunstschule. Die Kita-Mitarbeiter*innen stehen beratend zur Seite und begleiten die Kinder solange, wie nötig. Sie kommunizieren mit den Kunstpädagog*innen, welche Themen aktuell im Kita-Alltag behandelt werden und reflektieren gemeinsam mit den Partnern Entwicklungen der einzelnen Kinder. Die Kunstpädagog*innen der Jugendkunstschule betreuen die Kurse und den Tagesworkshop und gestalten die künstlerische Durchführung. Sie kommunizieren Wünsche zu Abläufen seitens der Teilnehmer*innen sowie Entwicklungen im Projekt an die Bündnispartner und passen die Inhalte ggf. an. Alle drei Partner sprechen Eltern zur ehrenamtlichen Unterstützung an.

Projektbeispiel: Medien

Bündnispartner

Partner 1: Medienverein XYZ
Partner 2: Stadtteiltreff
Partner 3: Mehrgenerationenhaus

 

Projektbeschreibung

Zusammen planen die Partner ein Medienprojekt für etwa 20 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren im Plattenbauviertel am Stadtrand. Im Viertel wohnen Menschen diverser Herkunft, die finanziell mehrheitlich nur begrenzte Möglichkeiten haben. Ziel ist es, Jugendliche* mit kreativen Methoden verschiedene Formen visueller Medien (Fotografie, Film, Fotomontage) entdecken zu lassen und dabei ihre Fähigkeiten im Umgang mit solchen Medien zu fördern. Darüber hinaus soll eine Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen stattfinden. Dazu werden Tandems von Jugendlichen* mit interessierten Besucher*innen des Mehrgenerationenhauses gebildet. Über den Stadtteiltreff werden die Jugendlichen* angesprochen, an dem Angebot teilzunehmen. Der nahegelegene Medienverein lädt zunächst alle interessierten Jugendlichen* ein, die Ausstattung des Medienvereins wie Foto- und Filmkamera und Tablet kennenzulernen und unter Anleitung der Medienpädagog*innen auszuprobieren. Dabei wird darauf geachtet, einen barrierereduzierten Zugang zur Technik zu schaffen. Das anschließende Kursangebot findet wöchentlich nach Schulschluss statt. Nachdem die Jugendlichen* erste Erfahrungen in den Medien sammeln konnten, ziehen sie los, ihre Umgebung medial zu erkunden. Dies kann durch Fotografie, Film, Stop-Motion etc. geschehen. Das Mehrgenerationenhaus lädt die Teilnehmer*innen in diesem Rahmen auch ein, die Angebote im Haus kennenzulernen und den Menschen unterschiedlicher Generationen dort zu begegnen. Sie werden aufgefordert, auch die Geschichten der älteren Menschen zu ihrem Stadtteil zu hören, aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart. Gemeinsam suchen sie dann diese Orte auf, erzählen die Geschichte digital oder entwickeln gemeinsam eine neue. Am Ende jedes Kurses treffen sich alle in der Medienwerkstatt und stellen ihre Geschichten und Entwicklungen und die nächsten Schritte vor, beraten einander und geben Anstöße. Bearbeitet wird das Material in der Medienwerkstatt, idealerweise in einem altersgemischten Tandem mit Unterstützung der Medienpädagog*innen. Die Ergebnisse werden im Mehrgenerationenhaus von den jungen und den älteren Teilnehmer*innen präsentiert und die Geschichten medial erzählt.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Der Medienverein hat langjährige Erfahrung in der Medienbildung. Er führt in Abstimmung mit dem Stadtteiltreff und dem Mehrgenerationenhaus das Angebot durch. Das Mehrgenerationenhaus ist ein Ort mit verschiedenen kiezbezogenen Angeboten, in dem Menschen unterschiedlicher Generationen anzutreffen sind. Die Begegnung der Jugendlichen* und der älteren Menschen wird von Mitarbeiter*innen des Hauses initiiert und begleitet. Das Mehrgenerationenhaus bietet zudem den Raum für die abschließende Präsentation und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation des Projekts. Im Kieztreff treffen sich vor allem Jugendliche*, um dort „abzuhängen“. Die Sozialpädagog*innen vor Ort kennen die Jugendlichen* und haben einen Zugang zu ihnen. Sie sprechen sie an, stellen das Projekt vor und begleiten sie in die Medienwerkstatt. Gemeinsam mit den Medienpädagog*innen betreuen sie die Jugendlichen* und leiten sie an bzw. unterstützen im Kontakt mit den älteren Menschen als Mentor*innen. Durch die gemeinsame Durchführung begegnen sich die Partner regelmäßig, um sich auszutauschen, abzustimmen und ggf. weitere Schritte zu besprechen.

