Förderkriterien

Welche Projekte werden gefördert?

Das Programm „Künste öffnen Welten“ möchte Projekte unterstützen, die etwas in ihrem lokalen Umfeld bewegen und außerhalb von Schule für Kinder und Jugendliche* mehr kulturelle Bildungsmöglichkeiten schaffen.

Nach wie vor gibt es in Deutschland einen engen Zusammenhang zwischen den familiären Lebensverhältnissen und dem Bildungserfolg der jeweiligen Kinder und Jugendlichen*. Die BKJ möchte mit „Künste öffnen Welten“ diese Abhängigkeit verringern. Es handelt sich dabei nicht um ein reines Förderprogramm, es zielt vielmehr auf die Weiterentwicklung der Angebote und Einrichtungen. Die BKJ bietet hierfür Angebote (Programmtage) auf freiwilliger Basis an. Die regelmäßige Teilnahme an der Evaluation ist in jedem Fall verpflichtend.

Die Auswahl der zu fördernden Projektkonzepte erfolgt durch eine unabhängige Jury. Um für eine Förderung ausgewählt zu werden, ist es zwingend notwendig, dass sich aus dem eingereichten Projektkonzept zweifelsfrei ergibt, dass die folgenden Förderkriterien erfüllt sind:

 

Teilnehmer*innen
Zielgruppe des Projektes sind Kinder und Jugendliche*, die in Familien mit Risikolagen aufwachsen. Das sind Familien mit formal gering qualifizierten Eltern, mit arbeitslosen Eltern oder mit einem Familieneinkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Hierfür braucht selbstverständlich kein Nachweis durch die Teilnehmer*innen erbracht werden – vielmehr geht es darum, dass im Projektkonzept schlüssig dargestellt wird, dass diese Zielgruppe erreicht werden kann, z. B. durch Beschreibung der Sozialstruktur des Stadtteils bzw. der Region oder der Teilnehmer*innen-Strukturen in den Einrichtungen, die den Zugang zur Zielgruppe sicherstellen.

Im Projektkonzept muss schlüssig dargestellt werden, wie diese Gruppe erreicht werden soll und was unternommen wird, um das Projekt zugangsoffen und niedrigschwellig zu gestalten. Projekte, bei denen die konkreten Teilnehmer*innen schon im Vorfeld feststehen und also keine neuen Teilnehmer*innen gewonnen werden, können nicht gefördert werden.

Nach einer Einstiegsphase soll es eine Kerngruppe geben, die verlässlich am Projekt teilnimmt. Sie soll aus mindestens 12 und maximal 40 Kindern und Jugendlichen* bestehen – eine Aufteilung in mehrere Kerngruppen ist möglich. Die Kinder und Jugendlichen* sollen mindestens im Vorschulalter und nicht älter als 18 Jahre sein. Nur für diese Teilnehmer*innen ist auch eine Förderung möglich. Bei einzelnen Angeboten können auch Familienmitglieder (z. B. Eltern oder Geschwister) teilnehmen.

 

Inhalte und Struktur
Inhaltlicher Kern der Projekte muss die Auseinandersetzung mit Künsten, mit Kultur, mit Spiel und/oder mit Medien sein. Dabei kann ein sehr offener Kulturbegriff zugrunde gelegt werden – auch eine Auseinandersetzung mit Jugend- und Alltagskultur oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen oder ökologischen Themen kann Teil des Projektes sein.

Bei dem Projekt muss es sich um ein Bildungsprojekt handeln. Im Vordergrund muss also der Erfahrungs- und Entwicklungsprozess der Teilnehmer*innen stehen. Ein Projekt, bei dem vorrangig ein*e mitwirkende*r Künstler*in im Mittelpunkt steht oder das ausschließlich dazu dient, ein konkretes Präsentationsergebnis einzuüben, erfüllt dieses Kriterium nicht.

