Moabees

Moabees im Schulgarten„Moabit ist ein vielfältiger, innerstädtischer Bezirk in einer großen Stadt. Hier hat vor ca. einem Jahr ein interessanter doppelter Prozess begonnen: Gentrifizierung zum einen und soziale Probleme durch z. B. einen erhöhten Zuzug von Roma zum anderen. Einerseits ziehen hier die Studenten und Familien her und Häuser werden auf einmal gekauft und andererseits gibt es hier immer häufiger Kinder, die eingeschult werden und die kein Deutsch können. Die Eltern auch nicht, man weiß nicht, woher sie Geld bekommen, denn es herrscht ein großes Misstrauen gegenüber den Behörden. Es gibt noch andere Probleme, aber das sind im Moment die akutesten“, sagt Bärbel Rothhaar, Projektleiterin beim Verein KUNSTrePUBLIK. Sie lebt schon 25 Jahre in Moabit, einem Teil des Bezirks Berlin-Mitte.

„Bei der Zielgruppe ist besonders wichtig, dass es ein niedrigschwelliges Angebot ist, das die Familien der Kinder mit einbindet“, betont Bärbel Rothhaar. Da bietet sich ein kulturtechnisches Thema an. Bienen und Honig sind interkulturell und in der Auseinandersetzung mit diesem biologischen Thema verschwimmen auch kulturelle Unterschiede. Bärbel Rothhaar ist es aber wichtig, dass „Moabees“ nicht nur als Imkerworkshop verstanden wird. Sie ist bildende Künstlerin und hat die Architektin Katja Marie Vogt und die Kunstwissenschaftlerin Elisa Dierson über das gemeinsame Interesse an Bienen kennengelernt und mit ihnen „Moabees“ entwickelt. Aber es geht nicht nur um die reine Imkerei, Bienen werden vielmehr als Brücke zwischen Naturwissenschaft, Imkerei als Kulturtechnik und Kunst betrachtet. In den Workshops werden beispielsweise Waben nachgebaut, Siebdrucke von Bienen gemacht oder Bienen mikroskopiert und gezeichnet. Eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Insekt Biene soll die Sinne für die Umgebung schärfen, die häufig vorhandene Angst vor Insekten nehmen, für Ökosysteme in der Stadt sensibilisieren und anregen die Natur als Inspiration für Technik und Kunst wahrzunehmen. Zur Einstimmung fanden noch vor Projektbeginn im Oktober im Sommer 2013 Informationsveranstaltungen und Honigpicknicks statt, im Winter stehen Besuche im Bienenmuseum und die kreative Auseinandersetzung mit dem Insekt an, um dann ab dem Frühjahr aktiv mit dem Imkern zu beginnen. L1010649

Viel Aufmerksamkeit hat „Moabees“ durch einen Stand beim Erntedankfest des Schulgartens Moabit und einen Artikel in einer kostenlosen Wochenzeitung erhalten. Glück haben die Projektleiterinnen auch mit den formalen Bildungsorten. Die Schulen und die drei Kitas haben Erfahrung mit den drei bis zwölfjährigen Kindern aus Moabit und kennen die Wege zu den Eltern. Ihr Interesse soll durch die Workshops der Kinder geweckt und in den folgenden Jahren durch Familienangebote vertieft werden.

Auf dem gesamten Gebiet von Moabit, knapp 8 km², sind die Bündnispartner des „Künste öffnen Welten“-Projekts „Moabees“ verteilt. Antragsteller ist das Zentrum für Kunst und Urbanistik des KUNSTrePUBLIK e. V. in Zusammenarbeit mit dem Moabiter Ratschlag e. V. Der sozialräumliche Partner des Bündnisses stellt vor allem seinen Schulgarten und den Otto-Spielplatz als Projektorte zur Verfügung. Des Weiteren steht dem Bündnis die Kulturfabrik (mit der Bildungswerkstatt in einer alten Remise) zur Seite. Formaler Bildungsort sind die Carl-Bolle- Grundschule und die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule. Durch den Bildungsverbund Moabit und die Pädagogische Werkstatt gibt es außerdem eine Zusammenarbeit mit drei Kitas.

Beginn: 01. Oktober 2013
Förderzeitraum: bis 10. August 2016
Fördersumme: bei aktueller Laufzeit 57.210 Euro

Bilder: KUNSTrePUBLIK e. V.