Projektbeispiel: Ferien

Bündnispartner

Partner 1: Kulturzentrum XYZ
Partner 2: Zirkusverein XYZ
Partner 3: Mädchentreff XYZ

 

Kurze Projektbeschreibung

Als Bündnis möchten wir 30-40 Jugendlichen* von 12-16 Jahren zwei Wochen in den Sommerferien die Möglichkeit bieten, einen gemeinsamen Zirkus zu gestalten. Die Teilnehmer*innen können sich in Artistik, Clownerie, Schattenspiel u.v.m. ausprobieren. Die drei Einrichtungen befinden sich in einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf, das Förderprogramm „Soziale Stadt“ wird hier umgesetzt. Das Angebot richtet sich vor allem an die Besucher*innen des Mädchenzentrums und des Kulturzentrums, die nah beieinanderliegen. Die Ansprache der Jugendlichen* findet im Kulturzentrum und im Mädchentreff statt, wo Mitarbeiter*innen des Zirkusvereins kleine Angebote zum Ausprobieren machen und selbst Kunststücke vorführen. Das Zirkuszelt selber stellen wir im Garten des Kulturzentrums auf. Zwei Wochen lang soll mit den interessierten Jugendlichen* eine Zirkusaufführung entwickelt werden. Gearbeitet wird mit einer Kerngruppe. Da jedoch davon auszugehen ist, dass im Laufe der Zeit noch weitere Jugendliche* angelockt werden, werden auch für diese Möglichkeiten geschaffen, eine Disziplin zu erlernen, die auch in kürzerer Zeit zu beherrschen ist bzw. sich der Technik der Moderation zu widmen. In 14 Tagen können die Jugendlichen* jeden Nachmittag in und um das Zirkuszelt herum verschiedene zirzensische Disziplinen ausprobieren und sich in denen vertiefen, die ihnen am besten gefallen. An den Wochenenden finden Workshops mit Übernachtung im Kulturzentrum statt. An zwei ganzen Tagen kann intensiv geübt und geprobt werden. Vor allem aber dienen diese Wochenenden dem besseren Kennenlernen, dem sozialen Miteinander und dem stärkeren Aufbau von Vertrauen, was für die Arbeit als Zirkus unerlässlich ist. Arbeitsphasen wechseln sich ab mit Erholungsphasen, in einer großen gemeinsamen Pause kochen und essen wir miteinander. Zum Abschluss findet eine große Aufführung im Zirkuszelt statt.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Der Mädchentreff fokussiert sich in seinem Regelangebot auf Kurse wie Selbstverteidigung oder Computer, organisiert Filmabende und bietet Ausbildungs- und Berufsberatung. In diesem Angebot unterstützt er den Zirkusverein in der Planung und bringt seine Erfahrungen im Bereich Inklusion und geschlechtersensibler Pädagogik ein. Er informiert und motiviert seine Besucher*innen und ist mit einer ehrenamtlich tätigen Person als Betreuung vor Ort. Das Kulturzentrum veranstaltet in der Regel Konzerte, Ausstellungen und ist gut vernetzt mit weiteren Einrichtungen vor Ort. Als generationenübergreifend anerkannte Institution im Kiez bietet es Raum, um dem Projekt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das Kulturzentrum ist Antragsteller und übernimmt die administrative Leitung. Es stellt seine Räumlichkeiten bzw. Fläche zur Verfügung, vernetzt mit weiteren Partnern, spricht die Jugendlichen* an und macht Werbung im Stadtteil. Der Zirkusverein spricht die Fachkräfte* für die Zirkusangebote an und stellt das Zirkuszelt sowie die dazugehörige Technik, den Kostümfundus und das zirzensische Material. Er bringt seine zirkuspädagogische Expertise ein und plant das Projekt inhaltlich. Angedacht ist auch, weitere Einrichtungen vor Ort, wie die Unterkunft für Geflüchtete, anzusprechen und zur Teilnahme einzuladen.