Die Projektumsetzung erfolgt schwerpunktmäßig durch Nachmittagskurse und/oder Wochenend-/Ferienworkshops. Nachmittagskurse finden in der Regel wöchentlich statt und haben einen Umfang von mindestens anderthalb Stunden (Doppeltermine sind möglich). Wochenend- und Ferienworkshops können eintägig oder mehrtägig stattfinden und haben einen Umfang von mindestens sechs Stunden täglich. Diese Kernmodule dienen der praktischen kulturpädagogischen Arbeit. Zusätzlich können im Rahmen dieser Module aber auch Präsentationen stattfinden, Kulturveranstaltungen oder -einrichtungen besucht werden, das Umfeld erkundet werden oder auch spiel- bzw. erlebnispädagogische Zusatzangebote stattfinden.

Zusätzlich können Schnupperangebote durchgeführt werden. Schnupperangebote dienen am Beginn eines Projektes oder einer Projektphase der praktischen Vorstellung des Projektes, um neue Teilnehmer*innen zu werben. Sie können daher ausnahmsweise auch im Rahmen der Unterrichts- oder Kitakernzeit durchgeführt werden. Sie finden mit mindestens 20 Teilnehmer*innen statt und dauern mindestens anderthalb Stunden. Es kann pro Tag maximal ein Schnupperangebot stattfinden. Die Kinder und Jugendlichen* können dabei maximal an drei Schnupperangeboten teilnehmen.

Ebenfalls möglich ist die Vergabe des Kompetenznachweis Kultur (KNK) als Angebot. Dieses Instrument ist für Jugendliche* ab 12 Jahren geeignet zur strukturierten und individuellen Kompetenzreflexion und -dokumentation. Die Vergabe setzt eine Fortbildung der Fachkraft zum*zur KNK-Berater*in voraus.

Im Konzept sollte erläutert werden, ob das Projekt dauerhaft angeboten werden soll (z. B. Halbjahres- oder Jahreskurs) oder als Kompakt-/Intensivangebot (z. B. Feriencamp). Beides ist möglich – allerdings muss der zeitliche Umfang des Projektes mindestens 60 Stunden (pro Kalenderjahr) betragen.

 

Antragsberechtigung
Antragsberechtigt sind alle gemeinnützigen Rechtspersonen (z. B. eingetragene Vereine, Stiftungen oder gGmbHs) sowie öffentlich-rechtliche Rechtspersonen (z. B. Einrichtungen in Trägerschaft von Städten und Gemeinden, Landkreisen, Kirchengemeinden oder Zweckverbänden). Nicht-eingetragene Vereine, GbRs oder natürliche Personen können also keinen Antrag stellen. Schulen und Kindertagesstätten (egal ob in öffentlicher oder in freier Trägerschaft) können ebenso aus formalen Gründen leider keine Antragsteller sein.

Der Antragsteller muss entweder eine funktionierende hauptamtliche Verwaltung oder sehr engagierte Ehrenamtliche für Verwaltungsaufgaben vorhalten. Die Anforderungen an die Projektverwaltung, insbesondere hinsichtlich einzuhaltender Formvorgaben und der Nachweispflichten, sind hoch. Der Aufwand für die Verwaltungsarbeit wird jenseits der Verwaltungspauschale nicht gefördert.

 

Bündnisstruktur
Das Projekt wird inhaltlich durch ein Bündnis verantwortet, das aus mindestens drei Organisationen oder Institutionen besteht. Das können beispielsweise sein: Kultureinrichtungen, Musik- und Kunstschulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendbeteiligungsstellen, Offene Jugendarbeit, Straßensozialarbeit, Nachbarschaftstreffs, lokale Vereine, Kirchengemeinden, Kindertagesstätten oder Schulen. Einzelpersonen können keine Bündnispartner sein. Ein Bündnispartner übernimmt die Antragstellung und Abrechnung.

