Radial Musik

Jugendfunkhaus BerlinEs geht nicht darum, den Lehrern zu sagen, was besser zu machen ist.

Erst sind Joachim Recht und seine Mitarbeiter/-innen auf Ablehnung und Skepsis gestoßen. Es war ein langer und neuer Prozess für das Jugendfunkhaus Bündnispartnerschaften für die mittlerweile vier Projekte zu bilden, die über „Künste öffnen Welten“ gefördert werden. Die Bündnispartner sind vielfältig: verschiedene Schulen – von Gymnasium über Oberschule bis hin zu einer Schule für geistig Behinderte –, ein Integrationshaus für Spätaussiedler und russische Einwanderer sowie ein Nachbarschaftsverein und ein Verein für Rhythmik und Bewegung.

Von Anbeginn wollte das Jugendfunkhaus „ein Verständnis öffnen für die Inhalte, für die Arbeitsweisen aus dem kulturellen Bildungsbereich“, welches sich dann ganz natürlich durch die Kommunikation zwischen den Partnern eingestellt hätte, so Joachim Recht, Künstlerischer Leiter des Jugendfunkhauses in Berlin-Lichtenberg. Und dies mit dem Wunsch das zu vertiefen. Schließlich steht schon ein gänzlich neues Projekt in den Startlöchern, ganz unabhängig vom BKJ-Förderprogramm.

Eine Fortbildung für Multiplikatoren/-innen, die darauf zielt, die „Durchlässigkeit zwischen formalem und non-formalem Bildungsbereich zu verbessern“, soll es werden. Denn: „Es geht nicht darum, den Lehrern zu sagen, was besser zu machen ist. Es geht darum, die beiden Bildungsbereiche zusammen zu bringen“, beschreibt Joachim Recht. Die Künstler/-innen arbeiteten anders, als Schule funktioniere und würden dadurch auch an ihre Grenzen stoßen. Um ein Verständnis für alle Beteiligten in solchen Kooperationen herzustellen, will das Jugendfunkhaus Lehrer/-innen, Künstler/-innen und Sozialarbeiter/-innen gemeinsam in Methoden-Workshops fortbilden. Damit erweitert das Jugendfunkhaus auch seine Arbeit – auf Multiplikatoren/-innen.

Durch die Projekte in „Künste öffnen Welten“ gäbe es aber schon eine Annäherung zwischen allen Akteuren. „Die Schule merkt zunächst mal, dass ein Projekt einen enorm positiven Einfluss hat auf das gesamte Klima in der Schule, auf schulische Alltagssituationen. Die Konflikte werden anders bearbeitet und werden vor allem weniger“, erzählt der Künstlerische Leiter des Jugendfunkhauses. Die Lehrer/-innen würden gleichzeitig sehen, dass auch die Methoden Kultureller Bildung in der Vermittlung wesentlich effektiver seien, als das, was in der Schule möglich wäre. Doch auch die Dozenten/-innen in den Projekten begreifen, dass sie sich weiter entwickeln müssen, um Kinder und Jugendliche zu erreichen. Regelmäßige Fortbildungen gehören für sie ebenso dazu, wie den Projekt- und Workshopverlauf zu evaluieren und das methodische Wissen zu erweitern. In dem neuen Projekt wird diese Nachfrage nun zusammengefasst und bearbeitet.

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Was bei all den Bemühungen im Vordergrund steht, sind natürlich die Kinder und Jugendlichen. Nach Einführungsangeboten mit zum Teil mehr als 100 Schülern/-innen, bei denen sie erfuhren, wer die Dozenten/-innen sind und alles praktisch ausprobieren konnten, beschäftigen sie sich in wöchentlichen Angeboten und mehrtägigen Workshops mit kulturell-künstlerischen Techniken und Methoden. Eine Präsentation bildet den Höhepunkt, bei der dann zum Beispiel die Ergebnisse aus dem Kurs „Mode Design“ als Kostüme und Bühnenbild für die Teilnehmer/-innen des Band-Workshops sichtbar werden, die ihre eigenen Lieder und Texte vorstellen.

Das große Ziel dahinter heißt Kompetenzstärkung. Dabei geht es Joachim Recht vor allem um soziale Kompetenzen, aber auch um Kompetenzentwicklung im künstlerisch-ästhetischen Bereich, auch darum Rollenklischees und Handlungsmuster zu durchbrechen, und im Sinne der non-formalen Bildung „geht es um die Schulung der Sinne, darum, überhaupt Selbstvertrauen zu entwickeln und um Teamwork.“ Für Viele wäre es schon schwierig aus der frontalen Unterrichtssituation auszubrechen, gemeinschaftlich und auch eigenständig kreativ zu arbeiten. „Die künstlerischen Angebote sind dabei im Grunde genommen, ein Medium um die Prozesse zu initiieren und weiter zu entwickeln“, so Joachim Recht. Wenn sie dann auf der Bühne stehen, erfahren sie eine enorme Anerkennung durch das Publikum. Das stärke nicht nur das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, es motiviere. Indem die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten kennen gelernt haben und die besser einschätzen können, kommen sie mit eigenen Ideen auch außerhalb der Projekte in die Einrichtung: „Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus dem letzten Percussion-Workshop kommen jetzt regelmäßig ins Jufu um ihre eigenen Grooves zu spielen, mit dem Sänger aus dem Musikangebot zusammen Texte zu schreiben und bei uns im Studio ihre Songs eigenständig zu produzieren “, zeigt Joachim Recht auf. Die unterschiedlichen Bildungsniveaus, spielen dabei keine Rolle. Zwischen den Jugendlichen entstünde eine viel stärkere Verbindung, unabhängig von welcher Schule sie kommen. Und das strahle in den Sozialraum aus, der durch sehr viele junge Familien mit einem hohen Integrationsbedarf geprägt ist, in dem die vor allem aus dem Osten Europas zugezogenen Jugendlichen viel Zeit benötigen, um kulturell anzukommen.

Beginn: 01. März 2013
Förderzeitraum: 10. Februar 2017
Fördersumme: 35.791 Euro

Bilder: Jugendfunkhaus Berlin