Projektbeispiel: Wohlfahrtsverband 1

Bündnispartner

Partner 1: Arbeiterwohlfahrt (AWO)-Familienzentrum
Partner 2: Literaturhaus XYZ
Partner 3: Stadtbibliothek

 

Ort: Mittelstadt | Sparte: Literatur/Kreatives Schreiben | Konzeptionell eingebunden: Elternarbeit

 

Kurze Projektbeschreibung

In der mittelgroßen Stadt XYZ wollen wir eine Schreibwerkstatt für Jugendliche* im Alter von neun bis 13 Jahren einrichten. In der Stadt gibt es eine hohe Arbeitslosenquote und wenig Ausbildungsmöglichkeiten. Das Stadtbild ist von einer großen Vielfalt geprägt. Die Abwanderung in den jüngeren Generationen ist groß. In den Räumen des AWO- Familienzentrums, das im Zentrum der Stadt liegt, soll es eine wöchentliche Schreibwerkstatt zum Thema „Ich – Du – Wir“ geben. Das Familienzentrum spricht die Besucher*innen (Jugendliche* und ihre Eltern) an. Mehrheitlich sind dies Menschen mit diversen kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Muttersprachen. Die Angebote starten mit der Ansprache der Jugendlichen*, im späteren Verlauf werden die Eltern dazu geladen. Die wöchentlichen Kurse führt ein*e Sozialpädagog*in des AWO-Zentrums mit einer Fachkraft* des Literaturhauses durch. Hierbei ist das Familienzentrum für die soziale und pädagogische Betreuung zuständig, während das Literaturhaus die künstlerische Durchführung verantwortet. Die Sozialpädagog*innen haben dabei ein besonderes Augenmerk auf die individuellen Entwicklungen der Teilnehmer*innen und reflektieren diese in Gesprächen mit den Teilnehmer*innen und bei Bedarf auch mit den Eltern. Die Schreibpädagog*innen bringen den Teilnehmer*innen unterschiedliche Methoden des Kreativen Schreibens näher. Die Teilnehmer*innen können Vorschläge für die kommenden Treffen machen, der Ablauf wird gemeinsam geplant. Neben dem Ausprobieren von Techniken wie Collagen, experimentellem und dem assoziativen Schreiben haben die Jugendlichen* auch die Möglichkeit, Texte anderer Autor*innen zu entdecken. Dazu besuchen wir mehrmals die Stadtbibliothek, die uns mit einer Führung durch ihre Räume empfängt und Bücher und Autor*innen vorstellt. Ein weiteres Mal besuchen wir eine Lesung, die dort stattfindet. Gleichzeitig bekommen die Jugendlichen* die Möglichkeit, Bücher auszuleihen. Ab der zweiten Hälfte des Projekts planen wir einzelne Workshop-Tage am Wochenende, zu denen die (Groß-)Eltern der Teilnehmer*innen eingeladen sind, wobei das Familienzentrum neben den Jugendlichen* selber die entscheidende Rolle bei der Ansprache hat. In der Zusammenarbeit mit den Eltern sollen die unterschiedlichen Herkünfte, Kulturen und Sprachen in ihrer Vielfalt gewürdigt werden. Gemeinsam mit ihren Kindern beschreiben die Eltern mithilfe von Schreibspielen ihre Geschichte und ihre Herkunftskultur, aber auch das Heute und das, was kommen kann – in welcher Sprache sie das tun, können sie selber wählen. Die Texte werden dann in der Gruppe vorgelesen und ggf. spontan übersetzt.