Alle Bündnispartner bringen ihr Know-How ein und tragen zum Projekterfolg bei. Das setzt voraus, dass alle Bündnispartner Projektverantwortliche benennen und sich die einzelnen Verantwortlichen regelmäßig zusammensetzen und beraten. Die alltägliche Projektumsetzung kann und soll hingegen durch qualifizierte Honorarkräfte (ggf. unter Beteiligung Ehrenamtlicher) erfolgen.

Die Bündnispartner regeln ihre Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Kooperationsvereinbarung.

Alle Bündnispartner haben Eigeninteressen und bringen dementsprechend auch (nicht-finanzielle) Eigenleistungen ins Projekt ein. Es geht ausdrücklich nicht darum, das Geld unter den Bündnispartnern aufzuteilen! Insbesondere soll das Bündnis nicht durch Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnisse geprägt sein. Eine Einrichtung, die lediglich (gegen Entgelt) besucht wird, ist noch kein Bündnispartner. Erwartet wird vielmehr, sich auch in die Kooperationsarbeit einzubringen und auch unentgeltliche Leistungen beizusteuern.

Durch die Bündnispartner müssen gemeinsam folgende Erfahrungen und Kompetenzen abgedeckt sein:

  • Erfahrung in der kulturellen Bildungs- und Projektarbeit
  • Verankerung des Projektes im Sozialraum und in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen*
  • Zugang und Erfahrung in der Ansprache von Kindern und Jugendlichen* aus Familien in Risikolagen

Die Bündnispartner und die angesprochenenen Kinder und Jugendlichen* müssen in einem gemeinsamen lokalen Raum (Sozialraum) ansässig sein. Das bedeutet zum Beispiel: in der Großstadt in einem gemeinsamen Viertel oder auf dem Land in einem Verbund mehrerer Gemeinden.

 

Neuartigkeit, Zusätzlichkeit, Freiwilligkeit und Außerunterrichtlichkeit

Für alle Bündnispartner muss das Projekt neuartig sein. Nicht möglich ist demnach die Förderung von Aktivitäten, die Sie auch schon jetzt regelmäßig anbieten; das Projekt muss sich von ihrer regelmäßigen Arbeit deutlich abgrenzen. Es ist beispielsweise nicht möglich, einfach einen Teil oder eine Personengruppe ihrer bisherigen Arbeit zum „neuartigen Projekt“ zu erklären.

Das Projekt muss auch zusätzlich sein – Projekte, die bereits anderweitig gefördert sind (z. B. im Rahmen des SGB VIII) oder die der Umsetzung von Pflichtaufgaben eines Bündnispartners dienen, können nicht gefördert werden. Mit der Projektumsetzung darf auch erst nach Abschluss einer schriftlichen Fördervereinbarung begonnen werden – ein vorzeitiger Maßnahmebeginn ist nicht möglich.

Alle Angebote des Projektes müssen außerunterrichtlich sein – Ausnahmen gelten nur für Schnupperangebote. Ansonsten müssen die Kinder und Jugendlichen* freiwilllig und in ihrer Freizeit am Projekt teilnehmen. Die Angebote des Projektes dürfen keine Veranstaltung einer Schule bzw. einer Kindertagesstätte sein – die Verantwortung und die Aufsichtspflicht liegen beim Antragsteller. Das bedeutet insbesondere auch:

Kein Modul findet in der verpflichtenden Schulzeit statt. Zur verpflichtenden Schulzeit zählen alle Zeiträume des Vormittags an Schultagen, im gebundenen Ganztag auch der schulische Nachmittag. Auch eine Freistellung der Schüler*innen vom Unterricht ändert daran nichts. Außerdem dürfen die Module nicht als Projekttage oder -woche bzw. parallel zu weiteren schulischen Angeboten (z. B. Wandertage) stattfinden. [ Detaillierte Informationen in den FAQs ]

