Raumforschung

Bild: Frank Schinski, Raumforschung Galaktische RaumschiffwerkstattAls Raumexperten ernst genommen und in die Umbauplanungen der eigenen Schule einbezogen, werden im Projekt „Raumforschung“ die Schüler/-innen der offenen Ganztagsschule Lüneburger Damm in Hannover. Sie nähern sich unter Anleitung von Künstlern/-innen den verschiedenen Raumdimensionen ihrer Schule: Wie viel Platz benötige ich im Raum? Wie und wo können wir in die Architektur eingreifen und welche Bereiche bieten sich zur Mitgestaltung an?

Im engen Austausch mit den Verantwortlichen der Stadt, den beauftragten Architekten und der Schulleitung haben die Initiatorinnen und Projektkünstlerinnen Andrea v. Lüdinghausen und Christiane Oppermann ein Beteiligungsprojekt entwickelt, dass alle 323 Schüler, 20 Lehrer, Eltern und weitere Künstler/-innen in die „Raumforschung“ involviert. „Wir möchten die Kinder für Raumfragen sensibilisieren und ihnen ein Gefühl der Verantwortlichkeit für ihren Lern- und Lebensraum vermitteln. Sie sollen sich in ihrer Schule wohlfühlen und sagen dürfen: Was ist gut? Was ist schlecht?“ erläutert die Projektleiterin und Künstlerin Christiane Oppermann. So wurden beispielsweise in unterschiedlichen Ateliers Raumbautechniken vermittelt und die Schüler/-innen auf Erkundungstouren in ihrer eigenen Schule geschickt, um dabei Veränderungspotenzial aufzudecken. Mit selbst gebauten Lupen entdeckten die Teilnehmer-/innen nicht nur „tote“ Ecken, zu viel asphaltierte Schulhoffläche und hässliche Mülleimer, sondern auch Liebenswertes, das bleiben soll, wie Spielgeräte und die gute Seele der Schule, den Hausmeister.

Erste Ideen, die sich aus den Workshops heraus kristallisieren, drehen sich um Rückzugsräume für Schüler/-innen und Lehrer/-innen, Bewegungsräume und Räume zum Verändern. Ein weiteres Ziel der Projektkünstlerinnen: „Seit den 70er Jahren verringert sich die m²-Zahl pro Kind in den Schulen. Wir möchten einen Teil des durch den Umbau frei werdenden Raum für die Schüler/-innen und Lehrer/-innen erhalten.“

Konkrete Abmachungen mit dem Architekten wurden noch nicht getroffen. Aber das von den Kindern selbst erfundene Umwickeln der Geländer führte zur Idee, eine funktionstüchtige Polsterung zu schaffen, die von den Schüler/-innen gestaltet wird. Die Suche nach Ruhepolen ließ z.B. die Idee von Wandlöchern reifen, in denen höhlenartige Nester gebaut werden können und mit der neuen Außenfassade der Mensa entsteht eine riesige Wand- und Bildfläche, wo konstruktive und visuelle Gestaltungsideen der Kinder einfließen könnten.

Galerie

Das Schönste an diesem Projekt ist, dass viel Wert auf nachhaltigen Nutzen gelegt wird und eine Mitsprachekultur wachsen kann. In einem „Raumforschungslabor“ sollen die besten Ideen, Modelle, Fotos und Dokumente bewahrt werden, aber nicht als verstaubtes Archivgut, sondern wie in einem begehbaren Depot. In einem integrierten Arbeitsraum soll hier weiter geforscht und experimentiert werden. Partizipative Raumfragestellungen können so in der Schule einen dauerhaften Ort bekommen und in die Nachbarschaft hinausgetragen werden. „Wir möchten das Labor so gestalten, dass auch die Nachfolgenden noch Gestaltungsspielraum haben“, sagt Oppermann. Dazu gibt es mehr als genug Potenzial: Bald zeigt eine erste „Raumforschungsausstellung“ im Kulturtreff Roderbruch außerhalb der Schule die bisherigen Ergebnisse. Bereits im ersten Jahr wurde das Projekt von der Stiftung Kulturregion Hannover und der TUI Stiftung als „KulturKomet“ (3. Preis) ausgezeichnet.

Der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur ART IG e.V. kooperiert mit der vor dem Umbau stehenden Ganztagsschule Lüneburger Damm und dem Kulturtreff Roderbruch in Hannover.

Beginn: 15. April 2013
Förderzeitraum: bis 10. August 2016
Fördersumme: 43.000 €