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Wie macht Kultur stark? – Bündnisakteure diskutieren zur Abschlusstagung von „Künste öffnen Welten“

Jährlich 20.000 Kinder und Jugendliche profitierten in den letzten fünf Jahren vom kulturellen Bildungsangebot, das 662 Bündnisse aus Kultureinrichtungen, sozialräumlichen Institutionen sowie Kitas und Schulen realisiert haben. Wie die kulturpädagogische Praxis diese jungen Menschen stärken konnte, diskutieren die Bündnisse in Berlin.

Kulturelle Bildung unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, eigene Positionen zu entwickeln und zu vertreten. Sie brauchen heute mehr denn je Räume, in denen sie sich als selbstwirksam erleben und kritische Fragen entwickeln können. 662 Bündnisprojekte im Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) haben dies in den vergangenen fünf Jahren ermöglicht. Im Juni resümierten sie unter dem Titel „Kulturelle Bildungskonzeptionen für mehr Teilhabe erforschen und gestalten“ die Ergebnisse ihrer Arbeit. Die Tagung in Berlin bildet den fachlichen Abschluss des BKJ-Programms „Künste öffnen Welten“, das von 2013 bis 2017 im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert worden ist.

 

 

 


Kinder und Jugendliche angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in ihren Selbstbestimmungsmöglichkeiten und in ihrer strukturellen Teilhabe zu stärken, ist ein anspruchsvolles Ziel Kultureller Bildung.
Das ist gut und richtig, denn „es gibt noch immer eine große Zahl an Menschen, die sich als abgehängt und eben nicht als wirksam erleben. Wir fragen mit unserem Konzept ‚Das starke Subjekt‘ danach, welche Voraussetzungen wir schaffen müssen, damit möglichst alle Kinder und Jugendlichen sich selbst bestimmen und kritisch mit den gesellschaftlichen Entwicklungen umgehen bzw. diese konstruktiv mitgestalten können“, so Tom Braun, Geschäftsführer der BKJ.

Dabei gehe es nicht um Selbstoptimierung, sondern darum, eigene Standpunkte zu entwickeln sowie Offenheit für andere zu zeigen. „Mehr Teilhabe, Bildung und Kultur für alle zu erreichen, schaffen wir aber nur dann, wenn sich gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen weiterentwickeln und wir im demokratisch verfassten zivilgesellschaftlichen Netzwerk Kultureller Bildung, das bis vor Ort reicht, gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen Verantwortung übernehmen“, so Tom Braun weiter.

Seitens des Bundesbildungsministeriums begrüßte Monika Bürvenich vom Referat Kulturelle Bildung und Europäische Schulen die 140 Teilnehmer*innen. Sie erläuterte, dass seit der ersten Pisa-Studie viel Energie in die formale Bildung investiert worden sei. Die außerschulische Bildung sei aus dem Blick geraten, dabei könne sie einen wichtigen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. Das Bundesbildungsministerium wolle mit „Kultur macht stark“ zusätzliche Angebote in der außerschulischen kulturellen Bildung schaffen. Die BKJ gewährleiste in „Künste öffnen Welten“ durch die sehr offene und spartenübergreifende Ausrichtung des Förderprogramms die ungeheure Bandbreite kultureller außerschulischer Bildung. Darüber hinaus seien es die Programmpartner, die „Kultur macht stark“ zum Erfolg führen. Sie stellten sicher, dass die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen in bildungsbenachteiligenden Risikolagen in den Bündnissen für Bildung erreicht werden. Und dass die Zielgruppe erreicht werde, zeige die Evaluation. Damit sei das Hauptziel des Programms erreicht, ein Grund, weshalb „Kultur macht stark“ auch ab 2018 fortgesetzt werde.

Weitere Fragen, die im Rahmen der Fachtagung diskutiert worden sind, richten sich auf die Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen in einem Bündnis. Hierin liegt ein großes Potenzial für erfolgreiche Projekte, denn, so Lutz Lienke, der im BKJ-Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ Mitglied der Jury ist, die die Projekte ausgewählt hat, und dem Vorstand des Bundesverbandes der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen angehört: „Die Bündnisqualität, das heißt die Zusammenarbeit von kulturellen Einrichtungen, Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie Partnern im Sozialraum, hat sich als zentraler Schlüssel in den Konzepten erwiesen: Sie bringen unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen ein, um neue Kinder und Jugendliche für Kulturelle Bildung zu begeistern, ungewöhnliche inhaltliche Wege zu beschreiten und nachhaltige Verantwortungsgemeinschaften zu bilden. Die tollen Projekte zeigen, dass sich Kulturelle Bildung dynamisch weiterentwickelt.“

Das Förderprogramm „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird ab 2018 fortgesetzt. Die BKJ informiert rechtzeitig, welche Programmpartner mit welchen Förderprojekten an der Fortsetzung von „Kultur macht stark“ beteiligt sein werden.

 

 

 

 

 

Bilder: BKJ


Weitere Informationen

> Presseinformation, 13.06.2017

Publikationshinweis: „Das starke Subjekt“
Frisch veröffentlicht in 2017 ist das Handbuch „Das starke Subjekt“, herausgegeben von Gerd Taube, Max Fuchs und Tom Braun in der Schriftenreihe Kulturelle Bildung des kopaed-Verlags.

Praxishilfen für Kulturelle Bildungsprojekte
Die Themenhefte in „Künste öffnen Welten“ umreißen in Fachbeiträgen, Interviews und Grafiken Fragestellungen, die das Feld Kulturelle Bildung bewegen, z. B. zu „Sozialraum“, „Diversität“, „Wirksamkeit“ oder Bündniszusammenarbeit.

Evaluationsergebnisse aus „Künste öffnen Welten“
Wie trägt Kulturelle Bildung zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe bei? Auf diese zentrale Frage geben die Evaluationsergebnisse aus „Künste öffnen Welten“ unter dem Titel „Im Fokus – Struktur und Wirksamkeit der Bündnisse und Projekte“ eine erste Antwort. Gebündelt, prägnant und in Farbe.