Stets steht der respektvolle und wohlwollende Austausch über die Texte im Zentrum. Es geht darum, was aufgefallen ist, was überrascht hat, wie das eigene Schreiben angeregt werden kann und wie sich dieselbe Geschichte in unterschiedlichen Sprachen anhören kann. Den Abschluss des Projektes bilden zwei öffentliche Lesungen der selbstgeschriebenen Geschichten in der Bibliothek und dem Literaturhaus.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Das AWO-Familienzentrum hat viel Erfahrung in der Beratung und Begleitung von Kindern und ihren Eltern. Neben der Ansprache wird ein*e Sozialpädagog*in des Familienzentrums zusammen mit einer Fachkraft* des Literaturhauses die Werkstatt betreuen und kontinuierlich den Ablauf besprechen. Das Literaturhaus bietet offene Werkstätten zum Kreativen Schreiben und Lesungen bei sich im Haus an. Mit diesem Projekt in Kooperation mit der AWO möchte es Kinder und Jugendliche* erreichen, die keinen selbstverständlichen Zugang zur Literatur und den entsprechenden Orten und Angeboten haben. Es ist verantwortlich für die künstlerische Durchführung der Kurse und Workshops. Die beiden Partner reflektieren kontinuierlich den Ablauf und individuelle Entwicklungen der Teilnehmer*innen. Die Stadtbibliothek engagiert sich in der Leseförderung und hat eine gut ausgestattete Abteilung für Jugendliteratur. Sie fungiert als Antragssteller und sorgt für die finanzielle Administration. Zudem können hier Teile der Angebote durchgeführt werden, es wird ein Raum für die Präsentation geboten und fachliche Beratung und Begleitung ermöglicht.

Projektbeispiel: Wohlfahrtsverband 2

Bündnispartner

Partner 1: Arbeiterwohlfahrt (AWO)-Stadtteiltreff
Partner 2: Unterkunft für Geflüchtete
Partner 3: Theaterverein XYZ

 

Ort: Mittelstadt | Sparte: Theater | Konzeptionell eingebunden: Kulturelle Begegnung

 

Kurze Projektbeschreibung

Die drei Partner bieten Kindern zwischen neun und elf Jahren, die zum Teil in Deutschland aufgewachsen und zum Teil vor kurzem aus anderen Ländern hierher geflüchtet sind, einen kreativen Freiraum, wo sie sich jenseits von Vorgaben und Leistungserwartungen ausdrücken können. Immer wieder sind die Kinder, ob in einer Unterkunft oder in der Schule, Drucksituationen ausgesetzt. Im Projekt sollen sie ihre Potentiale selbstbestimmt und frei entfalten können. Im Rahmen der Entwicklung eines Theaterstücks sollen sie spielerisch Möglichkeiten ihrer eigenen Präsenz ausprobieren oder auch in andere Rollen schlüpfen können. Angesprochen werden die Kinder u.a. in der Unterkunft wie auch im Stadtteiltreff, entweder direkt oder auch über deren Eltern. Je nach Notwendigkeit, unterstützt die Unterkunft zu Beginn das Projektes durch die Bereitstellung eine*r Dolmetscher*in. Die Eltern können die Kinder