KunstKlub Ziepel

KunstKlub ZIepelEs sind die Künstler

Ein Dorf in Sachsen-Anhalt, die Familien untereinander kennen sich. Eine scheinbar selbst genügsame, homogene Region. Seit zwei Jahren gehört für viele der ansässigen Kinder und Jugendlichen auch Musical, Videodreh oder Bildhauerei zu ihrem Alltag, denn sie besuchen den Kunst-Klub Ziepel. Verschiedene Kunstsparten lernen sie kennen, probieren sich darin aus und sehen, was mit Kunst und Kultur alles möglich ist. Von der Erfahrung sich selbst zu präsentieren und Applaus zu erhalten bis hin zur beruflichen Orientierung, gibt es viel zu entdecken.

Es sind auch die Künstler/-innen, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen auseinandersetzen. Zum Beispiel gibt es Francesco, der Percussionist ist und ursprünglich aus Kuba kommt, und natürlich andere Künstler/-innen mit verschiedenen Lebensentwürfen und -hintergründen, die im sachsen-anhaltinischen ländlichen Raum wenig anzutreffen sind. Für Christian Scharf, der die Fäden des Projekts in der Hand hält, ist das eine der spannendsten Auseinandersetzungen: „Und wenn man dann nun jemanden hat, wie den Künstler oder jemanden, der Musik macht oder der Theater spielt und nun ein völlig anderer Mensch ist, der andere Werte hat, können auch andere Vorbilder geschaffen werden. Denn nicht nur der Automechaniker von nebenan ist ein Vorbild.“

Auch für die Kita „Ziepeler Spatzen“ seien die Künstler/-innen ein Vorbild, denn sie haben die Mitarbeiterin methodisch bereichert. In den Austauschrunden der Bündnispartner hat Christian Scharf erfahren, dass sie für ihre eigene Arbeit in der Kita es interessant fand, „wie die Künstler mit den Kindern umgegangen sind, was sie da mit dem Zirkus gemacht haben oder wie sie mit den Kostümen beim Musical gearbeitet haben.“

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Bisher gab es nur wenige Aktivitäten für jungen Ziepeler und die waren von Erwachsenen geplant. Der Kunst-Klub ist aber zu einer Institution für die Kinder und Jugendlichen geworden, zu ihrem Ort. Hier besprechen sie ihre Wünsche und entscheiden gemeinsam mit den Erwachsenen. Sie selbst sagen, womit sie sich beschäftigen wollen. Christian Scharf beobachtet, „dass die Kinder reifer geworden sind, dass sie sich einen Horizont eröffnet haben, dass sie für sich auch andere Möglichkeiten sehen als noch vorher.“ Dadurch wachse auch der Wunsch mehr mitzutragen, selber zu entscheiden. Aushandlungsprozesse gehören dann natürlich auch dazu: „Und da haben sie gesagt, ok, wir wollen ein bisschen was mit Rhythmus machen zur Auflockerung und wir wollen aber auch unbedingt Video – dann gab es lange Streit, ob Stop-Motion-Video oder Spielfilm – das hat lange gedauert bis sie sich geeinigt haben.“ Für Christian Scharf ist klar, dass deswegen das Konzept des Projektes stetig überprüft und nachjustiert werden muss: „Von den Sparten abhängig, muss man auch das Angebotsformat machen, wie reagieren die Kinder darauf, was ist auch praktisch, wann haben die Zeit, wann verändert sich was, wie kriege ich auch die Referenten günstig her, dass ich das ökonomisch auch richtig gestalte.“

Dass, was sich das Dorf vom Kunst-Klub erhofft, tritt tatsächlich ein: das Dorfleben wird bunter. Eine anfängliche Skepsis, wofür man die Kunst bräuchte, sei weithin spürbar gewesen. Doch die Begeisterung der Kinder ist übergeschwappt. Die Eltern bringen eigene Ideen ein, machen Besorgungen und helfen handwerklich aus. Die Kinder kümmern sich selbst um eine Tischtennisplatte für das Dorf, verkaufen dafür ihr Spielzeug beim Dorffest, bereichern das Kulturangebot der Feste und der Sportverein steuert Ausrüstung wie Bänke bei. Für Christian Scharf ist es ein tolles Ergebnis, „dass es da Anerkennung gibt im Dorf, nicht Neid. Dass das nicht nur der Kunst-Klub ist, sondern Menschen in den letzten drei Jahren irgendwie engagierter werden, ist mein Gefühl. Das sagt aber auch der Bürgermeister.“

Das Engagement und Einstehen der Kinder und Jugendlichen für die eigenen Bedürfnisse bewegt auch den Sportverein als Bündnispartner, der sich bisher eher auf das Fußballspiel seiner Herrenmannschaften konzentrierte. Jetzt will der Sportverein die Kinder und Jugendlichen besser einbinden. Eine neue Tischtennisplatte und ein Volleyball-Platz sind erste Schritte in diese Richtung. Für Christian Scharf gehöre aber auch dazu, sich darüber klar zu sein, „dass die Kinder sich auch verändern und dass man eben nicht sagen kann, ab 14 wollen sie eh nur noch ein Moped und eine Freundin, sondern dass man sie auch erreichen kann mit Angeboten.“

Beginn: 13. Juli 2013
Förderzeitraum: 12. Juli 2016
Fördersumme: 33.960 Euro

Bilder: Christian Scharf, Fred Schröder