Für die Kindertagesstätten gilt: Die Angebote dürfen sich nicht an feste Gruppen oder sämtliche Kinder der Kindertagesstätte richten. Die Durchführung ist daher nach einigen Schnupperangeboten nur mit einer projektspezifischen Gruppe möglich, bei der sichergestellt ist, dass damit nicht der Betreuungsschlüssel der Einrichtung verbessert wird. Das Personal der Einrichtung darf nur unterstütztend an den Angeboten teilnehmen. Projekte, die über drei Monate dauern sollen,sind nur ausnahmsweise möglich und bedürfen der ausdrücklichen Prüfung und Genehmigung durch die BKJ. [ Detaillierte Informationen in den FAQs ]

 

Weitere Entwicklungskriterien
Die folgenden Kriterien brauchen im Projektkonzept nicht zwingend dargestellt werden. Sie sollten jedoch in der Umsetzung berücksichtigt werden bzw. sind zu erläutern, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Insofern Sie die Kriterien im besonderen Maße erfüllen oder sie besondere Ideen für die Projektumsetzung haben, empfehlen wir eine Darstellung im Projektkonzept jedoch ausdrücklich, um die Auswahlchancen des Projektes zu erhöhen.

Das Projekt muss sich an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen* ausrichten. Das bedeutet, dass das Projekt aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen* entwickelt wurde und deren Interessen, Themen und Umfelder entsprechend mit einbezogen werden.

Sie wirken in ihrem Projekt Stigmatisierungen und Diskrimierungen entgegen, bersücksichtigen die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen* in den Angeboten und ermöglichen Begegnungen. Aber auch Projekte, die sich ausdrücklich dem Empowerment diskriminierter Gruppen widmen und daher den Teilnehmer*innen-Kreis beschränken, sind möglich. Ebenso möglich sind gruppenbeschränkte Angebote, die beispielsweise der Auseianndersetzung mit der eigenen sexuellen/sozialen Identität dienen (z. B. queere Jugendarbeit, Mädchenarbeit, Jungenarbeit).

Sie zeigen und fördern Engagement für das gesellschaftliche Miteinander. Die Einbindung von Ehren-amtlichen ist ausdrücklich erwünscht. Soweit möglich, sollen Themen und Ideen aus dem lokalen Umfeld aufgegriffen werden oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen erfolgen.

 

Vereinfachungen für besondere Personengruppen

Projekte, die im ländlichen Raum stattfinden, waren bisher im Förderprogramm unterrepräsentiert und werden daher stärker gefördert. Bitte beachten Sie aber, dass der ländliche Raum an sich noch nicht ausreicht, um eine familiäre Risikolage der Kinder und Jugendlichen* zu begründen. Bitte stellen Sie daher unbedingt dar, wie sie diese Gruppe erreichen möchten. Wir sind uns bewusst, dass die Umsetzung von Projekten im ländlichen Raum mit besonderen Schwierigkeiten verbunden ist. Bitte stellen Sie ggf. diese Problemlagen im Konzept dar.

Bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen* kann ohne weiteren Nachweis von einer Risikolage ausgegangen werden. Bitte stellen Sie aber auch hier dar, wie Sie die Geflüchteten erreichen möchten und wie Sie Begegnungen mit anderen Kindern und Jugendlichen* ermöglichen möchten. Für letztere sollten Sie die familiären Hintergründe beschreiben.

Projekte, die Kinder und Jugendliche* mit Behinderungen in gemischten Gruppen einbinden, sind ausdrücklich erwünscht. Wenn Sie dafür bspw. eine Kooperation mit einer Förderschule eingehen, braucht die Risikolage hier nicht gesondert beschrieben werden. Eine Beschreibung für alle weiteren Teilnehmer*innen reicht aus.
Bitte beachten Sie für alle drei Personengruppe auch die Möglichkeit, besondere Bedarfe zu beantragen.

 

Weitere Informationen

Diese Förderkriterien können Sie hier als PDF herunterladen.

Informationen zur Finanzierung finden Sie hier.

Noch detailliertere Informationen finden Sie in den FAQs.