Kinderkunst und Stadtpflanzen

Brücken im Stadtraum

„Wir sind im letzten Jahr vom Leipziger Westen in den Osten umgezogen“, berichtet Ariane Jedlitschka, Verantwortliche für das Projekt „Kinderkunst und Stadtpflanzen“ beim Helden wider Willen e. V. Der Verein hat im Sommer 2014 begonnen, zwei verwaiste Häuser im Leipziger Osten zu sanieren und zu beleben. Neu im Stadtteil, aber schon erfahren in Bündniszusammenarbeit suchten sich Ariane Jedlitschka und ihre Mitstreiter/-innen neue Projektpartner, da die alten Bündnispartner im Leipziger Westen geblieben sind. Der Verein legt großen Wert auf ein gutes Netzwerk. Ariane Jedlitschka betont: „Ich denke, es geht auch gar nicht ohne. Ansonsten haben die Kinder vielleicht für einen kurzen Moment etwas davon. Aber um nachhaltig zu sein, sollen ja auch z. B. Eltern motiviert werden, eigene Projekte zu machen.“ Sie sieht den Verein als Seismographen des Stadtteils. Der Verein erkennt schnell die Probleme und Bedürfnisse vor Ort. Er ist aber eben auch auf die Strukturen vor Ort angewiesen. „Weil sonst unsere Arbeit verpufft. Durch den Austausch mit den Bündnispartnern können wir uns als kultureller Akteur professionalisieren“, freut sich Ariane Jedlitschka.

Zusammen mit der Kita Hildegardstraße und dem Stadtpflanzer e. V. bietet der Helden wider Willen e. V. für Kinder zwischen drei und sechs Jahren Urban Gardening-, Naturschutz- und Kunstprojekte an. So kann der Sozialraum gemeinsam als Kunst- und Naturraum entdeckt werden. Dass die Zusammenarbeit so zufriedenstellend ist, liegt an der Motivation, die bei allen Beteiligten gleich stark ist. Da ist sich Ariane Jedlitschka sicher. In einer früheren Kooperation mit einer Grundschule gab es Probleme, weil es keine Anerkennung für das Angebot gab und die hierarchischen Strukturen die Energie von außen im Keim erstickten. Das ist mit der Kita Hildegardstraße anders. Sie wurde erst im Mai 2015 eröffnet und ist ein Vorzeigeprojekt ihres Trägers. Ariane Jedlitschka berichtet: „Sie versuchen eine Best Practice hinzulegen, wie eine Kita sich gemeinsam mit Stadtteilakteuren für Bildung einsetzen kann. Auch in einem verrufenen Stadtteil. Die Kita sieht sich selber als Ort der Begegnung.“ Das sind gute Voraussetzungen und zeigt, dass es häufig die eigene Haltung ist, die ein Bündnis gelingen lässt: „Eigentlich versuchen wir alles zusammen zu machen und uns gegenseitig zu inspirieren. Wir gucken, was will die Kita, was wollen die Erzieher und was macht die Kita sowieso? Damit es etwas Einheitliches wird und nicht als etwas Fremdes wahrgenommen wird.“

Und klar, am Anfang gab es auch Schwierigkeiten. Ariane Jedlitschka nennt es, „in das Bündnis hineinkommen“. Alle Beteiligten hatten schon Projekterfahrungen und keiner hatte erwartet, dass alles so gut läuft. Alle hatten anfangs Stress. „Wie stellt man sich im Team auf, wer übernimmt was, wie spielt das ineinander? Bis wir verstanden haben, es gibt eine Struktur und keinen Grund für Druck und Stress“, erinnert sich Ariane Jedlitschka.

Jetzt ist es so, dass alle Erzieher/-innen, alle Eltern, Stadtpflanzer/-innen und viele mehr über das Projekt Bescheid wissen. In der Kita gibt es sogar eine verantwortliche Erzieherin, an die das Projekt langsam übergeben wird. Das gehört auch zum Konzept von Nachhaltigkeit: Die Zukunft hat Ariane Jedlitschka fest im Blick. Ihr ist es wichtig, dass das Bündnis dazu beiträgt, Brücken im Stadtraum zu schlagen. Dieses Selbstbewusstsein ist auch durch die Bündnisarbeit entstanden, betont sie: „Wir denken in größeren Zusammenhängen und trauen uns mehr zu.“ Gemeinsam mit der Kita und einer Grundschule in der Nähe, möchte sich der Verein Helden wider Willen auch dem Übergang zwischen Kita und Schule widmen. Ein Projekt Kultureller Bildung soll die jungen Bildungsbiografien konstant begleiten. Schwierig wird es, wenn die Förderung wegfallen würde, erklärt Ariane Jedlitschka: „Unser Verein bekommt oft nur Projektförderung und damit kann man keine Struktur aufbauen. Wenn wir aber alle Kinder und Jugendlichen – besonders benachteiligte – erreichen wollen und das nachhaltig, dann müssen wir uns an Strukturen angliedern.“ Sie empfindet die Zusammenarbeit von projektbezogen arbeitenden Vereinen mit strukturell geförderten Institutionen als unbedingt notwendig. Deshalb wurden ihre Projekte in „Künste öffnen Welten“ auch zu den wichtigsten Projekten für den Helden wider Willen e. V. So ein Förderprogramm bietet genau den Anlass sich zusammenzutun, den es eben braucht. Ariane Jedlitschka hofft, dass es die Bündnisförderungen weiterhin geben wird. Denn wenn diese wegfielen, wäre für den Zugang zu Kultureller Bildung für alle Bevölkerungsschichten nichts gewonnen.

 

Beginn: 07. Dezember 2015
Förderzeitraum:  bis 10. August 2017
Fördersumme: 25.040,00 €

Bilder: Helden wider Willen e. V.