KUNST. BRÜCKE. GÖLTZSCHTAL

Mehr Einsatz der Kommunen im ländlichen Raum

In Sachsen gibt es fünf verschiedene ländliche Kulturräume, die zur Erhaltung und Förderung kultureller Einrichtungen und Maßnahmen als Zweckverbände gebildet wurden. Die einzelnen Kulturräume bekommen als Kulturverwaltungen Gelder, die sie zur Förderung von Institutionen, wie Museen und Musikschulen, sowie für die Umsetzung eigener Förderprogramme nutzen können.

Seit 6 Jahren arbeitet Annett Geinitz für den Kulturraum Vogtland-Zwickau. Sie ist dort beauftragte Koordinatorin für Kulturelle Bildung. „Ich bin der Exot in der Verwaltung“, sagt Annett Geinitz, denn sie führt keine klassischen Verwaltungstätigkeiten aus. Eine ihrer Aufgaben ist die Netzwerkarbeit. Sie organisiert Informationsveranstaltungen zu Förderprogrammen und Antragstellung sowie Fortbildungsangebote. Sie bietet auch Einzelberatungen und Coachings für Projekte an, die Fördergelder im Bereich der Kulturellen Bildung beantragen möchten. „Künste öffnen Welten“ ist eines der Förderprogramme, zu denen sie informiert. Eine der Institutionen, die sie beraten hat, ist die Vogtland Kultur GmbH, die gleich mit zwei Projekten im Rahmen von „Künste öffnen Welten“ gefördert wird. Bündnispartner waren u. a. der Verein für vogtländische Geschichte, der Volks- und Landeskunde e. V. und die Talsperrenschule.

Ihr zweiter großer Arbeitsbereich ist die Entwicklung eigener Förderprogramme. Der Kulturraum Vogtland-Zwickau hat so bereits mehrere Modelle selbst entworfen und eine eigene Förderrichtlinie veröffentlicht.

Annett Geinitz sieht ein sehr großes Potenzial darin, dass sich immer mehr Akteure in ihrem Kulturraum zu einem Netzwerk zusammenschließen und sich auch dem Feld der Kulturellen Bildung annehmen. Allerdings fehle bei vielen oft noch das Selbstbewusstsein, sich als relevanter Akteur und als Teil der Bildungslandschaft vor Ort zu begreifen.

Von Seiten der Bildungs- und Kultureinrichtungen gibt es häufig Bedenken, was Kooperationen mit anderen Partnern betrifft. „Der Mangel an Personal und Geldern führt dazu, dass einzelne Institutionen anfangs gar keine richtigen Kooperationspartner sein können, da sie viel zu sehr mit sich selbst und diesem Mangel beschäftigt sind. Sie sehen nur den Aufwand“, erzählt Annett Geinitz. „Meiner Erfahrung nach ändern sie ihre Meinung aber oft im Nachhinein und erkennen dann auch den Mehrwert, den so eine Kooperation mit sich bringt.“

Herausforderungen für die Kinder und Jugendlichen* Angebote Kultureller Bildung wahrzunehmen sind, wie auch in anderen ländlichen Regionen, Mobilität und Erreichbarkeit und die damit verbundenen Kosten und der Zeitaufwand. Annett Geinitz findet, dass die Angebote eher ortsgebunden stattfinden sollten oder so konzipiert sein müssen, dass sie in der Fläche zugänglich sind – beispielsweise dadurch, dass nicht nur Schulklassen, diejenigen sind, die Museen besuchen, sondern – andersherum – auch Museen ein museales Angebot entwickeln, mit dem die Schüler*innen im Unterricht selbstständig weiterarbeiten können. Mit zehn Museen aus dem Kulturraum arbeitet sie seit drei Jahren dazu im Modellprogramm „Museum trifft Schule“. Wichtig ist für sie auch die Einbindung von freiberuflichen Künstler*innen. Diese wären im ländlichen Raum viel breiter vertreten als kulturelle Institutionen und hätten oft großes Interesse an der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen*.

Bei ihrer Beratungstätigkeit zu Förderprogrammen fällt ihr besonders auf, dass viele Antragsteller überfordert sind mit der Antragstellung, Verwaltung und auch Abrechnung der Projekte. „Das würde ich mir anders wünschen“, so Annett Geinitz. „Es ist traurig, dass von einem Künstler, der keine Ausbildung oder Erfahrung im Verwaltungsbereich hat, erwartet wird, dass er das können muss. Da muss der Prozess einfacher werden.“ Innerhalb der selbst entwickelten Kleinprojektförderung konnte der Kulturraum Vogtland-Zwickau das bereits umsetzen. Die Beantragung ist einfach gehalten und Anträge können das ganze Jahr über eingereicht werden.

Annett Geinitz fällt im Kontakt mit den einzelnen Kommunen auf, dass diese oftmals mit dem Begriff der Bildungslandschaft überhaupt nichts anfangen können. „Wenn ich in den Kommunen bin, dann geht es entweder nur um Schule oder es geht nur um einen anderen Bereich, aber eine Bündelung gibt es da kaum“, erklärt sie. Ihrer Meinung nach sollte es die Aufgabe der Kommune sein, sich hier aktiv einzubringen und die Rolle der Koordinierung einzelner Prozesse und Kooperationen zu übernehmen. Mittlerweile würden zwar ab und zu auch Kommunen als Antragsteller auftreten, das sei aber im Moment noch die Ausnahme.

Die Kommunen könnten, so Anett Geinitz, auch durch die Länder angeregt werden, sich mit dem Thema Bildungslandschaft zu beschäftigen, beispielweise durch Qualifizierungsangebote oder ein kleines Budget, das ermöglicht, eine Person einzustellen, die sich intensiver damit beschäftigt. „Das ist gut investiertes Geld“, findet Annett Geinitz und hofft, dass das nach und nach auch in den Kommunen ankommt.

Beginn: 1. November 2014
Förderzeitraum: bis 10. August 2017
Fördersumme: 39.878,50 Euro

Bilder: Regina Blechschmidt „Jeder Kita einen Künstler“; Museum Burg Mylau „Museum trifft Schule“