begleiten, was insbesondere bei den geflüchteten Kindern wichtig sein kann. Diese begleitenden Eltern werden, je nach Bereitschaft und Wunsch, mit in die Probenarbeit und als Unterstützer*innen eingebunden. Durch den AWO-Stadtteiltreff steht ein*e Sozialpädagog*in den kursleitenden Theaterpädagog*innen regelmäßig und nach Bedarf zu Seite. Das Thema soll so weit wie möglich von den Kindern selber entwickelt werden. Anhand der Auseinandersetzung mit Objekten werden die Kinder aufgefordert, in Gesprächen, aber auch durch andere Formen wie Malen oder Schreiben, ihre Assoziationen und Interessen dazu verbal oder auch non-verbal zu formulieren. Das Thema soll die Lebenswelten der Kinder aufgreifen, es wird ein ergebnisoffener Prozess verfolgt. Parallel zu diesem Themenfindungsprozess werden erste Bewegungs- und Tanz- sowie Improvisationsübungen gemacht, die nach der Themenfindung und der ersten Entwicklung des Stückes in Probenarbeit übergehen. Dabei wird auf die sprachlichen Möglichkeiten und auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kinder Rücksicht genommen. Es kann in verschiedenen Sprachen gesprochen werden oder auch rein körperlicher Ausdruck möglich sein etc. Diese Kurse, die wöchentlich nach der Schule in den Räumen des AWO-Stadtteiltreffs angeboten werden, werden flankiert von einem Besuch in einem Kindertheater mit einer Führung hinter den Kulissen. Nach einer intensiven Probenphase in Form eines Wochenendworkshops mit Übernachtung wird das Stück bzw. werden die Ergebnisse der Arbeit vorgeführt.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Der AWO-Stadtteiltreff ist Anlaufstelle für Kinder und deren Familien in der Umgebung und ist daher geeignet für die Ansprache der Familien und die Elternarbeit. Durch seine räumlichen Möglichkeiten kann er zudem einen Kurs- und Probenort bieten, der den Familien bereits bekannt ist und der dadurch einen leichten Zugang ermöglicht. Die Unterkunft für Geflüchtete ist sehr engagiert in der Vernetzung der Einrichtung mit anderen Initiativen, um ihren Bewohner*innen einen leichteren Zugang zu ihrer Nachbarschaft zu schaffen. So gibt es auch bereits eine Kooperation mit dem AWO-Stadtteiltreff hinsichtlich kleinerer Angebote wie Deutschkurse oder Nähen. Damit ist der Ort auch für die Menschen in der Unterkunft bereits eingeführt. Der Theaterverein ist geübt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen* unterschiedlicher Hintergründe und kann dadurch geeignetes Personal ansprechen und einsetzen. Das Angebot wird von den drei Partnern gemeinsam entwickelt, jeder bringt seine Kompetenzen und Möglichkeiten ein. Es finden nach Bedarf Treffen mit allen Partnern statt, ansonsten erfolgt aufgrund begrenzter zeitlicher Möglichkeiten viel Kommunikation über Mail und Telefon.

