PINX öffnet Welten – Eine Kunstschule für Alle

PINX - Eine Kunstschule für AlleJeden Mittwochnachmittag öffnen sich die Türen der Kunstschule PINX. Der Tisch ist gedeckt, die Brote sind geschmiert und die Gurken geschnitten. „Alle sollen sich willkommen geheißen fühlen“, betont Hildegart Strutz, Projektleiterin von „PINX öffnet Welten – eine Kunstschule für Alle“. „Dann packen alle ihre Ranzen in die Ecke oder sind erstmal sauer wegen irgendetwas und dann kommen sie langsam an, setzen sich hin und wenn mindestens die Hälfte da ist, dann fangen wir an, gemeinsam zu essen.“ Denn gemeinsam Essen gehört für Hildegart Strutz auch zur Kulturellen Bildung und ist etwas, was viele Kinder und Jugendliche nicht kennen. Dieses Ritual ist der Auftakt des wöchentlichen „Offenen Ateliers“, dem Herzstück des Projekts. Nach dem Essen wird jede Woche neu entschieden, wer was arbeiten möchte. Im „Offenen Atelier“ ist von Malerei über Bildhauerei bis zur Entwicklung und Umsetzung eines Stop-Motion-Films alles möglich. Hildegard Strutz ist es wichtig, dass es einen unabhängigen Raum, außerhalb von Schule und Zuhause, gibt, in dem sich die Kinder sicher fühlen und ernst genommen werden.

„Wir wollen Kinder aus, wie sagt man heute, bildungsbenachteiligenden sozialen Umständen in ihrer Bildung und auch kulturellen Bildung unterstützen, ihnen Angebote machen und ihnen die Chance geben, sich dafür oder auch dagegen zu entscheiden“, sagt Hildegard Strutz und beschreibt die große Heterogenität im Projekt: Im Durchschnitt kommen 20 Kinder und Jugendliche, die über die Bündnisschulen, das Kinderheim oder über die Kunstschule und die Einstiegsangebote davon erfahren haben. Die meisten sind Förderschüler und ein paar Gymnasiasten kommen, weil sie die Atmosphäre mögen. Auch die Altersstruktur ist heterogener als geplant. „Eigentlich war das Projekt für Kinder ab 10 Jahren, aber dann stand ein Kleiner sehnsüchtig am Zaun vor der Kunstschule und wartete darauf in die fünfte Klasse zu kommen“, erinnert sich Hildegard Strutz. „Dann habe ich gesagt, los komm rein.“ Seither sind auch viele jüngere Kinder dabei.

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Stolz resümiert Hildegard Strutz: „Wir haben die Vielfalt erreicht, die wir wollen. Wir haben unsere Zielgruppe mit den Förderschülern erreicht und gebunden und wir haben aber auch die Gymnasiasten erreicht und beide haben damit die Chance ergriffen, zu sehen, dass die anderen nicht komisch und doof sind – wie sie sagen würden. Sie erleben die Vielfalt direkt und mit persönlichen Kontakten.“ Thematisiert wird die Heterogenität nicht, nur drei Regeln bilden den Rahmen für das Miteinander: Erstens darf man kein Kunstwerk von jemand anderem zerstören, zweitens darf man nichts Schlechtes über ein anders Kunstwerk sagen und drittens darf man niemanden beschimpfen oder schlagen. Diese Regeln umrahmen für die Projektleiterinnen Heike Runge und Hildegard Strutz die Toleranz, die hier von jedem und jeder gefordert wird. Bis jetzt wurde nicht dagegen verstoßen.

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Zusätzlich zum wöchentlichen Angebot gibt es Erkundungsangebote. Schulklassen aus den Bündnisschulen werden für kleine Projekte in die Kunstschule eingeladen, aber auch Ausflüge zu einem Landartprojekt oder ein Ausflug in den Kunstverein in Hannover gehören dazu. „Da haben wir eine Einladung an alle Eltern der Kinder aus dem „Offenen Atelier“ geschrieben und es waren dann auch fast alle Kinder dabei. Mit dem Zug hin und dann ins Museum, Weihnachtsmarkt und mit dem Zug zurück. Es waren Kinder dabei, die noch nie mit dem Zug gefahren sind und die meisten waren noch nie in einem Museum. Das war sehr spannend“, berichtet Hildegard Strutz. Eine Besonderheit des Ausflugs war auch, dass hier die Anerkennung der Eltern deutlich wurde. Sie hatten vorher ihren Kindern ihr Einverständnis gegeben und viele holten ihre Kinder nach dem Ausflug selber ab.

Das zeigt, dass die Kinder viel erzählen und es schaffen, den so oft uninteressierten Eltern klar zu machen, dass ihnen das Projekt wichtig ist. Das sei aber auch ein Resultat der guten Zusammenarbeit im Bündnis mit den Lehrern und Sozialpädagogen. Das Verständnis und die Wertschätzung für die jeweilige Arbeit musste sich aber auch erst entwickeln, sei aber grundlegend für das nachhaltige Gelingen des Projektes. Wichtig sei es eine eigene Haltung gegenüber dem Projekt zu entwickeln, denn nur so könne Kultur und Kunst authentisch vermittelt werden. Daraus resultiere allerdings auch die starke Personenbindung, die Hildegard Strutz zwar kritisch hinterfragt, die sie aber bis jetzt in jedem Projekt der Kulturellen Bildung beobachtet hat.

 

Beginn: 01. Mai 2013
Förderzeitraum: bis 01. August 2016
Fördersumme: bei aktueller Laufzeit 38.748 Euro

Bilder: Kunstschule PINX