Jukuseum

Bild JukuseumMit regionalen Kulturthemen begeistern

Ein Zentrum für Jugend, Kultur und Bildung – das wird zusätzlich bei der Neugestaltung des Archäologischen Museums entstehen. Das Projekt „jukuseum“ hat dazu beigetragen, dass sich das Museum mehr und mehr als offenes Haus für Kinder und Jugendliche der Region profiliert. Los ging es damit, dass nur 100 Meter entfernt ein Jugendzentrum entstanden war, woraufhin das Museum Führungen für Kinder anbot. Dann kamen Jugendkulturwochen hinzu. Und um das Profil „Jugendkulturarbeit“ noch mehr zu schärfen, haben Renate Knaut, Pädagogische Leiterin der Volkshochschule Rhön und Grabfeld, und Andreas Rottman, der die Museen in der Schranne leitet, das Projekt „jukuseum“ konzipiert. Die Angebotsstruktur des Museums hat sich derart verändert, dass beim Umbau des Museums nun die Bedürfnisse nach z. B. Aktionsräumen tatsächlich berücksichtigt werden.

Ganz klar hat auch der Bedarf nach kulturellen Angeboten für Kinder und Jugendliche etwas damit zu tun. Durch die Bündniszusammenarbeit ist dieser erst sichtbar geworden. Die Realschule Bad Königshofen wusste z. B., dass Jungen aus der neunten Klasse einen Hip Hop-Kurs machen wollen. Die Grabfeldschule hat sich wiederum gewünscht, dass die neu angekommenen geflüchteten Kinder und Jugendlichen beim Projekt mitmachen können. Neben den Kursen mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken, Theater-, Tanz- und Zirkusworkshops, gibt es für die sechs- bis 16-Jährigen im Projekt auch „eine Menge an Exkursionen, sei es das Lehmbauseminar in einem Freilandmuseum, dann eine Kinderstadtführung in Coburg, eine Theaterführung in Würzburg“, berichtet Andreas Rottmann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bad Königshofen ist eine Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Coburg, Meiningen, Erfurt und Würzburg mit ihrem Kulturangebot sind innerhalb einer Stunde erreichbar. Und auch Bad Königshofen selbst hat zwei Museen, ein Jugendzentrum und eine Volkshochschule. Trotzdem glauben vor allem die Jugendlichen: „Bei uns ist nichts los“. Deswegen ist es Andreas Rottmann besonders wichtig, „die Region an sich als Kulturregion mit vielen Bildungsmöglichkeiten darzustellen.“ Auch die Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten, z. B. beim nordbayerischen Kunsthandwerkermarkt, gehören zum Konzept. „Uns ist es ganz wichtig, den Kindern und Jugendlichen die Region als etwas Positives darzustellen. Da ist halt im ländlichen Bereich das größte Problem, dass das eigene Selbstvertrauen mitunter fehlt.“

Die Zielrichtung scheint zu stimmen: „Der Bedarf, die Nachfrage und die Resonanz sind enorm“, erklärt Renate Knaut. Und trotzdem hätte Andreas Rottman es gern, wenn die Schulen noch mehr beitragen. Obwohl es natürlich an Ideen für Angebote nicht mangelt, denn die sogenannte „Helfergruppe“ – meistens sind das Eltern von teilnehmenden Kindern – bringt immer etwas ein. Und das auch mehr und mehr je weiter das Projekt die Möglichkeiten aufzeigt. Allerdings seien die Angebote nicht wahllos, erzählt Andreas Rottmann. „Wir versuchen schon die einheimischen Kompetenzen zu nutzen. Auf einmal meldet sich z. B. jemand und sagt, ich kann dies und jenes und so sind wir in Kontakt zu Künstlern gekommen, die hochqualifiziert und hier aufs Land gezogen sind.“ Ehemalige Praktikanten/-innen oder Lehrer/-innen, z. B. vom Gymnasium, das gar kein Bündnispartner ist, engagieren sich ehrenamtlich im Projekt. Auch ein Stadtrat wirkt als Multiplikator und es gibt Kontakte zu weiteren Schulen in den umliegenden Städten. „Für diese Mitarbeit gibt es die unterschiedlichsten Motive. Bei uns ist es mit den Kontakten recht einfach. Das ist der Vorteil des platten Landes. Man kennt sich halt oder man lernt Leute über andere sehr einfach kennen, man begegnet sich auf der Straße, Dinge sprechen sich rum“, erklärt Renate Knaut.

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Neben all den positiven Entwicklungen hat es auch Skepsis dem Projekt gegenüber gegeben. Als Projekt für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche hatte es vor allem bei den „einheimischen Museumsgängern, die eher besser situiert sind“, sagt Andreas Rottmann, schnell den Ruf ausschließlich ein Zugangsort für Asylbewerber/-innen zu sein. Das wurde zum Teil nicht gutgeheißen. Diese negative Einstellung hätte sich sogar auf das Museum als Ganzes ausgewirkt, indem auch die Qualität der Arbeit in Frage gestellt worden sei. „Als der Vorwurf aufkam, haben wir uns hinterfragt und nochmal gezielt in die Teilnehmerlisten geschaut. Das ist aber eine schöne ausgewogene Mischung an Teilnehmenden. Dessen haben wir uns vergewissert“, berichtet Andreas Rottmann. Alle interessierten Kinder und Jugendlichen sollen schließlich mit ihren spezifischen Interessen durch niedrigschwellige Zugänge teilnehmen können.bi_2016_jukuseum_bad_koenigshofen_3_web

Renate Knaut ist auch überzeugt, dass ein Projekt wie „jukuseum“ vor allem für die sogenannten bildungsbenachteiligten Kinder und Jugendlichen ohne eine Förderung nicht funktionieren würde. „Wir können Kinder und Jugendliche frei von einer Kostenhürde ansprechen und können einfach hochwertige Angebote machen. Ich bin sicher, dass wir für diese Kinder, mit denen wir hier arbeiten, sonst keine Kalkulation hinbekommen würden.“ Wäre die Teilnahme am Projekt nicht kostenfrei, würden es sich die Eltern nicht leisten können, die Kinder könnten nicht teilnehmen und das Angebot und damit die Vernetzung der Bündnispartner und damit einhergehenden Entwicklungen würden nicht existieren.

 

Beginn: 11. November 2013
Förderzeitraum:  bis 10. August 2017
Fördersumme: 61.814,50 €

Bilder: Museen in der Schranne der Stadt Bad Königshofen