Tanz-Theater-Projekt „Strand_Gut“

(c) Violetta Odenthal

(c) Violetta Odenthal

Einfach erst einmal Tanzen, ganz locker drauf los. Aber nur einige der Jugendlichen, die nun schon zum zweiten Mal zum Tanz-Theater-Projekt „Strand_Gut“ ins Düsseldorfer Jugendinformationszentrum (zeTT) gekommen waren, trauten sich. Die 12- bis 18-Jährigen wurden von der begleitenden Künstlerin, Gizella Hartmann, und dem Gesamtteam einzeln und persönlich angesprochen und immer wieder motiviert. Es hat etwas gedauert bis sich die Gruppe gefunden hat, bis von der Entwicklung der Gruppendynamik die ersten tänzerischen Grundlagen gelegt werden konnten.

Gizella Hartmann erinnert sich: „Unsere Herausforderung war es, eine große und heterogene Gruppe an ein sehr aktuelles sowie persönliches Thema mit Mitteln von Tanz und Theater heranzuführen. In dem Projekt geht es gerade um die Fragen, was sind unsere Unterschiede, was sind unsere Gemeinsamkeiten, welche Biografie habe ich, was ist mein Hintergrund, welche Fähigkeiten und Talente habe ich.“ Die 38 Jugendlichen, von denen nach einem halben Projektjahr schlussendlich 22 an der intensiven Probenphase kurz vor der Aufführung teilnahmen, beschäftigten sich mit: „Wie bin ich überhaupt nach Deutschland gekommen? Oder: Ich bin in Deutschland aufgewachsen, wie erlebe ich junge Menschen, die nach Deutschland kommen? Es geht auch um die Lebensphase der Pubertät und den Übergang von Schule zu Beruf, ja, um das Stranden in einer Phase, in der man nicht genau weiß, wie geht es mit mir weiter“, ergänzt Franziska Bucher vom Jugendmigrationsdienst der Diakonie Düsseldorf, die sich zusammen mit ihrer Kollegin Elisabeth Slama um die organisatorischen Belange des Projekts kümmert.

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Sich mit Themen ihrer Lebenswelt mittels Tanz – Hiphop, Ethno Fusion, Improvisation und Tanztheater, Sprechtheater – szenisch sowie dokumentierend, Gesang und Videokunst zu beschäftigen, war für die Jugendlichen neu. Die meisten von ihnen hatten auch noch nie eine Tanzaufführung oder ein Konzert besucht und keinen Zugang zu Kulturorten in Deutschland. „Als die Jugendlichen merkten, dass sie wirklich ernst genommen und gefragt sind in ihrer Identität, öffnete sich auch dieses Spielfeld und die Gruppe fand dafür Begeisterung“, erläutert Gizella Hartmann den Prozess, in dem die persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen zu Szenen des Tanz-Theaterstückes wurden.

Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte aus acht verschiedenen Herkunftsländern, teilweise Flüchtlinge, die mit oder ohne ihre Eltern erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind; Jugendliche aus EU-Ländern, deren Eltern zur Arbeitssuche nach Deutschland kamen; zwei Teilnehmer/-innen mit Handicap; Jugendliche ohne Zuwanderungsgeschichte; aus unterschiedlichen Schulformen – so setzt sich die Gruppe in „Strand_Gut“ zusammen. Sie kamen zum Projekt über das Jugendinformationszentrum zeTT, den Jugendmigrationsdienst, das Junge Schauspielhaus Düsseldorf und dieAlbrecht-Dürer-Schule, hier gezielt aus den Seiteinsteigerklassen, in denen neuzugewanderte Schüler/-innen Deutsch lernen, bevor sie in reguläre Klassen gehen, oder über Mund-zu-Mund-Propaganda ihrer Freunde.

(c) Violetta Odenthal

(c) Violetta Odenthal

Dass sie auch kontinuierlich kommen dürfen, musste mit den Eltern besprochen werden. Anfangs waren einige noch skeptisch und wollten ganz genau wissen, was ihre Kinder bei „Strand_Gut“ machen. „Und da haben wir dann Gespräche mit den Eltern geführt, die konnten auch bei den Proben mal zugucken“, so Franziska Bucher. Am Ende des Projektjahres stand dann die Aufführung. Für die Eltern war dies ein ebenso großes Erlebnis wie für ihre Kinder. Franziska Bucher spricht von rührenden Szenen und erklärt: „Ich glaube, das haben die Eltern zum Teil nicht erwartet, dass ihre Kinder so aus sich heraus gehen und das auch so professionell machen.“ Selbstbewusst zeigten sich die Jugendlichen auf der Bühne, die zu Projektbeginn noch am Rand saßen, sich nicht trauten. Sie haben gesungen und getanzt vor vielen Menschen. Es „kristallisierten sich regelrechte Talente in der Gruppe, denn der individuelle Blick auf jeden Einzelnen machte Mut, sich zu zeigen und die eigenen Fähigkeiten für die Performance zu professionalisieren“, beschreibt die Gizella Hartmann auch die künstlerische Entwicklung.

Einige von ihnen werden dabei bleiben, wenn das Projekt „Strand_Gut“ fortgesetzt wird und ihre Erfahrungen vertiefen. Mit dem neuen Bündnispartner, dem zakk – Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation, wird Musik als Schwerpunkt hinzukommen. Workshops zu Turntabelism und Hiphop werden aber auch noch neue Teilnehmer/-innen anziehen.

 

Beginn: 24. Oktober 2013
Förderzeitraum: abis 05. Mai 2015
Fördersumme: 25.460 Euro

Bilder: Jugendmigrationsdienst Diakonie Düsseldorf und Violetta Odenthal