Projektbeispiel: Musikverein

Bündnispartner

Partner 1: Musikverein XYZ
Partner 2: Kinder- und Jugendzentrum XYZ
Partner 3: Schulsozialarbeit XYZ, Grundschule

 

Ort: Landgemeinde XYZ | Sparte: Musik

 

Kurze Projektbeschreibung

In unserer Landgemeinde wollen wir ein Projekt installieren, das 15-20 Kinder der ersten bis vierten Klasse über ein Jahr hinweg an das Musizieren heranführt sowie ihre Sinnes- und Körperwahrnehmung schult. Insbesondere Kinder, die sonst kaum am kulturellen Leben des Ortes teilhaben und die aus sozial bzw. finanziell schwierigen Lebenssituationen kommen, sollen speziell angesprochen werden. In zwei Schnupperstunden an der örtlichen Grundschule haben alle Kinder die Möglichkeit, verschiedene Blasinstrumente sowie Musik- und Rhythmusspiele auszuprobieren. Anschließend haben sie die Möglichkeit, in wöchentlichen Kursen, die am Nachmittag nach der Schule im örtlichen Musikverein stattfinden, von erfahrenen Honorarkräften mit Unterstützung von Ehrenamtlichen* des Musikvereins im Erlernen ihres Wunschinstrumentes angeleitet zu werden. Hierzu findet zu Beginn ein Instrumentenkarussell statt, bei dem Kinder die Instrumente ausprobieren können, um sich für eines, das sie lernen möchten, zu entscheiden. Die Kurse laufen prinzipiell folgendermaßen ab: Die Kurse finden im Musikverein statt. Z.T. wird mit den Musiker*innen des Orchesters des Musikvereins musiziert. Auf die kurzen Konzentrationsphasen, in dem die Instrumente entdeckt werden und das Musizieren erlernt wird, die in Kleingruppen im Musikverein durchgeführt werden, folgen ergänzende Angebote im nahegelegenen Kinder- und Jugendzentrum. Durch spielerische und spartenübergreifende Methoden wie rhythmische Bewegungsspiele, gemeinsames Singen, Klanggeschichten oder das Malen zu Musik, das Erfinden eigener kleiner Liedtexte und das Basteln einfacher Rhythmusinstrumente wird die sinnliche musikalische Wahrnehmung gefördert und die Beziehungen untereinander gestärkt. Die Kurse bieten jedoch genügend Spielräume, um auf die speziellen Interessen der Kinder und/oder besondere Bedürfnisse einzugehen. Um den Kindern weitere Musikwelten zu eröffnen, möchten wir außerdem in der nächstgelegenen Stadt ein Kinderkonzert besuchen. Den Abschluss des Projektes bildet eine musikalische Aufführung, in der sowohl die erlernten Fähigkeiten am Instrument als auch das Entstandene aus den ergänzenden Angeboten präsentiert werden kann. Die Präsentation findet sowohl im Musikverein als auch am Nachmittag in der Schule statt. Einzelne Stücke werden gemeinsam mit dem bestehenden Orchester gespielt. Hier werden verstärkt Eltern zur Unterstützung der Veranstaltung angesprochen.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Die Schulsozialarbeit wie auch die Lehrer*innen haben engen Kontakt zu den Schüler*innen der Grundschule und können daher besonders solche Kinder ansprechen, die sonst keinen Zugang zu kulturellen Aktivitäten haben, bzw. die in sozialen und/oder finanziellen Risikolagen aufwachsen. Gemeinsam sprechen sie zudem die Eltern an und versuchen, sie für das Angebot zu interessieren und sie darin einzubinden. Darüber hinaus organisieren sie die Abschlusspräsentation in der Schule. Der Musikverein bringt das Wissen in der musikalischen Bildung, vermittelt die Honorarkräfte* für den Gruppenunterricht am Instrument und aktiviert die Ehrenamtlichen* zur Unterstützung der Arbeit mit den Kindern. Die Ehrenamtlichen* begleiten auch die Kinder zum Freizeittreff und sind während der Angebote dort unterstützend vor Ort. Zudem übernimmt der Musikverein die administrative Verwaltung. Die Sozialpädagog*innen des Kinder- und Jugendzentrums führen die ergänzenden Angebote durch. Die Partner haben das Angebot gemeinsam entwickelt und treffen sich regelmäßig, um den aktuellen Stand zu besprechen, das weitere Vorgehen zu überlegen oder sich gemeinsam Schwierigkeiten zu stellen.

Projektbeispiel: Politische Bildung 2

Projektbeispiel: Politische Bildung 2

Partner 1: Bildungsstätte XYZ

Partner 2: Freizeittreff XYZ

Partner 3: Stadtarchiv XYZ

 

