Von Drachen und Katzen – Träume aus Papier

Wir schneiden Geschichte - Helden wider Willen e. V. LeipzigClaudius und Anne sind sieben und neun Jahre alt. Wie die anderen Kinder im Projekt besuchen sie vormittags die Leipziger Grundschule am Auwald. Nachmittags aber verlassen sie den Auwald. Dann fliegen sie mit ihrem Drachen über Schlösser und Seenlandschaften – zumindest in ihrer Fantasie. Denn nach Schulschluss arbeiten sie mit den Kunstpädagogen des „Helden wider Willen e. V.“ an kreativen Ideen.

Der gemeinnützige Verein bildet zusammen mit dem Schulhort Auwald und dem Figurentheater Lindenfels Westflügel ein Bündnis für Bildung, das die Kinder in eine andere Welt entführt: die Welt des Figurentheaters. Sie besuchen Aufführungen, sprechen mit den Künstlern/-innen über ihre Eindrücke und dürfen die Figuren der Profis selbst ausprobieren.

Sehen, hören, fühlen – all das soll die Fantasie der Kinder anregen, damit sie im nächsten Schritt eigene Geschichten erfinden. Zuletzt ging es um „Träume“. Am Anfang stand dabei das Stück des französischen Ensembles „Le Vélo Théatre“, in dem der Protagonist Träume sammelt. Die Kinder wurden dazu inspiriert, über ihre Träume nachzudenken – und plötzlich wimmelt es nur so von Fabelwesen. Anne (9) wünscht sich zum Beispiel „einen Drachen als Haustier“.

Aus Fantasie wird Kunst: Die Kinder führen ein eigenes Schattentheater auf. Wie aber funktioniert Schattentheater? Papier, Schere und das Licht aus einem Polylux reichen dafür aus. Die Kinder diskutieren den Aufbau ihres Theaterstückes, probieren aus, wie das Licht eingesetzt werden muss, versuchen sich an Stabpuppen. Im nächsten Schritt geht es schon ans Basteln. Gar nicht leicht, aus Papier filigrane Figuren zu schneiden, aber die Kinder schaffen es, eigene Charaktere entstehen zu lassen.

Die kreative Arbeit eröffnet Kindern, die von zu Hause aus wenig Kontakt zum Theater haben, neue Perspektiven. „Sie lernen, die Welt anders zu sehen. Die Kinder beschäftigen sich mit Themen auf für sie neue Art und Weise und schaffen dabei etwas Eigenes“, schildert Sophia Brock, die Workshop-Leiterin. Dies helfe ihnen, in der Welt besser zurechtzukommen, so ihre Überzeugung: „Diese Erfahrungen können den späteren Lebensweg beeinflussen. Sie eröffnen den Kindern zusätzliche Möglichkeiten und Einblicke. Handwerkliche Arbeitsfelder kennen sie, durch die Workshops bekommen sie auch Zugang zu Kreativberufen.“

„Ich bin begeistert von der Kreativität der Kinder, von ihrer Spontanität und Furchtlosigkeit“, erklärt Claudia Friedrich. Sie engagiert sich ehrenamtlich und lässt sich von der Freude der Kinder bei der künstlerischen Arbeit anstecken. Sie möchte durch ihr Ehrenamt „etwas zurückgeben“, wie sie sagt: „Ich selbst bin privilegiert aufgewachsen, ich weiß, dass es nicht jedem Kind so geht.“

Galerie

So werden aus den Grundschülern/-innen erfahrene Figurentheatermacher und Filmer. Sind die Theaterstücke der Kinder fertig, werden ihre Produktionen im internationalen Figurentheater in Leipzig präsentiert. Claudius (7) denkt dabei auch ans Publikum: „Ich will, dass die Zuschauer Spaß haben. Ich finde, das ist bei meinem Film ‚Die Katze fährt in den Urlaub‘ gut gelungen“. Und das ist dieses Mal keine Erfindung, sondern die schöne Wirklichkeit.

 

Beginn: 4. November 2013
Förderzeitraum: bis 10. August 2015
Fördersumme: bei aktueller Förderdauer 28.400 Euro

Text: Redaktionsbüro „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, www.buendnisse-fuer-bildung.de

Bilder: Sophia Brock, Leipzig