Graffiti-Projekt

Graffiti-Projekt4Die Kinder- und Jugendkunstschule in Neustrelitz hat schon viele Jahre Erfahrung mit Schulprojekten und Nachmittagsangeboten. Mit der Zeit entstand der Wunsch die Zielgruppe über das bürgerliche Lager hinaus zu erweitern. So nutzte Stella Schüssler, Leiterin der Kinder- und Jugendkunstschule des Kunsthaus Neustrelitz e. V., ihre guten Kontakte zu der Integrierten Gesamtschule (IGS) Walter Karbe und dem Jugendzentrum „Blue Box“ sowie das Programm „Künste öffnen Welten“, um das „Graffiti-Projekt“ auf den Weg zu schicken.

Die Bündnispartner befinden sich alle in der Kleinstadt Neustrelitz und nur etwa 1,5 Kilometer trennen sie voneinander. In der Zusammenarbeit ergänzen sich ihre Kompetenzen wunderbar: Anfangs hat die IGS hat das Projekt bei den Kindern und Jugendlichen bekannt gemacht, vor allem die Schulsozialarbeiterin Kordula Wüstenberg hat sich dafür engagiert. Durch die Schule gab es eine hervorragende Plattform, um die Ergebnisse der Workshops des „Graffiti-Projekts“ gut und für eine große Öffentlichkeit zu präsentieren. Außerdem koordinierte die Schule die Anfahrt für die Schüler/-innen, die aus dem ländlichen Umland jeden Tag nach Neustrelitz und zurück pendeln müssen.

Denn ein großes Problem in diesen ländlichen Strukturen ist, dass die Schulen auf den Dörfern nach und nach schließen. Dadurch sind die Jugendlichen vom Zeitplan der Schulbusse abhängig, sodass sie kaum an außerschulischen Aktivitäten an Nachmittagen teilnehmen können. Das aber machte die IGS Walter Karbe zusammen mit dem Jugendzentrum „Blue Box“ möglich. Durch die niedrigschwellige und konstante Arbeit mit den Jugendlichen aus mehreren Bezirken, konnte die Leiterin der „Blue Box“ Christina Volgmann viele weitere Interessierte gewinnen. Außerdem ist das Jugendzentrum immer schon ab 11 Uhr geöffnet und konnte als Treffpunkt vor den regulären Projektzeiten genutzt werden. Das war vor allem für die jüngeren Teilnehmer/-innen wichtig. Das Kunsthaus bot die Infrastruktur, also die Werkstätten, das Wissen und den Kontakt zu Künstlern/-innen. Stella Schüssler nennt es ein „ideales Gemenge der Partner“. So begann mit Hilfe aller Bündnispartner das „Graffiti-Projekt“, in dem zuerst konzipiert, gezeichnet und geübt wurde, bevor es mit Sprühfarbe an die Wände ging.

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Die Jüngeren und die Älteren hatten separate Gruppen. „Das war nötig“, meinte Stella Schüssler, „denn die mit zehn, elf Jahren sind schneller zu begeistern. Ältere dafür nachhaltiger. Da muss ein Kurs anders aufgebaut werden.“ Alle Gruppen füllten sich allmählich. Die öffentlichen Aktionstage, aber auch die mündliche Werbung der Jugendlichen, die schon dabei waren, brachten viele neue Interessierte. Anfangs war die Niedrigschwelligkeit besonders wichtig. Unverbindlichkeit könne ein Projekt behindern, könne aber auch den Zugang erleichtern, ist sich Stella Schüssler sicher. Und am Ende fasst Stella Schüssler das Projekt für sich so zusammen: „Ich habe heute mehr Zugang und Kontakt zu Menschen. Der gegenseitige Respekt ist für mich der größte Gewinn. Die Jugendlichen,die durch das „Graffiti-Projekt“ bei uns im Hause waren, kommen wieder. Sie haben verstanden, wie das Kunsthaus funktioniert. Es ist keine offene Tür durch die man doch nicht geht!“ Außerdem haben einige älteren Neu-Graffitikünstler/-innen Kontakt zu der winzigen, bestehenden Graffitiszene in Neustrelitz aufgenommen, in der neben dem künstlerischen und handwerklichen Wissen jetzt auch das Graffiti-Ethos kennen lernen. Und sie haben sogar von einer Firma den Auftrag bekommen ein Silo zu gestalten. Weiterhin gibt es Graffiti-AGs, in denen sich die Kiezgrenzen verschieben und es nicht mehr wichtig ist zu fragen, auf welche Schule man geht, sondern zusammen zu gestalten.

Beginn: 15. Mai 2013
Förderzeitraum: 1/2 Jahr
Fördersumme: 3.855 Euro

Bilder: Kunsthaus Neustrelitz , Blue Box Neustrelitz