Porta Nigra – Porta Colorata

„Von hier kann etwas ausgehen, das spannend ist“

Trier Nord ist ein Vorzeigestadtteil und doch kein Vorzeigestadtteil. Die Häuser sollten einst abgerissen werden, die bisherigen Bewohner/-innen ausziehen, um Raum für ein anderes Klientel in schönen Stadtrandhäusern zu schaffen. Das ist 25 Jahre her. Aber: Eine Wohnungsgenossenschaft wurde gegründet und die Bewohner/-innen sind geblieben, eine Quartiersmanagerin wurde eingestellt und ein sehr gut vernetzter Stadtteil entwickelte sich, in dem transcultur e. V., ein Zusammenschluss freischaffender Künstler/-innen, Projekte Kultureller Bildung implementiert.

Der Verein engagiert sich seit vielen Jahren  mit künstlerisch-kreativen Impulsen in Trier Nord. Man kennt sich. „Wir haben uns damals bewusst für den Stadtteil entschieden, auch als Sitz, weil in diesem Stadtteil eine ganzheitliche Entwicklung stattfand. Das hat mich so begeistert, dass ich gesagt habe, ich will nicht in die Hochburg der Kultur, nicht in die Hochburg der Jugend, sondern nach Trier-Nord, weil sich dort sehr viel bewegt“, schwärmt Jean-Martin Solt, der das Projekt „Porta Nigra – Porta Colorata“ leitet. Dieser Stadtteil sei so gut vernetzt und das Selbstwertgefühl der Menschen gestärkt, dass von hier aus etwas ausgehen kann. Und zwar ein Projekt von, für und mit Kindern und Jugendlichen aus den sozialen Brennpunkten der Stadt: aus Trier-Nord, Trier-West und von „Am Weidengraben“. An diesen drei Standorten entwerfen und gestalten die dort lebenden Kinder und Jugendlichen nach ihren Vorstellungen jeweils ein Stadttor – aus Holz, Zement oder Mosaik und Stein –, die zusammen symbolisch und durch Schilder auch konkret sichtbar mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Porta Nigra, im Zentrum Triers verbunden werden. Ein Symbol für die Vernetzung in der Stadt, für das Sichtbarwerden der Menschen aus den sozialen Brennpunkten in der Stadtmitte und dafür, dass in den Stadtteilen gute, spannende Dinge passieren und kulturelle Bildungsprojekte existieren.

Das Projekt „Porta Nigra–Porta Colorata“ ist für den in Bildungsprojekten etablierten transcultur e. V. und seine Kooperationspartner trotzdem noch eine Herausforderung. Zum einen organisatorisch, weil das Aufstellen von gestalteten Toren von der Stadt genehmigt werden muss und damit viele Formalia verbunden sind, zum anderen pädagogisch-konzeptionell, weil im Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ eine bestimmte Anzahl von Kindern und Jugendlichen dauerhaft im Projekt beteiligt sein sollte. Das ist ein Knackpunkt: „Die Kommunikation ist für uns immer ein ganz großes Problem, weil sogar Jugendliche, die man morgens noch sieht und die sagen ‚ja, ich komme‘, es bis zum Nachmittag vergessen. Die Eltern planen nicht langfristig, und auch die Kinder leben stark in den Tag. Die sind dann total enttäuscht oder auch verärgert, wenn sie den Kurs verpassen.“ Um solche Dinge zu lösen, hat es mehr Absprachen als üblich gebraucht: „Es gibt kaum ein Projekt, bei dem ich mit meinen Partnern so oft und so viel Zeit mit Gesprächen über das Projekt und notwendige Änderungen verbracht habe. Das ist nochmal eine andere Qualität, auch im positiven Sinne“, erklärt Jean-Martin Solt. Er ist derjenige, der den gesamten Überblick haben muss – auch, was die Auflagen der Stadt betrifft. Die Bündnispartner geben ihm dabei einen starken Rückhalt und das auf gesamtorganisatorischer Seite – mehr „als die Künstler/innen, die die Formalitäten eher als störend empfinden. Die sind mehr mit den Kindern und mehr mit den künstlerischen Arbeiten beschäftigt, das ist ja klar. Die Formalia, wie man das Vorhaben in den Stadtteil einbinden und wo man das Tor hinstellen kann, wo die Symbolik hergestellt werden kann – das sind Sachen, die ich mit den Bündnispartnern bespreche.“

Die Schule ist außerdem ein unverzichtbarer Partner, denn sie schafft den Zugang zu den Kindern und damit zu den Eltern. Auch die Ausstellungen des Projekts finden hier statt, denn diesen Ort kennen alle, es ist leicht für Eltern dort hinzukommen. Jean-Martin Solt ist überzeugt von der Wirkung des Projekts auf die Eltern: „Zumindest über die Kinder haben wir es geschafft, den Eltern die Angst zu nehmen, dass Kunst etwas ist, das sie nicht können, sondern dass Kunst etwas ist, wo sie etwas zu sagen haben oder worauf sie auch stolz sein können.“ Dazu trage die Schule viel bei, so Jean-Martin Solt, denn „dadurch, dass sie als Partnerin aktiv mit dabei ist und das auch offiziell vertritt, schafft sie Vertrauen. Das würden wir so als freier Träger nicht im selben Maß so schnell schaffen. Die Schule bringt das mit: Kontakte und das Vertrauen.“

Die Quartiersmanagerin ihrerseits sei ein weiterer zentraler Punkt im Projekt, denn „sie hat alle Fäden in der Hand, weiß, wo welche Veranstaltungen und welche Problematiken sind. Im Stadtteil läuft wenig, ohne dass die Quartiersmanagerin informiert oder involviert ist.“ Sie kann auch bei der Suche nach einem Schrotthändler im Stadtteil unterstützen, der bei Bedarf beim Materialtransport behilflich sein kann. Denn bevor externe Firmen beauftragt werden, liegt es für Jean-Martin Solt nahe, die Potenziale im Stadtteil zu nutzen. Und nicht nur das. So werden weitere Menschen in das Projekt einbezogen, „dann gibt es nochmal einen anderen Zugang, eine andere Identifikation.“ Jede einbezogene Person wird Teil des Projektnetzes. Alles entsteht vor Ort, nichts kommt von außen. Aber das Projekt wirkt nach außen und zeigt, dass hier – genau in
diesen Stadtteilen – etwas Spannendes passiert.

 

Beginn: 11. Februar 2014
Förderzeitraum:  bis 10. Februar 2017
Fördersumme: 67.290,00 €

Bilder: transcultur e. V.