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Erfahrungen aus „Kultur macht stark“ – „Künste öffnen Welten“ im Interview

„Das Programm hat ein enormes Potenzial, Begegnungsflächen unterschiedlicher Zielgruppen zu schaffen. Damit wirkt es inkludierend in die Gesellschaft“, so Kerstin Hübner, die das Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ bei der BKJ leitet. Für die Fachzeitschrift „Standbein Spielbein“ des Bundesverband Museumspädagogik e. V. gibt sie Auskunft über Wirkungen des BKJ-Konzepts, über mögliche Hürden und umreißt, was bei einer Fortführung des Gesamtprogramms „Kultur macht stark“ bedenkenswert ist.

 

Kerstin Hübner
Programm „Künste öffnen Welten“ der BKJ

Wie schätzen Sie die Wirkung Ihres Konzepts in Bezug auf die vermehrte kulturelle Teilhabe der Kinder und Jugendlichen ein?

 Ich freue mich, dass wir über drei, vier Jahre so viele Projekte im Rahmen von „Künste öffnen Welten“ kontinuierlich unterstützen, die die Zielgruppe erreichen, kulturpädagogisch wirksam sind und sich im Bündnis weiterentwickeln. Da passiert sehr viel – durch die Länge der Projekte und weil sie als Bildungsprozesse über das Künstlerische hinausreichen. Nicht nur die Bündnispartner, die Kulturpädagogen/-innen und Künstler/-innen, auch mit den Kindern und Jugendlichen wird das gemeinsam reflektiert. Da bedeutet eine hohe Wirksamkeit auch Nachhaltigkeit, was das Interesse an Kunst und Kultur betrifft oder sich auf andere Bildungsformate einzulassen. Unsere 600 Bündnisse können das aber nur an den Standorten leisten, nicht flächendeckend. Es geht daher darum, die Qualität in diesen Bündnissen zu sichern.

Welche Hürden müssen Ihrer Meinung nach Kultureinrichtungen weiter abbauen, um Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Lebenslagen zu erreichen?

Größere Kultureinrichtungen müssen prüfen, ob ihr Angebot, die Sprache, das Haus diese Zielgruppe anspricht. Kinder und Jugendliche sollten nicht auf „Kulturpublikum von morgen“ reduziert werden. Vielmehr müssen sie verstehen, dass es hier um Bildung geht, dafür müssen sie kontinuierlich mit Gruppen arbeiten. Für andere kulturpädagogische Einrichtungen, die sich überlastet fühlen, ist es wichtig Kooperationen einzugehen, die sie unterstützen, und sich in diesem Miteinander weiter zu qualifizieren. Kleine Kulturvereine, die z.B. bisher nur einmal im Jahr eine Ferienfreizeit anbieten, müssen sich für diese Zielgruppe sensibilisieren und für sich herausfinden, welcher langfristige Mehrwert dadurch vor Ort oder in ihrem Angebot entsteht.

Was sollte bei einer Neuauflage von „Kultur macht stark“ vermehrt in den Fokus rücken?

Das Programm hat ein enormes Potenzial, Begegnungsflächen unterschiedlicher Zielgruppen zu schaffen. Damit wirkt es inkludierend in die Gesellschaft. Diversität sollten wir noch stärken. Die Lebensweltorientierung, die Ressourcen im Sozialraum, Partizipation und Netzwerke sollten ein noch zentralerer Fokus werden. Als drittes beschäftigt uns die Frage nach geeigneten Rahmenbedingungen für die unterschiedlichen Bündniskonstellationen. Im Speziellen: Wie können die Bündnisse bei Administration und Formalia entlastet werden, um sich stärker Inhalten widmen zu können?

 

Das Interview ist in der August-Ausgabe (Nr. 105/2016) der Fachzeitschrift „Standbein Spielbein“ des Bundesverband Museumspädagpgik e. V. erschienen.

Weitere Informationen zu „Standbein Spielbein“: http://www.museumspaedagogik.org/publikationen/standbein-spielbein.html