Varieté and work

Varieté and work - Kolping Bildungsagentur MünchenDieses Gefühl, da habe ich richtig was gekonnt

Erst ein Schulabbruch, dann das Nachholen der Mittleren Reife und eine anstehende schulische Laufbahn an der Fachoberschule für Kunst und Gestaltung. Das klingt erstmal nicht weiter aufregend, aber doch nach einem Umweg mit Happy End. Für einen jungen Mann aus München ist das der eigene Weg, der vor drei Jahren noch undenkbar war.

Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, vermittelte die Arbeitsagentur ihn in eine berufsvorbereitende Maßnahme bei der Kolping Bildungsagentur. Ziel dieser einjährigen Maßnahmen ist es mangelnde schulische Fertigkeiten aufzuholen, Schulabschlüsse zu verbessern oder nachzuholen. Das darüber hinaus gehende Projekt „Varieté and work“ wies dem jungen Mann aus München allerdings erst die Richtung, hin zur Kunst. „Er hatte Kontakt mit Kunstschaffenden, die ihn bestärken konnten, diesen Weg zu gehen.“, berichtet der Projektleiter Heiko Lange. Seine Erfahrung ist außerdem, dass sich die Jugendlichen in den berufsvorbereitenden Maßnahmen „mit dem klassisch kognitiven Lernen“ schwer tun und „über das Erlebbare wesentlich mehr Möglichkeiten haben, auch Lernprozesse anzustoßen“. Das Projekt „Varieté and work“ ist ein erster Schritt der Kolping Bildungsagentur auch kulturelle Bildungsangebote ergänzend zu nutzen, damit die Schüler/-innen, die von Hauptschulen oder Förderschulen kommen, Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen entwickeln und nach der Maßnahme eine reguläre Ausbildung aufnehmen können.

Im Projekt probieren sich die Jugendlichen anfangs in unterschiedlichen Sparten aus: Fotokunst, Bühnenbild, Jonglage und Zauberei etc. Sie besuchen den Bündnispartner, das Institut für Angewandte Kulturelle Bildung, wo Künstler/-innen selbst trainieren, wo es Ausstellungen und Veranstaltungen gibt. Wenn ihnen davon etwas gefällt, vertiefen sie es in Workshops und nach einem halben Jahr präsentieren sie ihre Arbeit in Form eines Varieté-Abends. Diesen planen sie, kümmern sich um ein Menü, die Bewirtung, das Bühnenbild und natürlich um die Aufführung der künstlerischen Beiträge. 24 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren nehmen pro Halbjahr teil. Viele wollen auch noch ein zweites Mal dabei sein und dürfen dies, gerade, weil sie hier die Chance haben, sich in besonderer Weise weiterzuentwickeln. So erreicht die Kolping Bildungsagentur mit „Varieté and work“ ein Drittel der Schüler/-innen, die pro Jahr ihr berufsvorbereitendes Angebot durchlaufen. Nicht alle Teilnehmer/-innen nutzen ihre Erfahrung aus dem Projekt auch beruflich wie der junge Mann aus München. Doch erstmals bekommen sie durch das Projekt eine Vorstellung von ihrem Können: „Dieser Kompetenzgewinn entsteht auch dadurch, dass die Persönlichkeit gestärkt ist und sie dieses Selbstvertrauen in sich selber ja auch mitnehmen und in ihrer Lebenswirklichkeit einsetzen lernen.“, beschreibt Heiko Lange.

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Fällt der Vorhang und ist die berufsvorbereitende Maßnahme vorbei, können die Jugendlichen natürlich die Angebote im Institut für Angewandte Kulturelle Bildung nutzen. Dessen Anziehungskraft reicht sogar über „Varieté and work“ hinaus und auch nicht beteiligte Schüler/-innen haben das Institut für sich entdeckt. Ebenso positiv hat sich diese Zusammenarbeit für die Kolping Bildungsagentur entwickelt. Eine Fortführung ist geplant, von der auch die unbegleiteten, aus ihren Heimatländern geflohenen Kinder und Jugendlichen, die auf dem gleichen Gelände wohnen, auf dem auch das Institut für Angewandte Kulturelle Bildung seine Räume hat, profitieren können. Ihnen die gleichen Bildungsprozesse zu ermöglichen, um in der neuen Umgebung Fuß zu fassen und sie mit einheimischen Jugendlichen, die ebenso vor neuen Schritten in ihrem Leben stehen, zusammen zu bringen, ist hierbei der Wunsch.

Die öffentliche Anerkennung, die das Projekt bereits erfährt, hat so noch Raum zum Wachsen. Denn diese kommt nach zweieinhalb Projektjahren gerade erst in der Führungsetage der eigenen Organisation an. So ist noch reichlich Potenzial und Heiko Lange wünscht sich, dass die Unterstützung weiter wächst und stärker wird, sodass kulturelle Bildungsangebote verstetigt und perspektivisch vollwertig in die berufsvorbereitende Maßnahme integriert werden können. Damit noch mehr Jugendliche über die Methoden und Inhalte von Kunst und Kultur ermutigt werden, ihren eigenen Weg zu finden.

Beginn: 26. April 2013
Förderzeitraum: 31. Juli 2016
Fördersumme: 84.000 Euro

Bilder: Kolping Bildungsagentur München