Kunst verbindet – aber WIE!

Ein Miteinander durch die Kunst

Sich vernetzen, eine neue, lokale und generationsübergreifende Gemeinschaft schaffen. Das ist leichter gesagt als getan und doch ist es der Kunstschule der Stadt Filderstadt mit ihrem Projekt „Kunst verbindet – aber WIE!“ in den letzten drei Jahren gelungen.

Als 2013 beschlossen wurde, ein neues Begegnungs- und Bildungszentrum im Stadtteil Sielmingen einzurichten, war für die Mitarbeiter/-innen der Kunstschule schnell klar, dass sie sich daran beteiligen und dort auch einen Ort für Kinder und Jugendliche aus bildungsbenachteiligenden Lebenslagen schaffen möchten. Durch „Künste öffnen Welten“ sahen sie die Möglichkeit ein regelmäßiges und längerfristiges Angebot auf die Beine zu stellen. Die Suche nach passenden Bündnispartnern aus dem gleichen Stadtteil gestaltete sich einfach. Die Wielandschule beispielsweise liegt auf dem gleichen Gelände, die flexible Nachmittagsbetreuung im gleichen Haus. „Es hat sich im Grunde genommen aufgedrängt“, erläutert Barbara Grupp, Leiterin des Kinder- und Jugendbereiches der Kunstschule. Und alle ließen sich schnell für die Zusammenarbeit begeistern.

Die Angebote innerhalb des Projekts sind sehr vielfältig. Beim intergenerationellen Angebot kommen einmal in der Woche die Kinder des Auerbachkindergartens und Senioren/-innen aus Sielmingen in das Bildungs- und Begegnungszentrum „Das WIE“, um zusammen künstlerisch zu arbeiten. Sie malen, drucken, plastizieren und gestalten gemeinsam. „Das Schöne daran“, findet Barbara Grupp, „ist, dass die Kinder und die Älteren sich gegenseitig genießen. Dass man ganz viel Zeit hat, künstlerisch miteinander zu arbeiten, miteinander zu spielen, miteinander zu sprechen, Tee zu trinken, Lieder zu singen, Aufführungen zu machen, an Ausstellungen teil zu nehmen. Da entsteht im Ort eine Gemeinschaft, die es vorher nicht gab.“

An der Pestalozzischule, ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, können Schülerinnen und Schüler zusammen mit einem Künstler planen, wie sie ihren Schulhof gestalten wollen und das dann umsetzen. „Zuerst haben sie sich riesige Böcke gebaut, auf denen dann gebildhauert wurde“, erzählt Barbara Grupp, „dann haben sie Sandsteine bearbeitet, betoniert, Bretter zugesägt und eine Terrasse gebaut. Was die da gelernt haben in den drei Jahren ist unglaublich“.

Die Schülerinnen und Schüler der Pestalozzischule sind von dieser Arbeit begeistert, trotzdem ist es schwierig sie zu motivieren, auch an Angeboten außerhalb der Schule teilzunehmen. Barbara Grupp nutzt die Sommerfeste der Schule, um mit den Eltern der Kinder zu sprechen. Es sind aber nur wenige, die dann auch ins Bildungs- und Begegnungszentrum kommen, um auch bei den anderen Projektbausteinen mitzumachen. Der Weg zu den Kindern führt oft über die Eltern, da ist sich Barbara Grupp sicher und so versucht sie mit Angeboten, wie dem internationalen Frühstück im Café des Familienzentrums, auch die Familien der Kinder mit einzubeziehen. Beim Essen kommen Eltern und Kinder ins Gespräch und nach dem Frühstück können sie zusammen mit Ton arbeiten. Auch das gemeinsame Aufräumen gehört mit dazu.

Nach und nach kommen doch noch einzelne Kinder der Pestalozzischule in „Das WIE“ und die Kunstschule. Kati beispielsweise besucht bei jedem Ferienprogramm ein Nähangebot. Und die Lehrer/-innen können sich ein Schuljahr ohne die Zusammenarbeit mit der Kunstschule kaum noch vorstellen.

Dass sich das Projekt so positiv entwickelt hat, liegt auch an der guten Zusammenarbeit der Bündnispartner. Probleme zwischen den einzelnen Partnern gibt es kaum. Und falls doch, lässt sich vieles informell regeln. Der Stadtteil ist klein, man kennt sich und begegnet sich oft. Ein Kindergarten ist allerdings seit einem Jahr nicht mehr mit dabei. „Denen war das zu viel Arbeit“, so Barbara Grupp. Alle anderen seien glücklich über die Kooperation. Vor allem die Künstler der Filder – ein Zusammenschluss aus 70 Künstler/-innen der Region – seien sehr angetan von dem Projekt und würden sich bemühen die Schüler/-innen immer wieder für Ausstellungen in der städtischen Galerie zu begeistern. Und einzelne Pädagogen/-innen initiieren sogar mittlerweile, durch die Mitarbeit bei „Kunst verbindet – aber WIE!“ motiviert, eigene kleine Projekte für die Kinder. Einen Theaterabend beispielsweise, der auch von Familien besucht wurde, die vorher noch nie ein Theaterstück gesehen hatten und es „klasse“ fanden.

 

Beginn: 09. September 2013
Förderzeitraum:  bis 10. August 2017
Fördersumme: 54.027,50 €

Bilder: Kunstschule der Stadt Filderstadt