Yarnbombing

Yarnbombing_Jena(1)„Wir haben tatsächlich Kinder dabei, die seit Jahren nicht im Stadtzentrum Jenas waren“, sagt eine der Projektverantwortlichen, Claudia Martins. Die Initiative Kinderfreundliche Stadt Jena e. V. (KinderIni) arbeitet seit fast 20 Jahren im Stadtteil Winzerla und hat festgestellt, dass die Kinder aus dieser Plattenbausiedlung nicht sehr mobil sind. Das war der Ausgangspunkt. Die Grenzen zwischen den einzelnen Stadtteilen zu durchbrechen, egal welcher sozialen Schicht sie angehören, ist das Ziel aller Projekte der KinderIni bei „Künste öffnen Welten“. Mittlerweile läuft das Projekt „Yarnbombing“ schon seit fast einem Jahr und wird zusammen mit dem Kinder- und Jugendzentrum Klex und der Gemeinschaftsschule Kaleidoskop in der gesamten Stadt umgesetzt. „Kinder sollen ermutigt werden, ihre Lebensräume zu erweitern und wir begleiten sie auf diesen Erkundungen“, betont Claudia Martins. Besonders für Kinder aus sozial schwächeren Familien gibt es solche Impulse kaum.

Zu ungefähr je einem Drittel kommen die Kinder über die KinderIni, die Gemeinschaftsschule und das Klex zum „Yarnbombing“. Die Gruppe ist hinsichtlich ihrer sozialen Herkunft sehr heterogen, da die Gemeinschaftsschule zwar wie das Klex in Lobeda angesiedelt ist, aber die Schüler/-innen aus der gesamten Stadt kommen. Thematisiert wird die Herkunft aber nicht. „Weil es dann zur Stigmatisierung kommt und das wollen wir ja vermeiden“, sagt Claudia Martins. Wichtig dafür ist ein sensibler Umgang beim ersten Treffen, da sich viele Teilnehmer/-innen nicht kennen. Oft schaffen sich die Gruppen im Laufe der Zeit aber selber Identitätsmerkmale. „Einmal gab es eine Pudelmütze als Erkennungszeichen, da hieß es dann nur noch: Da ziehen die Yarnbombing Kids durch die Straßen. Und am Ende sieht man nicht, wer woher kommt“, bekräftigt Claudia Martins.

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Neben der Erweiterung der Lebensräume sind für die Projektleiterinnen auch Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe grundlegende Motivationen für ihre Arbeit. Im Projekt Yarnbombing funktioniert das so: Bei einem ersten Erkundungstag strömen die ca. 20 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren in die unterschiedlichsten Ecken Jenas und suchen sich einen Ort, den sie mithilfe von verschiedenen Filz-, Strick-, Häkel- und Färbetechniken, in Anlehnung an die Street Art „Urban Knitting“, bespielen wollen. In der Folge entwerfen sie ein Konzept und holen die Erlaubnis bei der Stadt oder bei den Besitzern ein. So haben sie unter anderem schon einen Brunnen im Stadtteil Lobeda verwandelt und eine Metallplastik in der Innenstadt umgedeutet. Wichtig sind auch die Reaktionen der Öffentlichkeit, die die Kinder mittels ihrer Kunstwerke erhalten. So erleben sie die Zerstörung einer Installation neben der Schule binnen zwei Stunden, aber auch das Fortbestehen seit vier Monaten an anderer Stelle.

Claudia Martins dazu: „Kinder wollen verändern und gestalten und oft trauen ihnen die Erwachsenen das nicht zu oder geben ihnen nicht die Freiräume. In unserem Projekt müssen sie sich die Räume, die sie gestalten wollen, auch organisieren, das heißt, die Genehmigungen einholen. Sie schreiben Briefe und das klappt oder nicht und das ist auch ein wichtiger Lernprozess.“

Erstaunlicherweise sind auch trotz der Handarbeitsmethoden wie Filzen und Stricken Jungen und Mädchen gleichermaßen interessiert und die Bündnisstruktur gewährleistet nicht nur die Diversität der Kinder, sondern auch die der Bündnispartner. „Das ist eine große Chance“, sagt Claudia Martins, „da treffen durch verschiedene Perspektiven besondere Synergien ein, die man nicht erwartet hat.“ Denn mit der Projektleitung und den beteiligten Künstler/-innen steht und fällt ein Projekt. Alle müssen dahinter stehen. So werden auch in den nächsten Jahren sich Kinder in ganz Jena Brunnen, Denkmäler und andere Orte auf ihre Art erobern.

 

Beginn: 10. Februar 2013
Förderzeitraum: bis 10. Februar 2017
Fördersumme: 36.000 Euro

Bilder: Initiative kinderfreundliche Stadt Jena e. V.