Kurze Projektbeschreibung

Mit dem Projekt sollen circa 24 Kinder und Jugendliche* zwischen 12-15 Jahren aus der Kleinstadt XYZ und ihrer ländlichen Umgebung für eine zehntägige Ferienfreizeit gewonnen werden. Die Region ist stark von Arbeitslosigkeit geprägt; viele Elternteile leben alleinerziehend. Ziel ist es, dass die Jugendlichen* sich durch Erkundungen von Orten auf den Dörfern und in der Stadt, Recherchen und den Einsatz von Fotoapparat und Videokamera mit den Themen Kultur und Transkultur auseinandersetzen. Angesprochen werden Interessierte vor allem über den Freizeittreff, der am Rande der Kleinstadt liegt und in dem viele Kinder und Jugendliche* ihre Nachmittage verbringen. Auch die Bildungsstätte, die 15 Minuten außerhalb der Stadt liegt, geht gezielt auf einige zu. Es werden Kinder und Jugendliche* mit und ohne Migrationserfahrung angesprochen. In Ortserkundungen sollen anhand eines Videowalks Orte und Einrichtungen betrachtet werden, an denen sich die Stadt- oder Dorfkultur durch Migration verändert hat. Es soll den Fragen nachgegangen werden, wie Einwanderung unsere Stadt und Dörfer geprägt hat, wie sich die Kulturen gegenseitig beeinflussen und wo Überschneidungen erkennbar sind. Mit der Auseinandersetzung wollen wir zum einen Angst vor Veränderung und Unbekanntem abbauen und gleichzeitig die Jugendlichen* darin bestärken, Unsicherheiten und Fragen auszusprechen und sich kreativ mit ihnen auseinanderzusetzen. Vor der ersten Erkundung wird das Format Videowalk vorgestellt und kann in kleinen Experimenten mit der Handykamera ausprobiert werden. Danach beginnen die Spaziergänge, für die sich die Gruppe in mehrere Kleingruppen aufteilt. Sie ziehen durch die Umgebung und zu verschiedenen Einrichtungen wie dem Schulgebäude, dem Freizeittreff und Plätzen. Auch die umliegenden Dörfer, in denen viele der Kinder und Jugendlichen* leben, werden erkundet. Da die Anfahrt dorthin in der Regel mit dem Bus erfolgt, finden diese Spaziergänge in der gesamten Gruppe statt. An den jeweiligen Orten sprechen die Teilnehmer*innen über die individuelle Bedeutung dieser Orte für sie selbst und versuchen herauszufinden, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Dazu kann mit z.B. Anwohner*innen geredet oder auch in Archiven und im Internet recherchiert werden. Unter Anleitung von Medien- und Theaterpädagog*innen wird aus den gesammelten Materialien das Drehbuch für den Videowalk erstellt und mit den Tablets und Handykameras der Kinder und Jugendlichen* gedreht. Ziel ist es, alle Elemente und Inhalte durch die Teilnehmer*innen selbst entwickeln zu lassen. Die Bearbeitung erfolgt zum Schluss in der Bildungsstätte, so dass eine Folge von Videowalks der verschiedenen Kleingruppen entsteht. Bevor die einzelnen Gruppen zu ihren Erkundungen aufbrechen, wird als Ritual gemeinsam gegessen. Je nach zeitlichen Möglichkeiten wird auch mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen gekocht. Dabei wird auch ein Raum geschaffen für Austausch über das Projekt oder auch ganz andere Dinge, die die Kinder und Jugendlichen* beschäftigen.

Die künstlerischen Angebote werden von Fachkräften*, die sowohl über den Freizeittreff als auch über die Bildungsstätte vermittelt werden, begleitet, bei den Erkundungen unterstützen Ehrenamtliche* oder auch Eltern und begleiten die Kleingruppen, während die Fachkräfte* rotierend die Gruppen von Kurs zu Kurs wechseln. Am Ende gibt es ein Abschlussfest im Freizeittreff, zu dem Teilnehmer*innen ihren Familien und Freunde bei selbstgemachten Snacks die Videowalks präsentieren.

 

Zusammenarbeit und Aufgaben im Bündnis

Die Bildungsstätte hat jahrelange Erfahrung in der Durchführung und Beherbergung von pädagogischen Projekten für Kinder und Jugendliche*. Die Mitarbeiter*innen finden daher leicht Zugang zu den Teilnehmer*innen. Die Bildungsstätte verfügt über eine gute Ausstattung mit Materialien und bietet Aufenthalts- und Arbeitsräume. Vereinzelt spricht auch sie potenzielle Teilnehmer*innen an. Der Freizeittreff als soziokulturelles Zentrum hat ebenfalls Erfahrung in der Projektdurchführung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen*, wobei die Verortung in deren Lebenswelt ein wesentliches Kriterium ist. Die Besucher*innen kommen aus der Umgebung und leben häufig in schwierigen sozialen Lagen. Die Mitarbeiter*innen sind geschult darin, individuell auf die Problemlagen und Anforderungen von Kindern und Jugendlichen* einzugehen. Der Freizeittreff spricht die Kinder und Jugendlichen* an und wirbt für das Projekt. Das Stadtarchiv öffnet seine Türen und damit die Türen zu einer greifbaren Vergangenheit des Ortes – durch Bilder, Bücher, Dokumente. Es vermittelt den Kindern und Jugendlichen*, wie Informationen außerhalb der digitalen Welt gefunden werden können. Dabei wird es in pädagogischer Hinsicht von den Fachkräften* unterstützt. Insbesondere die Bildungsstätte als auch der Freizeittreff stehen in einem engen Austausch, da sie gemeinsam für die gesamte Durchführung verantwortlich sind. Absprachen zwischen allen Partnern finden zu Beginn und Ende der Projektphasen und für die terminlichen Vereinbarungen und inhaltlichen Ausgestaltungen der Besuche statt.