KinderKilombo Tanzprojekt

Sie alle schauen konzentriert auf ihr eigenes Spiegelbild an der gegenüberliegenden, mit Spiegeln verkleideten Wand in den Räumen einer Tanzschule in der Berliner Kulturbrauerei. Zwölf Jugendliche, alle um die 13 Jahre alt, versuchen eine Bewegungsabfolge zu Hip-Hop-Beats auszuführen. Die Tanzlehrerin Tjay zählt dazu laut und gibt Impulsbewegungen.

Alle Mädchen und Jungen tanzen hier im Rahmen des „KinderKilombo Tanzprojekts“ des Capoeira Angola e. V. in Berlin. Initiatorin Susanne Oesterreicher erklärt, warum sie das Projekt so genannt haben: „Kilombos waren in Brasilien Siedlungen von Schwarzen. Viele die vor der Sklaverei flohen, haben versucht eine freie Gemeinschaft aufzubauen. Dabei entstand Capoeira, eine Verteidigungskampfkunst ohne Waffen. Gemeinschaft und Bewegung zur Stärkung des Bewusstseins wollen wir in diesem Projekt für Jugendliche aus sozial benachteiligten Strukturen entfalten.“ Dabei soll nicht nur Capoeira, sondern auch afrikanischer Tanz und Streetdance entdeckt werden.  „Vor allem sollen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen, den Körper spüren und den Kopf freimachen“, Susanne Oesterreicher nickt bekräftigend zu diesen Worten. Schön sei außerdem, dass die Kinder und Jugendlichen nicht so große Berührungsängste hätten, da alle von ihnen schon vorher mit irgendeiner Form von Tanz in Berührung gekommen seien.

Im Frühjahr hat Capoeira Angola e.V. zusammen mit dem Migrantenverein Mamis en Movimento e. V. an der Kurt-Schwitters-Oberschule und der Gustav-Falke-Grundschule zum Einstieg Aktionstage veranstaltet. Oesterreicher betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Schulen und im speziellen mit einigen Lehrern/-innen ist, die das Projekt unterstützen und bei den Schülern bekannt machen. „Diese Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt sie. Der Weg direkt über begeisterte und engagierte Lehrer sei der beste. Nach den Aktionstagen haben sich in beiden Schulen Jugendliche gefunden, die nun regelmäßig an den wöchentlichen Trainings in der Kulturbrauerei teilnehmen. „Es ist schön zu sehen, wie hier Gruppen aus Jungs und Mädchen zusammenwachsen.“ Groß sei vor allem auch der Bezug zu den Tanzlehrern/-innen, die eine nicht zu unterschätzende Vorbildfunktion einnähmen.

Das große Ziel sind nach einem Jahr Training, nach einer Reihe von intensiven Workshops und Trainings, eine große Präsentation beim Sommerfest der Kulturbrauerei zum Kindertag. Durch die Öffentlichkeit hofft Susanne Oesterreicher die Idee bekannter zu machen, damit vielleicht noch mehr Schulen dafür gewonnen werden können. Bei den vielen weiteren Schulen, die sich Susanne Oesterreicher als Kooperationspartner wünscht, hofft sie auch auf integrative Schulen und kann sich eine Zusammenarbeit mit einer Gehörlosenschule gut vorstellen. Das Thema Inklusion gehört mit zu der Marke „Kinder Kilombo“, die sie etablieren möchte.

Beginn: 01. Juni 2013
Projektdauer: bis 30. Juni 2016
Fördersumme: 63.350 Euro