Wir öffnen Klangwelten

„Wir öffnen Klangwelten“  ist ein Musikprojekt im Stadtteil Neuberesinchen in Frankfurt an der Oder. Die Großwohnsiedlung wurde in den Jahren 1978 bis 1989 erbaut und ist somit der jüngste Stadtteil Frankfurts und der mit dem größten Bevölkerungsrückgang in der gesamten Stadt. Seit Projektbeginn im Frühjahr 2013 wird hier viel getrommelt und geblasen.

Der Geschäftsstellenleiter der Fanfarengarde, Hans-Jörg Laurisch, fragt sich heute, warum ihm dieses Projekts und vor allem die Zusammenarbeit mit einer Kita und einer Grundschule nicht schon viel früher eingefallen ist. So erreiche man Kinder, in deren Elternhaus Musik keine Rolle spiele. Musikalische Grundlagen aber zu erlernen, sei eine wichtige Fähigkeit und ein Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Dazu hätte es eben die Anregung des Programms „Künste öffnen Welten“ gebraucht, so Laurisch. Beide Einrichtungen sind nicht weit vom Vereinshaus der Fanfarengarde entfernt. Durch Kontakte zu einzelnen Lehrern/-innen und Erziehern/-innen hat sich das Bündnis zwischen der Fanfarengarde, der Astrid-Lindgren-Grundschule und der Kinderwelt gGmbH Kita „Coole Kiste“ formiert.

Durch den großen Einsatz der vielen freiwilligen Helfer/-innen der Fanfarengarde und dem Engagement der Pädagogen/-innen konnten für die drei Musik-AGs sowohl viele Kinder, aber vor allem auch ihre Eltern begeistert werden, ohne deren wäre Zustimmung eine Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen. Entscheidend neben der Musik sei, so Hans-Jörg Laurisch, dass das gesamte Angebot, der Unterricht, die Noten und Notentaschen, die Fanfaren-, Perkussionsinstrumente und Mundstücke die Eltern kein Geld koste.

Ein halbes Jahr liefen die AGs, die von erfahrenen Musikern aus der Fanfarengarde geleitet werden, einmal in der Woche in der Schule, in der Kita und auch im Vereinshaus der Fanfarengarde, für Kinder, die die Termine in Kita und Schule nicht wahrnehmen konnten. Bei den AGs im Vereinshaus wird es voll, wenn alle Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 16 Jahren eingetroffen sind. Zuerst Proben alle in kleinen Gruppen in sogenannten Stimmproben – immer alle mit dem gleichen Instrument zusammen –, um sich am Ende unter der Leitung von Hans-Jörg Laurisch zu einer Tuttiprobe zusammenzufinden. In den AGs in der Schule und in der Kita werden aber zuerst musikalische Grundlagen, wie Rhythmus und Notenlesen vermittelt. Später erst kommen das Schlagwerk und die Fanfaren hinzu.

Im Sommer wurden dann die erworbenen Fähigkeiten der AG-Teilnehmer/-innen bei einem Konzert der Fanfarengarde präsentiert und auch hier betont Hans-Jörg Laurisch wieder, wie wichtig es wäre, den Eltern hier präsentieren zu können, was ihre Kinder machten und gelernt haben. Aber auch, dass die Erfahrung des gemeinsamen Musizierens auf der Bühne Identität stiftet. Ebenfalls ein tolles Erlebnis sei die Musikwoche im Vereinshaus am Anfang der Sommerferien gewesen. Aus allen AGs nahmen die Kinder teil und beschäftigten sich eine Woche lang nur mit Musik. Mit der Unterstützung von Musikern/-innen und vielen Freiwilligen wurde getanzt, gesungen, getextet und aufgeführt. Höhepunkt war der Auftritt einer Opernsängerin vor den Kindern, von denen die meisten wahrscheinlich noch nie eine Opernarie gehört hatten, erzählt Hans-Jörg Laurisch stolz. „Wir wollen den Kindern nicht nur Noten lesen beibringen und Fanfare spielen und trommeln, sondern einen erweiterten Blick auf Musik ermöglichen.“ Der größte Erfolg ist aber, dass durch den engen Kontakt zum Verein der Fanfarengarde  nun viele Kinder aus den AGs weitermachen wollen. „Und wenn die Eltern sehen, dass ihre Kinder nach einem Jahr immer noch am Ball bleiben, dann sind sie auch eher bereit einen Vereinsbeitrag und ein eigenes Mundstück zu bezahlen“, überlegt Laurisch. So sei zum einen die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleistet, aber auch der Nachwuchs der Fanfarengarde gesichert.

Beginn: 15. April 2013
Förderzeitraum: bis 10. August 2016
Fördersumme: bei aktueller Laufzeit 62.127 Euro