Mittelfränkisches Jugendgospelprojekt

Mittelfränkischer Gospelchor (Bilder: Daniela Flachenecker)Musik ist ein gutes Sprachrohr und Musik ist etwas, das Jugendliche anspricht und begeistern kann, weiß Daniela Flachenecker, Projektleiterin des Mittelfränkischen Jugendgospelprojekts und gesellschaftspolitische Referentin der Evangelischen Jugend Nürnberg aus Erfahrung. Über die Musik hätten sie wieder Lust sich mit Politik und Gesellschaft zu beschäftigen und da liege thematisch der klassische Gospel nicht fern. Außerdem gab es viele Mädchen aus früheren Projekten, die sich regelmäßige Angebote wünschten. Dadurch und durch die Möglichkeit über „Künste öffnen Welten“ langfristig ein Projekt zu fördern, entstand ein Gospelchor für Mädchen, der sich seit Herbst 2013 jeden Sonntag zum Proben im Nürnberger Nordosten trifft.

„Wir nehmen Musik, auch um das Selbstbewusstsein aufzubauen. In dem Alter sind Jungs sehr oft vorpreschend und die Mädchen sind gehemmter beim Vorsingen und beim Agieren in der Gruppe“, erklärt Daniela Flachenecker die Entscheidung, nur Mädchen in Alter von 13 bis 18 aufzunehmen. Diese scheint sich zu lohnen. Bereits nach einem knappen Jahr gibt es ein festes Gruppengefühl. „Es herrscht eine sehr offene Stimmung. Wenn man dabei ist, merkt man, wie es allen geht und alle trällern vor sich hin oder pfeifen, das ist ja ein Zeichen, dass sich alle sehr sicher fühlen“, beschreibt sie die Zeit vor den Proben. Die knapp 20 Mädchen fanden den Weg zum Gospelprojekt je zur Hälfte aus früheren Projekten der Evangelischen Jugend Nürnberg und aus der Konrad-Groß-Mittelschule. „Sie kommen von der Hauptschule und vom Gymnasium. Wir haben Heimkinder dabei und ehemalige Flüchtlingskinder und auch Kinder aus Mittelstandsfamilien, viele aus Patchworkverhältnissen. Wir sind sozial, national und religiös sehr gemischt und das Besondere der Gruppe ist – da haben wir viel Glück und als Leitung nicht viel mit zu schaffen – dass die Unterschiede als etwas sehr Bereicherndes empfunden werden.“

Wichtig für gelingende Inklusion sind aber nicht nur Offenheit und niedrigschwellige Angebote: „Diversität braucht trotzdem immer die eine Sache, die alle verbindet“, betont Daniela Flachenecker. In diesem Zusammenhang stehen auch Teilhabe und Gestaltungsfreiräume. Die Entscheidung der Gruppe ist das wichtigste. Der Rahmen des Projekts ist vorgegeben, aber die Ausgestaltung liegt in den Händen der Gruppe. Das wird besonders bei den kulturellen Ausflügen, die Teil des Projekts sind, deutlich. So hat die Gruppe gemeinsam beschlossen nach Dresden zum Dixieland Festival zu fahren und sie erkunden gemeinsam die Kulturlandschaft rund um Nürnberg. Das funktioniert aber auch nur, wenn die Mittler/-innen den inklusiv partizipativen Ansatz vorleben: „Wichtig ist für uns immer darauf zu schauen und allen, auch uns, bewusst zu machen, dass die Menschen so unterschiedlich sind und dass jeder mit seinem unterschiedlichen Tun und Können Wertschätzung und Respekt verdient. Das lasse ich immer wieder einfließen und lebe es vor“.

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Diese Wertschätzung vermissen die Mädchen an anderer Stelle in ihrem Leben oft. „Es ist nicht alltäglich, dass sich Erwachsene für ihre Belange interessieren und auch mal loben und sagen, was sie gut können und das ist unabhängig von der Bildungsschicht. Erwachsene geben eher negatives Feedback“, stellt Daniela Flachenecker fest. Sie bestätigt, dass ein großer Teil der Arbeit im Projekt auch Elternarbeit ist. Viele sähen den Chor als Belohnung und verböten ihn bei schlechten Schulnoten. Hier sei auch der funktionierende Kontakt zur Schule wichtig, um aus anderer Perspektive zu erfahren, wo es brenne. An verschiedenen Stellen im Projekt sind auch immer wieder Männer involviert. Das erachtet Daniela Flachenecker für nicht notwendig, aber für sinnvoll, da es vielen Mädchen im familiären Kontext an männlichen Bezugspersonen und Vorbildern fehle, stellt sie fest. Den engsten Kontakt zu den Mädchen hat die Chorleiterin. Sie ist zu einer engen Bezugsperson geworden und rutsche manchmal zu sehr in eine Mutterrolle, meint die Projektleiterin.

So ist in dem ersten Jahr des Projekts überraschend viel passiert. Die „innere Grundhaltung – ich kann was, ich bin was“ hat sich schon verändert. „Das ist mit Sicherheit auch den vielen kleinen Auftritten, die wir seit Weihnachten hatten, zu verdanken“, sagt Daniela Flachenecker, denn die Resonanz der Öffentlichkeit zählt besonders viel.

 

Beginn: 11. November 2013
Förderzeitraum: bis 30. Juni 2016
Fördersumme: 36.000 Euro

Bilder: Evangelische Jugend Nürnberg